Dienstag, 21. Dezember 2010

Wiedersehen nach knapp 30 Jahren

Leider erst in Mexico dachte ich darüber nach ob es Leute gibt, die ich (auch von früher her) kannte und die eventuell auf unserer Reiseroute liegen würden um sie zu besuchen. Plötzlich dachte ich an Elena und Hans die gute Freunde von meinen Eltern waren. Sie wohnten Ende 70-er bis Anfangs der frühen 80-er Jahren in der Nachbarschaft von uns in Wettingen. Das letzte Mal als ich sie sah muss ich knapp 7 Jahre alt gewesen sein. Dank Google & Co. hatte ich via Martin (dem Sohn der beiden) schnell die Emailadresse von Elena gefunden.

Kurzerhand schrieb ich ihr eine Email um den Kontakt aufzubauen. Wie wenn keine 30 Jahre dazwischen gelegen wären schrieb sie mir sehr schnell zurück und lud uns gleich zu ihnen nach Hause - in der Nähe von San Jose- ein.

Ich war natürlich sehr gespannt auf die beiden, hatte ich sie -wie bereits geschrieben- das letzte Mal im Jahre 1981 gesehen!
Tja was soll ich sagen, der Empfang war einfach umwerfend und sehr, sehr herzlich! Elena und Hans liessen uns ihr Gästehaus, La Casita zur freien Verfügung, wo Jürg und ich uns bestens einrichteten. Auch die 7 Hunde von ihnen hatten an Jürg eine wahre Freude, besonders die blinde Luna!

Wir blieben insgesamt 6 Nächte dort. Dadurch hatten wir viel Zeit um mit Ihnen (zum Teil sehr) engagiert zu diskutieren und mehr über sie zu erfahren. Wenn ich Erdenbürger nennen müsste, dann die beiden. Einfach unglaublich wo die schon überall waren und auch familiär her stammen, es kommt alles vor: Schweiz, Italien, Argentinien, USA, Mexico, Kolumbien, Holland, Venezuela, Indonesien, Costa Rica etc.

Besonders spannend fand ich auch, mehr über Costa Rica zu erfahren, sie waren eine eigentliche „Wissensquelle“.  Während den 6 Tagen waren sie einmal bei Nachbarn zum Essen eingeladen wo wir auch mit gehen konnten. Kathleen (ursprünglich aus Irland) und Loreno (aus Italien) waren ein sehr freundliches und herzliches Gastgeberpaar. Wir assen dort die beste Pasta auf der ganzen Reise, ich würde sogar sagen es war definitiv eine der besten Pasta’s in meinem ganzen Leben! Für mich als neugieriger Mensch war es auch interessant, in das Leben anderer Menschen einen (kleinen, kurzen) Einblick zu erhalten.

Ein besonderes Highlight war sicher auch der ganztägige Ausflug mit Hans zum Irazu Vulkan (3300 MüM) und dem Lago de Cachi. Wir hatten bestes Wetter und Hans führte uns auch noch in ein sehr gutes Restaurant. Hans, Du warst ein toller „Reiseleiter“ und noch viel mehr.

Nun denn, alles hat sein Ende und so fuhren wir schweren Herzens am Sonntag Richtung Pazifikküste an der wir bis zur Grenze nach Panama entlang fahren werden.

Elena und Hans, ganz lieben Dank für die tolle Zeit, der Besuch bei euch wird mir immer in bester Erinnerung bleiben. Wenn ihr das nächste Mal in der Schweiz seid machen wir ein Reunion Abend zusammen mit Astrid und Nani, okay?  Pura Vida!

P.S. Natürlich hat es wieder ganz viele neue Bilder gegeben. Diesmal auch ein paar Familieninterne. Im Gästehaus von Elena und Hans „entdeckte“ ich Fotoalben. Ich staunte nicht schlecht, als mich selber und weiter gute, alte Freunde darin sah.



Zwei oder sogar noch mehr Rekorde am selben Tag

Ojjeee, wir ahnten ja noch nicht, was uns an diesem Tag (übrigens dem 155.) bevorstehen würde, als wir unbekümmert in Agua Zarcas auf unsere Fahrräder sassen und los fuhren.  Schon nach der ersten Kurve konnten wir sehen, wie die Strasse vor uns in schnurgerader Linie auf den Berg nach oben führte. Eine so steile Strasse hatten wir bislang vielleicht dreimal auf den gesamten zurückliegenden 8000 Kilometern. Aber da handelte es sich jeweils um einige Dutzend Meter. Hier schien die Strasse endlos. Ja nu, wir wussten, dass wir an Höhe gewinnen mussten, um nach San Isidro de Herdia zu gelangen und so mühten wir uns und unsere fast 70 Kilogramm schweren Fahrräder den Berg hinauf.

Was uns dann nach etwa 5 Kilometern steilsten Anstiegs oben erwartete, war schlicht gemein. Nicht, dass die Strasse jetzt flacher wurde oder sogar eben. Nein, fluchend über die Costa Ricanische Strassenführung sausten wir wieder hinunter, wohlgemerkt ins genau gleiche Tal, von welchem wir eben gerade heraufgestrampelt waren. Das Selbe gab’s dann noch weitere drei male, bis wir schliesslich in San Miguel ankamen.

Was jetzt folgt, lieber Leser ist kaum vorstellbar und es leider lässt sich wohl nicht wirklich passend beschreiben. Schon in San Miguel beginnt eine so krasse Steigung, dass es Jürg immer mal wieder das Vorderrad von der Strasse abhob, wenn er etwas zu weit nach hinten lehnte. Kilometerweit präsentiert sich nach jeder Kurve wieder ein genauso steiles Stück Strasse. Wenn uns mal ein Auto entgegen kam oder überholte, dann jolten die Leute aus dem Wageninnern und feuerten uns an. Bestimmt hielten die uns für vollkommen übergeschnappt, vor Allem, da diese ja wussten, was da noch vor uns Ahnungslosen lag. Einer streckte uns sogar einen Schokoriegel zur Stärkung entgegen. Zu allem Überfluss setzte nun auch noch der Regen ein und es stieg Nabel aus den Tälern. Ja nu, nasser als wir schon vom Schwitzen her waren, konnten wir nicht mehr werden.

Als dann schliesslich auch noch fertig mit Asphalt war und die Strasse sich langsam dem Zustand eines Flussbeets näherte, machten wir einen kleinen Halt und beschlossen, bei der nächsten Möglichkeit zu versuchen irgendwo unter zu kommen, schliesslich ging es schon gegen 4 und um 5 ist es in diesen Breitengraden um diese Jahreszeit Stockdunkel. Ups, hatten wir überhaupt irgendetwas, wie eine Herberge oder ein Hotel gesehen, in den letzten zwei oder drei Stunden? Nein, nichts Dergleichen.

So blieb uns also nichts Anderes übrig, als zu strampeln und zu hoffen. Im Gegensatz zu Kim, der in solchen Situationen zu beten pflegt, konnten wir, weil wir ja wissen, dass es Gott nicht gibt, einfach nichts als Strampeln und Hoffen. So strampelten wir weiter von Kurve zu Kurve und hinter jeder Kurve tat sich eine weitere Strecke mit unmenschlicher Steigung (der Kirchrai in Wallisellen ist flach dagegen) und ebenso gemeinen Schlaglöchern vor uns auf. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 Stundenkilometern kämpften wir uns die regnerischen, nebligen, steilen und schlaglochübersäten Hänge hoch. An einigen Stellen mussten wir durch Bäche fahren und an anderen Stellen war die Strasse nur sehr provisorisch repariert, da das alte Trasse den unsäglich steilen Berg hinunter gerutscht sein muss. Nach fast 1800 Höhenmetern tauchte doch linkerhand tatsächlich ein Restaurant auf.
Ach lieber Leser, stell Dir nun bitte nicht ein Restaurant vor, wie wir es irgendwo in Europa kennen. Nö, das war eine nach zwei Seiten offene Blechbude mit einem Feuer in der Mitte, eine zügige Bude mit drei Tischen und einem halben Dutzend Stühlen. Wir setzten uns tropfnass hin und bestellten je ein Getränk und Essen (zum Glück für Jürg war der Eintopf, den sie da anboten doch tatsächlich ohne Fleisch!).
Jürg dampfte regelrecht. Gefragt, ob es denn irgendwo da oben ein Hotel oder so gäbe, meinte der Herr, welcher uns das Essen brachte, dass in etwa zwei Kilometern ein Hotel komme, übrigens, das Einzige weit und breit. Gottlob bzw. natürlich zum Glück. Da es draussen inzwischen dunkel geworden war und mangels Licht drinnen auch, beschlossen wir das letzte Stück noch unter die Räder zu nehmen.
Auch die nächsten zwei Kilometer, die sich dann aber als 4 herausstellten (und das bei durchschnittlich 4 Stundenkilometern!) waren genauso steil, nass und voller Pfützen, wie die vorangegangenen weissnichtwieviele.

So kamen wir tropfnass und hundemüde endlich bei der besagten Hotelanlage an.
Ui dieses Hotel schien sich aber schon etwas von allen Vorangegangenen zu unterscheiden. Gerade einen günstigen Eindruck machte die Lobby nicht, auf uns. Ja nu, mal rein und fragen.
Entschuldigung, haben sie noch ein freies Zimmer für zwei Personen?
Claro que si.
Was würde uns das kosten?
Wir bekamen einen Prospekt vorgelegt, mit je einem Bild des kleineren Zimmers und einem des grösseren Zimmers. Ups, uns würde eigentlich ein Zimmer genügen, wir bräuchten keinen Palast. Die Zimmer auf den Bildern waren einfach riiiiesig, mit Cheminee, einem unbeschreiblichen Bad, mit Jacuzzi, Wasserfallduschen, einem enorm grossen Himmelbett, Stereoanlage und einem immensen Balkon, auf welchem man sich verlaufen könnte.
Leerschluck. Was kostet denn das kleinere Zimmer? 300 Dollar das Kleine und das Grosse 400. Aha. Wir mussten nicht lange überlegen. Wir hatten absolut keine Lust, draussen in der Kälte unser Zelt aufzubauen, also entschieden wir uns für das Kleine. Der freundliche Herr an der Rezeption schlug uns vor, uns das Grosse zum Preis des Kleinen zu überlassen, was wir natürlich mit Freude akzeptierten.
Die Fahrräder sollen wir ruhig mit aufs Zimmer nehmen, meinte er. Als wir alles Geschäftlich erledigt hatten, führte er uns zum Zimmer oder besser gesagt zur Suite. WOW, was wir da bekamen für die 300 Dollar, war jeden Cent wert.

Unfassbar, da hatte es einen Jacuzzi innen, eines aussen auf dem Balkon, eine Wasserfalldusche, eine normale Dusche, ein Cheminee, welches er gleich anzündete und es war einfach riiiiesig.
Wir nahmen gleich ein Sprudelbad und kochten uns danach auf dem Balkon Spaghetti welche wir vor dem Kaminfeuer genüsslich assen.

Einfach königlich schliefen wir im Himmelbett und am Morgen konnten wir uns nach einem üppigen Frühstück noch den hauseigenen Zoo anschauen.
Unglaublich, zu diesem Hotel gehört ein immenser Park, mit Raubtiergehegen, einem Affenhaus, einem Schlangenhaus, einem Schmetterlingshaus, einem Haus für Vögel, einem für Frösche usw. usw.

Absolut erholt und um 300 Dollar erleichtert nahmen wir dann am nächsten Tag die weitere Strecke in Angriff.  Diese führte uns schliesslich, mit endlos steilem Anstieg auf 2150 Meter.
Tag 155 war definitiv der Tag mit der grössten Steigung und auch derjenige mit der absolut teuersten Übernachtung (rund 5 mal so teuer, wie die bislang teuerste!)
Aber es hat sich gelohnt.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Eine Wendung - nicht ganz unerwartet (Stefan)

Tja, der eine oder die andere wird schon ahnen um was es geht......

Ich werde die Reise in Cartagena (Kolumbien) beenden.

Die Gründe sind vielfältig, es gibt keine eigentliche "Hauptursache" für meinen Entscheid.

Fest steht, dass ich im "allgemeinen" reisemüde geworden bin.
Jeden Tag weiter fahren, am Abend eine Übernachtungsmöglicheit suchen, dann sich
noch um das Essen kümmern und am nächsten Tag wieder weiter pedalen riefen bei mir gewisse Abnützungerscheinungen bzw. "Alltagsroutinen" hervor.
Ich fragte mich mit der Zeit was ich hier eigentlich mache und ob es das ist, was ich suchte und wollte: Aufstehen, Velofahren, essen, schlafen. Aufstehen, Velofahren, essen, schlafen. Jeden Tag, jede Woche.
Obwohl mir das Vorwärtskommen mit dem Velo bis anhin Spass gemacht hat bin ich mittlerweilen der Meinung,
für eine Reise durch diese Länder und mit dieser grossen Distanz ein motorisiertes Fahrzeug (Töff) für mich die bessere Wahl gewesen wäre.
Viele der durchfahrenen Gebiete waren es aus meiner Sicht nicht "Wert", sie mit 18 Km/h zu bereisen. Endlose Kuhweiden, Wälder etc. sehen mit der Zeit alle gleich aus. Hier war ich vielleicht etwas ungeduldig, ich wäre dort gerne schneller vorwärts gekommen und hätte dafür an den schönen Orten (Highlights) mehr Zeit gehabt.
Desweiteren sind wir mit dem Velo praktisch immer auf den Hauptstrassen bzw. in den Städten unterwegs. Mich würden halt (oder vor allem) auch die abgelegenen Orte und Hotels reizen.
Aber mit dem Velo macht man halt nicht mal eben einen Abstecher von 15 km hinunter an einen Strand, auf einen Hügel rauf etc.

Als äusserst kommunikative und gwundrige Person störte mich im Verlaufe der Reise auch immer mehr, dass ich mit meinem Spanisch halt doch auf den Standardsituationen wie Essen bestellen, Hotelzimmer buchen und anderem Smalltalk "hängen" blieb. Wir hatten wirklich viele interessante Begegnungen bei denen ich oft mehr Tiefgang in den Gesprächen gewünscht hätte (und vom Gegenüber auch gekommen sind) , wäre da nicht mein limitiertes Spanisch gewesen.
Von Jürg konnte ich (leider) nicht mehr erwarten, er ist ziemlich Spansich "resistent", andererseits ist ihm der (tiefgründigere) Kontakt mit den angetroffenen Personen nicht so wichtig wie mir.

Ein weiterer, ganz wichtiger Grund ist natürlich Tom, mein Mann und Lebenspartner. Es war für mich sicher die grösste Hypothek die diese Reise mit sich brachte, nach 13 Jahren intensiver und abwechslunsgreicher Partnerschaft für ein Jahr ohne ihn zu verreisen und ihn in der Schweiz zurück zu lassen.
Ich kann ihm nur ein Kompliment machen: Er liess mich ziehen und "engte" mich nicht ein. Auch mein jetziger Entscheid entstand nicht auf Druck von ihm. Danke für diese Freiheit Tom!

Abschliessend muss ich sagen das da auch noch eine Art Heimweh dazu kommt, obwohl ich mich in den 160 Tagen nie wirklich unwohl gefühlt habe. Und trotzdem, die vertraute Umgebung, ein Umfeld das meine Muttersprache spricht, ein gewohntes Essen, etc. sind Dinge die mir schon fehlen.
Auch der unmittelbare Kontakt/ Anblick der (zum Teil) krassen Armut der in vielen der durchreisten Länder herrscht setzte mir zu, auch wenn meine
Rückkehr nichts an der Situation der Leute dort verbessert.

Nun denn, bis zu meiner Rückkehr sind es jetzt noch gut 6-8 Wochen. Vorerst geniesse ich Costa Rica wo wir gegenwärtig sind. Dann gehts weiter nach
Panama und als krönender Abschluss (mindestens für mich) setzen wir mit einer Segeljacht via den San Blas Inseln nach Kolumbien über.

Ihr könnt euch also auf weitere Blogeinträge freuen; Fotos knipsen wir natürlich weiterhin und laden die auch hoch.

Beste Grüsse aus Costa Rica,

Stefan

Wie weiter? (Jürg)

Costa Rica, Tag Nummer 151.

Nun, nach 150 Tagen hat auch Stefan beschlossen, demnächst (voraussichtlich in Cartagena, Kolumbien) wieder nachhause zu fliegen. Claudio hatte das Heimweh ja bereits nach 5 Wochen gepackt.
Für mich keine so einfache Situation. Mir macht das Reisen mit dem Fahrrad noch immer Freude. Die verschiedenen Länder, die wunderbaren Landschaften, die Natur und auch die Begegnungen sind mir die Strampelei und auch die Entbehrungen, die eine solche Reise mit sich bringt noch immer absolut wert. Trotzdem werde ich dann wohl auch den Weg nachhause einschlagen. Alleine weiter zu radeln ist mir aus verschiedenen Gründen zu anstrengend (Sicherheit, Langeweile, wenn ich monatelang alleine durch die Landschaft radle ohne die Eindrücke teilen zu können und schliesslich die Gepäcksituation). 
Schon als Claudio uns verlassen hatte, mussten wir die ganzen Kochsachen von ihm übernehmen, jetzt kämen noch die Werkzeuge, Ersatzteile und der Laptop dazu, dabei schleppe ich bereits gegen 70 Kilo mit mir herum.
In den nächsten Wochen werde ich mich noch umschauen, ob grad ein anderer Radler (der genau weiss, was so eine Tour mit sich bringt) im etwa selben Zeitrahmen die vorgesehene Strecke unter die Räder nimmt. Dann würde ich mich allenfalls anzuhängen versuchen. Ja nu, wir werden sehen…….

Freitag, 3. Dezember 2010

Zigarres Reisetipps

Tag 133, bzw. 133 bis 135. 
Stefan hatte Tom gerade eben zum Flughafen gebracht und dann den Mietwagen zurück zur Zigarre gebracht. Zigarre war unser Autovermieter. Eine ganz spezielle Nummer. Crystal – Autovermietung, die Adresse um in Belize einen Wagen zu mieten. Zigarre hat viermal so viele Wagen, wie alle anderen Autovermieter zusammen (einschliesslich Hertz, Avis und Budget). Zigarre ist ein Amerikaner, der sich vor vielen Jahren in Belize niedergelassen und eine Autovermietung gegründet hat. Wir nannten ihn von Anfang an Zigarre, weil er eine riesige kubanische Zigarre im Mund hatte, was seinen amerikanischen Slang noch breiter machte. Zigarre wohnt unter einer riesigen zu zwei Seiten offenen Blechhalle, inmitten von tropischen Pflanzen und Antiquitäten. Alle Möbel, das Büro und alles steht quasi draussen, geschützt nur gerade durch ein Dach. In Vitrinen stehen archäologische Artefakte zwischen Zigarrenkistchen, Papageien klettern in den Bäumen und es kann durchaus auch mal vorkommen, dass ein Papagei von oben herab auf eine Computertastatur kackt. Zigarre hatte uns zwei Wochen zuvor erklärt, dass es auch ohne Versicherung kein Problem sei, mit dem Mietwagen über die Grenze nach Guatemala zu fahren. Kurzerhand wies er eine seiner Angestellten an, uns eine Erlaubnis zu fälschen. Überall, wo wir hin kämen, sollten wir einen Gruss ausrichten, dann bekämen wir Rabatt. Er erklärte uns, wo es sich lohnt hin zu fahren und wo eher nicht. Zwar dürfe man mit Mietwagen nur auf asphaltierten Strassen unterwegs sein, wir sollen diese Klausel aber getrost vergessen, denn die schönsten Orte seien eh nur auf Pisten zu erreichen.
So brachte Stefan also nach zwei Wochen den Wagen wieder zurück und Zigarre meinte nur: siehst Du, alles glatt gegangen, Auto noch ganz und Grenze problemlos passiert.
Natürlich wollte er auch wissen, wo’s jetzt weiter geht.
Eigentlich hatten wir vor, nach Dangriga zu fahren und von dort aus mit dem Schiff nach Puerto Colon (Honduras) zu übersetzen.
Zigarre meinte dann aber, wir sollten das lieber unterlassen, denn die Städte Puerto Colon, San Pedro Sula und Tegucigalpa sollten wir auf alle Fälle meiden, das seien die einzigen Orte in Mittelamerika, da würde er nicht hin gehen.
Spannend, da hatte uns doch zwei Monate zuvor in Mexiko ein Segler, der die ganz Welt besegelt hat vor 5 Städten gewarnt. Die drei, jetzt von der Zigarre genannten waren prompt auch dabei. Weil wir auch von den „Büsslis“ (aufmerksame Blog Leser kennen die Büsslis aus früheren Blog – Einträgen) hörten, dass Honduras eine Katastrophe gewesen sei und sie auf 120 Kilometern ganze 9 mal von Polizeikontrollen aufgehalten worden sind und die Polizisten dabei jeweils versuchten sie um Geld zu erleichtern, beschlossen wir dieses mühsame Land auszulassen.
Na ja, so einfach ist das dann aber eben nicht, denn alle drei Orte die wir unbedingt meiden sollten lagen ja auf unserem Weg, auch wenn wir den Bus nehmen sollten. Und der absolut schlimmste Ort in ganz Mittelamerika soll ja gerade eben der Busbahnhof von San Pedro Sula sein (wir sollten dann später noch mehr davon vernehmen).
Zigarre meinte, dass er nur eine Möglichkeit sehe und diese sei mit dem Bus über Guatemala (das zwar einen schlechten Ruf habe, aber eigentlich ganz gut zu bereisen sei), dann über El Salvador und Honduras nach Nicaragua zu fahren. Jesses, das würde ja einen unglaublichen Umweg bedeuten. Ja nu.
In Belize City erkundigten wir uns also nach den Verbindungen und siehe da, eine Stunde später sollte ein Bus in Richtung Flores (Guatemala) starten. Wir kauften also das Ticket und hievten eine Stunde später unsere Fahrräder aufs Dach des Busses.
Die ausführliche Beschreibung der Odyssee, die folgte ersparen wir unseren Blog Lesern wohl besser. Wir sassen nun also mehr als 36 Stunden in verschiedenen Bussen und fuhren so zwei ganze Tage und eine ganze Nacht lang in Fahrzeugen die dermassen herunterklimatisiert wurden, dass die Leute Wolldecken brauchten, um bei 16 Grad nicht zu erfrieren, währenddessen draussen tropische Hitze den Asphalt klebrig werden liess.
Irgendwo im Nichts und mitten in der Nacht stiegen vier weitere Reisende aus der Dunkelheit zu. Danny und Daniela aus Deutschland sahen auch schon sehr abgekämpft aus. Sie waren sichtlich froh, zusteigen zu können. In der Folge erzählten sie von ihren Erlebnissen. Tatsächlich kamen die beiden genau aus dem Gebiet, welches wir gerade mühsam umfahren hatten. Nach einigen Schilderungen des Gesehenen waren wir froh, dass wir auf Zigarre gehört hatten. Die beiden machten noch immer einen ziemlich eingeschüchterten Eindruck. Sie erzählten uns, dass der Besitzer des Hotels in Tegucigalpa, in welchem sie abgestiegen waren es unter allen Umständen vermied auch nur einen Meter in dieser Stadt zu Fuss zurück zu legen. Da er auch nie und nimmer einem fremden Taxifahrer vertrauen würde, hätte er und seine ganze Familie immer denselben Fahrer. Auch wenn er nur einige hundert Meter zurücklege, würde er dies nie zu Fuss machen da jeden Tag mehrere Leute in dieser Stadt ermordet würden. Na ja, dann mal gute Nacht. Apropos Nacht: in Selbiger hätten sie andauernd Schüsse gehört und beschlossen, sich am nächsten Tag von ebendiesem Taxifahrer direkt vom Hotel auf den nächsten Bus fahren zu lassen. Ok, wir waren also gut beraten diese drei Städte grossräumig zu umfahren.

Nach 36 Stunden Fahrt und ganzen 43 Stunden ohne Schlaf kamen wir also morgens um halb 2 in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua an. Unser Bus fuhr vor ein gewaltig grosses Eisentor, dass sofort von einem Sicherheitsmann mit Maschinengewehr im Anschlag geöffnet und gleich hinter dem Bus wieder geschlossen wurde.
Alles Gepäck wurde wieder ausgeladen und die Passagiere wurden vom Wachmann einzeln durch das Tor gelassen, wo sie sich draussen auf die wartenden Taxis verteilten. Wir setzten unsere Fahrräder wieder zusammen und befestigten die Taschen. Als wir dann schliesslich nach draussen in die Nacht starten wollten, meinte der Wachmann, dass wir unmöglich jetzt mit unseren Fahrrädern draussen herum fahren könnten, dass sei viel zu gefährlich, er bestelle uns lieber ein Taxi, welches uns zu einem Hotel bringen werde. Jürg fand das zwar schon etwas sehr übertrieben, willigte aber schliesslich ein. Der Taxifahrer lud dann tatsächlich all unser Gepäck und sogar noch das einer weiteren Passagierin, zusammen mit beiden Fahrrädern in und auf den Wagen und fuhr uns durchs absolut menschenleere Managua, vorbei an diversen Hotels. Bei jedem nannte er den Preis. Dieses koste 150 Dolares pro Person und jenes 80, dieses sei schmutzig und jenes zwar günstig, aber nicht sicher undsoweiterundsofort. Schliesslich hielt er vor dem, wie er meinte besten Hotel der Stadt. Na ja, das beste Hotel in Managua dürfte wohl einfach dasjenige sein, welches ihm die beste Provision für einen angekarrten Gast bezahlt.
So kamen wir also, im ärmsten und somit auch günstigsten Land auf unserer Reise zur schlechtesten und gleichzeitig auch teuersten Unterkunft unserer ganzen Reise. Bestimmt bekommt der Wachmann vom Taxifahrer eine Provision für’s Touristen erschrecken und der Taxifahrer vom Hotelbesitzer fürs Ankarren der verängstigten Gäste.
Der Clou aber war dann, dass wir am nächsten Morgen vom Hotel aus in Richtung Granada los fuhren und keine 200 Meter von unserer Unterkunft entfernt den Busbahnhof von gestern Nacht passierten. Elende Schlitzohren, diese Nicaraguaner.
Aber glaubt uns, liebe Blog-Leser, es ist ein Hochgenuss, wieder auf den eigenen Rädern unterwegs zu sein.


P.S Im Belize und Guatemala Album hat es nochmals mehr Bilder von weiteren Höhlenbesuchen etc. gegeben, neu dazu gekommen ist auch das Album für Nicaragua, Costa Rica und Panama.

Samstag, 27. November 2010

Wasserhöhle

Tag Nummer 138. 

Nähe San Ignacio (bestimmt bereits das 4. San Ignacio auf unserer Reise), morgen um halb 8, wir besteigen einen alten amerikanischen Schulbus. Dieser fährt uns in fast zweistündiger Fahrt über Strassen, die wir niemals für befahrbar gehalten hätten mitten in den Dschungel. Irgendwo im Schlamm steigen wir aus und müssen zu Fuss weiter. Dreimal überqueren wir dabei einen Fluss und stehen jedes Mal bis mindestens zum Bauchnabel im Wasser. Weit und breit sind wenigstens keine Krokodile auszumachen, doch an einer Stelle fangen die Fische plötzlich an, an uns zu knabbern. Nach einer guten Stunde Fussmarsch sind wir da, wo der Fluss entspringt, an einem wirklich sehr Idyllischen Höhleneingang. Durch diesen schwimmen wir mit unserem Guide  Patrick hinein. Dieser führt uns durch eine faszinierend schöne Tropfsteinhöhle. Immer mal wieder müssen wir ein Stück weit schwimmen oder klettern. Nach eineinhalb Stunden kommen wir an einem Ort in diesem unterirdischen Labyrinth an, wo die Mayas einst ihren Göttern Opfer gebracht hatten. Viele Tonkrüge und Scherben und auch einige makabere Relikte zeugen noch immer davon. Da liegen doch tatsächlich nach fast 2000 Jahren noch immer die Überreste der bedauernswerten Opfer in Form von Menschenknochen, Schädeln und ganzen Skeletten. Zwischen diesen Knochen hindurch führt uns unser Guide  und erzählt uns dabei von den Mayas und ihren Opferritualen.
Abgesehen von diesem Faszinosum, sind auch die Tropfsteinformationen atemberaubend. Gut, sind die Temperaturen an diesem Ort nicht so, wie normalerweise in europäischen Höhlen, denn wir verbringen tatsächlich über drei Stunden unter der Erde. Als wir am Schluss wieder ans Tageslicht, mitten hinein in den grünen Dschungel schwimmen ist das ein wirklich erhebendes Gefühl.
Eine Stunde laufen wir wieder zurück und wollen im Bus zurück fahren.
Der Buss will aber nicht und weil unser Fahrer so lange versucht das Ding zu starten, ist irgendwann die Batterie leer.  Ojeee und das bestimmt 30 Kilometer von der Zivilisation entfernt. Als dann der Busfahrer sich zu Fuss davon macht, wird’s schon etwas mulmig.
Irgenwie schafft er es doch tatsächlich von, weiss Gott woher, einen Traktor aufzutreiben und kommt bald mit zwei Bauern und einem Traktor zurück.
So geht’s dann (inzwischen ist’s zappenduster) im Buss, gezogen von einem Traktor weiter. Irgendwann, mit unsäglicher Verspätung aber trotzdem sehr zufrieden kommen wir dann doch noch „zuhause“ an, gerade rechtzeitig zum Nachtessen.

Wie immer gibt es viele neue Bilder im Album Belize und Guatemala .

Reif für die Insel oder Tag Nummer 131 bis 133

Nach 7850 gefahrenen Kilometern sind Ferien von den Ferien angesagt. Nachdem in Belize City Tom zu uns gestossen ist, stellen wir unsere Fahrräder im Hostel unter und lassen uns mit dem Schnellboot von Kapitän Reefes auf eine Insel fahren.
Weit draussen in der Karibik liegt, inmitten eines Korallenriffs die Insel Long Caye. Dort, inmitten von Palmen und Mangroven führen Ruth und Karel eine Tauchbasis.  Tom kommt mit Tauchausrüstung und Stefan und Jürg mit Schnorchel, Flossen und Taucherbrille an. Kaum aus dem Boot gestiegen werden wir zum Ferienmachen verdonnert. Als Jürg sein Gepäck ausladen will, wird er von Karel zurechtgewiesen. „Du hast Ferien, wir transportieren das Gepäck!“ begrüsst ihn dieser und nimmt ihm die Tasche aus der Hand. Aha.
Und so geht es weiter. Nachdem wir die wunderschönen Zimmer bezogen haben, gibt’s schon ein feines Mittagessen (für Jürg sogar Vegetarisch).
Fast noch kauend geht’s dann schon ab aufs Boot. Kathrin und Nigel, zwei weitere Gäste aus Deutschland sind auch mit dabei. Draussen am Korallenriff taucht Karel, zusammen mit Kathrin, Nigel und Tom ab in die Tiefen der Karibik und während Kapitän Reefes auf dem Schiff wartet, schnorcheln Stefan und Jürg zwischen bunten Fischen, ebenso bunten Korallen und einer wunderbaren Unterwasserwelt.
Plötzlich ruft der Kapitän uns beide, wild gestikulierend zu und zeigt aufs Meer hinaus.
Wir sehen grosse Flossen auf uns zu schwimmen.
Jesses, sind das Haie, die da direkt auf uns zusteuern?
Bald sehen wir die Tiere von ganz nah, es sind Delphine, die uns auf einmal umrunden. Wow, das haben wir nicht erwartet. Der Spuk dauert eine Weile und einige der faszinierenden Viecher kommen neugierig ganz nah, als das Schauspiel leider auch bald wieder endet und die Horde weiterzieht. Kurz danach kommen die Taucher wieder an die Oberfläche und können kaum glauben, dass wir bei unserem ersten Tauch- bzw. Schnorchelgang Delphine erleben durften. Sie murmeln etwas von ungerechter Welt und Anfängerglück.
Drei ganze Tage lang sind wir jetzt am Tauchen bzw. Schnorcheln. Am dritten Tag steht das Blue Hole auf dem Programm, eine kreisrunde Unterwasserhöhle von 300 Metern Durchmesser und 130 Metern Tiefe. Jürg schafft es auf fast 20 Meter Tiefe, muss dann aber 110 Meter vor dem Grund aufgeben, um an der Oberfläche wieder Luft zu schnappen.
So geniessen wir drei Tage lang eine faszinierende Unterwasserwelt, sehen Feuerfische und Adlerrochen, Korallen und Baracudas, füttern einen Fischschwarm mit Melonen und überleben einen Krokodilangriff.
Jawohl, als wir nämlich nach unserem letzten Ausflug ins Ressort zurück kommen und wie immer unsere Füsse im dafür vorgesehenen Wassereimer waschen wollen, liegt in diesem ein kleines Krokodil. Als Jürg sich das Tierchen näher anschauen will schnappt es sogleich nach ihm und er bringt in letzter Sekunde (oder eher Bruchteile selbiger) seine Finger wieder in Sicherheit. Ein angriffiges Kerlchen.
Das waren wirklich schöne Tage mit Ruth, Karel, Reefes, Kathrin, Nigel und natürlich Tom.

Dienstag, 23. November 2010

Belize, Rasen als Volkssport

Witzig, wie schnell sich soviel ändert, wenn man die Grenze von Mexiko nach Belize überschreitet. Dasselbe flache Land, wo sich Sumpf, steppenähnliches Grasland, Urwald und Zuckerrohrplantagen abwechseln und doch ist alles etwas anders.
Während man in Mexiko zwar viele braungebrannte, aber kaum je einen Schwarzen sieht, ist hier der Grossteil der Bevölkerung afrikanischstämmig und einziges Land südlich der USA spricht man in Belize wieder englisch.
Bereits an der Grenze war die Veränderung augenscheinlich. Während wir den mexikanischen Zollbeamten, dem wir unsere Pässe durch die schmale Öffnung schoben, in seinem Kabäuschen, vor lauter Glas und Gitter nicht sehen konnten, wurden wir in Belize von zwei fröhlichen, schwarzen Mamas herzlich begrüsst und an einen gutgelaunten Zollbeamten weiter geleitet.  Willkommen in Belize. Wo wir her kämen wollte er wissen und konnte es kaum fassen, dass jemand von Kanada nach Belize radelt. Gute Reise und seid vorsichtig! Machen wir.
Und dann, die  ersten Kilometer in diesem kleinen Land, gerade halb so gross, wie die Schweiz und nicht mal 250'000 Einwohner. Jeder hier scheint ein Fahrrad zu haben. In den Dörfchen und Städtchen, Fahrrad fahrende Menschen überall. Und auch hier, wie zuvor in Mexiko, fast alle winken und grüssen beim Vorüberfahren.
Doch die witzigste Veränderung, die sich wirklich schon wenige Meter nach der mexikanischen Grenze beobachten lässt: Hier hat jeder, aber wirklich jeder einen absolut gepflegten Rasen um sein Haus. Belize gehörte früher zur englischen Kolonie und Queen Elisabeth krönt noch immer die belizischen Dollarnoten. Die Engländer sind gegangen der englische Rasen aber scheint Bestand zu haben. Auf der anderen Seite des Grenzzaunes müsste man wohl tagelang suchen, um auch nur ein Haus mit Rasen zu finden, aber hier steht die armseligste Hütte mit Strohdach wie mitten in einen Golfplatz gepflanzt. Wir sehen sogar Baustellen, wo erst das Fundament und die Seitenwände stehen, der Rasen drumherum aber schon rege gepflegt wird. Na ja, nicht schwer zu erraten, von was wir an den beiden ersten Tagen (am Samstag und Sonntag) hier in Belize geweckt wurden. Richtig, am Samstag von einem Rasenmäher und am Sonntag (morgens um 7, wohlgemerkt) von einem Rasentrimmer. Drei Tage sind wir jetzt in diesem überraschenden Land und wir geniessen die fröhlichen Menschen und die Veränderung. Das muss wohl das sogenannte karibische Flair sein. Einfach hübsch.

Freitag, 12. November 2010

Adios Mexiko

Nach 66 Tagen, 4500 Kilometern, 121 Quesadillas (Jürg), 58 Sincronisadas (Stefan), sowie geschätzten 8800 winkenden Mexikanern und einem Krokodil (dieses natürlich nicht winkend), heisst es jetzt adios Mexiko. Morgen wollen wir die Grenze zu Belize überschreiten und das Land hinter uns lassen, in welchem wir wahrscheinlich bis am Schluss unserer Reise am meisten Kilometer zurückgelegt haben werden.
Wir freuen uns sehr auf Belize, werden Mexiko aber als ungemein freundliches Reiseland in Erinnerung behalten. Wir können Mexiko nur empfehlen. Infrastruktur, Strassen, Hotels, die Leute, allesamt sehr radlerfreundlich. Kein einziges Hotel hatte etwas dagegen einzuwenden, wenn wir jeweils unsere Fahrräder mit aufs Zimmer nahmen. Die Automobilisten nehmen sehr grosse Rücksicht auf Fahrradfahrer, fahren mit genügend Abstand und sehr oft hupen sie ganz kurz vor dem Überholen und viele schalten sogar die Warnblinkanlage ein, sobald sie einen Fahrradfahrer sehen. Grundsätzlich gilt: je grösser der Wagen, umso mehr Abstand. Besonders die Trucker sind genial, denn diese wechseln sogar meist auf die Gegenfahrbahn, um dem Fahrradfahrer auf keinen Fall zu nahe zu kommen.
Bevor wir die Grenze USA - Mexiko überschritten, warnten uns viele Amerikaner vor diesem gefährlichen Land.
Täglich lasen wir denn auch in den Nachrichten vom tobenden Drogenkrieg in Mexiko, von zahlreichen Toten und einem vollkommen hilflosen Staat. Doch als Reisende bekommt man davon nicht viel mit. Ausser vielleicht einmal eine mitternächtliche Kontrolle im Hotel und täglich einigen Strassensperren, durch welche wir aber als Fahrradfahrer ausnahmslos durchgewinkt wurden.
Auch punkto Kosten, lässt sich als Europäer hier gut reisen. Die günstigste Hotelübernachtung war gerade mal 150 Peso (12 Franken 50) und die teuerste 700 Peso (59 Franken), für jeweils zwei bzw. drei Personen. Im Schnitt benötigten wir pro Person 35.- am Tag ohne speziell zu sparen.

Na ja, wo wir etwas Mühe hatten, war das Essen. Die traditionelle Küche hat keine grosse Abwechslung zu bieten und für Vegetarier ist sie schlichtweg der Horror. Auf jeder Karte stehen dieselben Menus und diese bestehen zumeist aus den langweiligen Teigfladen, mit ebenso uninteressanter Füllung. Na ja, da wussten wir uns meist zu helfen (wenn wir keinen Italiener fanden), indem wir einfach selber etwas zusammen brutzelten, denn Zutaten waren immer und in grosser Auswahl in den Supermärkten zu finden. Auch im kleinsten Dörfchen hat es mindestens einen Händler mit grosser Gemüse- und Früchteauswahl. Vegetarier Achtung! Gemüsebouillon unbedingt von zuhause mitbringen. Gut hat Jürg diese kiloweise gebunkert.

Vielleicht auch nicht ganz unwichtig, was uns am besten gefallen hat:
Als Stadt: San Luis Potosi (mit den vielen, schönen Kolonialbauten)
Als Strecke: von Mazatlan nach Durango (sehr schön, aber auch sehr steil)
Als Begegnung (Mensch): Luis aus San Luis (der doch tatsächlich als Veganer in Mexiko überlebt)
Als Begegnung (Tier): Das Krokodil am Strassenrand (vollkommen unerwartet und überraschend)
Kulinarisch: der Italiener in Ciudad del Carmen (Restaurant Il Giglio)
Kulturell: Ruinenstädte Becan (wo wir ganz alleine, in einer Ruinenstadt im Dschungel waren)
Allgemein: dass in Mexiko jedes Hotel, jedes Restaurant und alle öffentlichen Gebäude rauchfrei sind (und das Rauchverbot tatsächlich von allen eingehalten wird)

Was uns nicht gefallen hat:
Die elenden Topes (Verkehrsberuhigende Schwellen, die einen Fahrradfahrer manchmal fast vom Rad werfen)
Kulinarisch: die phantasielose mexikanische Küche
Gruusig: die vielen toten und penetrant stinkenden Tiere am Strassenrand
Akustisch: die ohrenbetäubende Disco-Beschallung in manchen Läden


Qusadillas     = langweiliger Käse in einem Teigfladen (meist etwas warm)
Sincronisadas    = langweiliger Käse, zusammen mit Schinken in einem Teigfladen

Freitag, 5. November 2010

Bye, Bye Kim

Als wir in La Paz auf die Fähre warteten, die uns nach Mazatlan bringen sollte, kam er angefahren, Kim. Da wussten wir noch nicht, dass wir ab da über einen Monat gemeinsam mir ihm durch halb Mexiko radeln würden.
Es war ein Spontanentscheid von Kim uns zu begleiten, denn eigentlich hatte er vor, der mexikanischen Westküste entlang zu fahren. Da war es aber dermassen schwülheiss, dass die Berge und vielleicht auch die Aussicht ein Stück weit nicht alleine fahren zu müssen ihn dazu bewogen mit uns ins Landesinnere zu radeln. Erstaunlich wie gut das gemeinsame radeln und leben auf Anhieb klappte. Er, Kind von südkoreanischen Eltern, aufgewachsen in Oslo, 31 Jahre alt hatte beschlossen eine Fahrradtour zu machen. Wohlgemerkt, die erste Fahrradtour in seinem Leben solle ihn von San Francisco nach Chile bringen. Unglaublich mutig, aber auch ziemlich unvorbereitet. Na ja irgendwie sollte und wird es vermutlich funktionieren. Von Mazatlan fuhren wir mit Kim 32 Tage, bis zwei Tage über Veracruz hinaus. Eigentlich hatte Kim vor, schon viel früher in Richtung Guatemala abzubiegen. Da er sein Rückflugticket auf Ende April von Santiago de Chile aus gebucht hat konnte und wollte er  den Umweg über Belize nicht machen. Nach Veracruz war dann die letzte Gelegenheit. Irgendwo auf der Strasse kurz vor Acayucan verabschiedeten wir uns.
Wir hoffen, dass Kim sein Ziel ohne Probleme schafft oder sich zumindest Hilfe organisieren kann wenn mal wieder etwas an seinem Fahrrad kaputt geht. Na ja und wer weiss, vielleicht treffen wir nochmals zusammen und fahren nochmals ein Stück gemeinsam. Seine Mail- und Blogadresse haben wir ja. Ach ja, wenn es jemanden interessiert: http://www.toilsweatandjoy.blogspot.com/  

Viel Glück Kim und hoffentlich sehen wir uns mal wieder!

Mittwoch, 3. November 2010

Wer liest eigentlich unseren Blog? / Who is reading our blog? / ¿Quién lee nuestro blog?

Vor ziemlich genau 2 Wochen hatte ich eine echte „Reisekrise“ und überlegte mir ernsthaft, die Tour frühzeitig zu beenden. Ich hatte ich Schnauze  voll vom immer gleichen Essen, der immer gleichen Landschaft, dem immer gleichen Reisepartner, dem immer gleichen Velo, den immer gleichen Fragen der Leute  etc. etc………..
Just in diesen unsicheren Stunden erhielt ich völlig unerwartet auf einen meiner Blogeinträge einen Kommentar der (mit)entscheidend war, damit ich schlussendlich die nötige Motivation wieder fand und mittlerweilen wieder voll bei der Sache bin (danke Hansruedi!) .


Warum ich den Titel „Wer liest eigentlich unseren Blog?“ gewählt habe ist aber auch deswegen, weil ich heute die Zugriffsstatistiken mal etwas genauer angesehen habe.

Zugriffe im letzten Monat: knapp 700 (seit Beginn gut 2600)
Länder aus denen die Zugriffe stammen: Schweiz, Mexico, Niederlande, Kanada, Guatemala, Costa Rica, USA, Griechenland, Belize.

Aha, interessant. Wir haben ein nicht so kleines, internationales Publikum, das jedoch mehrheitlich schweigt. Dabei erfahren wir über andere Kanäle wie emails, (zum Teil sehr ausführlich) oder Telefon immer wieder dass dieser und jene eben auf unserem Blog war und die verschiedenen Einträge und Bilder spannend fand. Bei gewissen Ländern können wir uns ausdenken wer „hinter den Zugriffen“ steckt, bei anderen sind wir ebenfalls neugierig, haben aber keine Ahnung wer das wohl sein könnte.
Die verschiedenen Artikel für den Blog schreiben und die Bilder knipsen, sortieren, hoch laden und kommentieren macht eigentlich immer Spass; es ist aber auch recht viel Arbeit für die manchmal erst spät abends, oft nach einem 100km Tag, wenn das Hotel gefunden worden ist und wir geduscht und gegessen haben noch Zeit gefunden werden muss, auch wenn wir lieber einfach nur noch im (klimatisierten) Zimmer „rumhängen“ würden.

Mit diesen beiden Episoden möchte ich rüberbringen, dass wir uns über Kommentare sehr freuen würden und im obigen Fall für mich auch „Tour rettend“ war.

Also, ran an die Tasten. Nur keine Scheu, es sollen ja nicht Romane geschrieben werden, auch ein 2-Zeiler freut uns. Kommentare schreiben geht so einfach wie 1-2-3

1.    Unter jedem Blogeintrag hat es den Link „Kommentare“. Dort drauf klicken.
2.    Den Kommentar schreiben und im Feld „Kommentar schreiben als:“ Name/ URL auswählen. Dort danach den Namen eingeben. Das Feld URL kann leer bleiben.
3.    Auf den Knopf „Kommentar erstellen“ klicken, fertig!



Ich hoffe ihr versteht diesen Blogeintrag nicht als ultimative Aufforderung/ Befehl um sich gleich wie wild an den PC zu setzen. Wenn euch spontan beim Lesen (vielleicht von diesem Beitrag) was einfällt was ihr uns gerne mitteilen wollt, dann nutzt doch Kommentarfunktion. Dann haben die anderen Leser auch was davon und lassen sich vielleicht anstecken, besser als wenn ihr uns direkt ein email schreibt (über das wir uns natürlich auch freuen). Jürg „geniert“ sich natürlich ein wenig und würde so einen Aufruf nie und nimmer in den Blog schreiben, freuen wird er sich über die Kommentare trotzdem, da bin ich mir sicher.

San Luis Potosi – Veracruz – Ciudad el Carmen

Seit wir von San Luis Potosi losgefahren sind (jetzt ca. 2 Wochen her, gut 1100km) sind wir grob gesagt in südöstlicher Richtung von den Bergen hinunter ans Meer gefahren wo wir jetzt mehr oder weniger der Küste entlangfahren. Das Wetter ist immer noch sehr schön, (leider) auch wieder sehr heiss (meistens so um die 30-35 Grad) und sehr feucht. Da hat uns das von den Mexicanern empfundene so kalte Klima in den Bergen mehr Freude bereitet. Aber egal, es soll ja schliesslich südwärts gehen, da erwarten uns noch andere Temperaturen, speziell in Mittelamerika. Die Landschaft war in den letzten Wochen nicht mehr so spektakulär wie in den Bergen, daher gibt es auch nicht soviel dazu zu  erzählen. Klar, es ist alles wieder grün, die Flüsse voll Wasser und die Geräusche aus dem (Ur) Wald der verschiedenen Tiere sind eindrücklich. Trotzdem, so schön wie es in den Bergen war, ist es halt nicht mehr.
Dafür haben wir euch ein paar Geschichten die neben den Strassen passierten auf Lager.

Achja, fast hätte ich es vergessen: Neue Bilder gibts jede Menge, zu finden wie immer im Album Mexico

Strassen, die einfach irgendwo enden

In den letzten Tagen sind wir nun mehrfach, fast fassungslos vor einem Abgrund gestanden, wo eigentlich eine Strasse hätte sein sollen.
Das eine Mal freuten wir uns schon viele Kilometer vorher über den bescheidenen Verkehr. Na ja, eigentlich hätte es uns auch stutzig machen können, wenn plötzlich der Gegenverkehr vollkommen fehlt.  Auf  einmal irgendwo in der Pampa, sahen wir schon von Weitem einen ziemlich grossen Menschenauflauf. Leute stiegen aus Bussen aus und wanderten mit Sack und Pack zu Fuss weiter, an einer langen Autokolonne vorbei. Da  hatte es bereits Händler, die versuchten ihre Nüsse und Getränke zu verkaufen und alle motorisierten Wartenden schienen sich auf eine längere Wartezeit einzustellen, denn da wurde gegessen und diskutiert. Na ja, diesmal hatten wir mit unseren Fahrrädern natürlich einen immensen Vorteil und konnten an den Autos und Lastwagen vorbei fahren. Doch dann war plötzlich auch für uns Schluss. Da hatte es in der Nacht doch tatsächlich auf einigen Metern die Strasse weggeschwemmt. Der Polizist, der zuvorderst am Abgrund stand, meinte, das wäre der Hurican in der Nacht gewesen. Unglaublich, wir waren so müde, dass wir doch tatsächlich einen Hurican verschlafen hatten. Ein Bagger war damit beschäftigt eine Behelfslösung zu konstruieren. Der Polizeibeamte meinte, das würde aber bestimmt noch Stunden dauern. Für uns sah das Ganze eher nach einer Arbeit für Tage aus, denn da fehlte dermassen viel Material und die Lastwagen, welche das Kies brachten kamen ja auch kaum durch. So beschlossen wir es irgendwie durch den Fluss zu versuchen. Zu Fuss machten das auch andere Leute, aber für uns und unsere Fahrräder war der Fluss an dieser Stelle zu tief und hatte auch zuviel Strömung. Als der Bagger dann die Seite wechselte und durch den Fluss fuhr, sahen wir eine Möglichkeit im veränderten Flussbett und so stiessen wir unsere Fahrräder durch den Morast und durch den Fluss auf die andere Seite. Dort mussten wir dann noch durch ein Stück Wald (und das mit ca. 70 Kilo schweren Velos) und schliesslich standen wir auf der gegenüber liegenden Seite. Wow genial, jetzt konnten wir stundenlang fahren, ohne auch nur einmal überholt zu werden. Irgendwie hat so ein totaler Verkehrsstau auch seine positiven Seiten.

Zwei Tage später stehen wir erneut vor einer Strasse, die diesmal nicht im Nichts, sondern im Meer endet. Unglaublich, denn diese Strasse ist bei Kims Karte eingezeichnet und auch in Stefans GPS kein Problem. Da sie aber sowohl in Jürgs Karte, als auch im Google Maps fehlt, sind wir skeptisch und fragen nach, ehe wir den Weg in Richtung La Venta einschlagen. Na ja, der Leser denkt jetzt vielleicht: ist ja kein Problem, wenn eine Strasse nicht durchgehend ist, kann man ja umkehren. Ja, kann man. Wenn man aber dann zwei Tage Radelleistung wieder zurück muss, also insgesamt vier Tage lang für nichts strampelt und dann erst noch wieder am selben Ort steht, dann ist das gelinde gesagt, nicht eben erbauend. Auf unsere Frage wird geantwortet, ja natürlich, diese Strasse gibt es. Also schlagen wir den Weg in Richtung La Venta ein. Skeptisch, wie wir sind, fragen wir dann nochmals in La Venta an einer Polizeistation nach. Antwort: ja, klar da hat es eine Strasse von Sanchez Magallanes nach Tupilco. Ok, wir sind beruhigt. Nach eineinhalb Tagen Fahrt sind wir schliesslich in Sanchez Magallanes und vielleicht sagt es Etwas über unser Vertrauen in mexikanische Auskünfte aus, wenn wir jetzt schreiben, dass wir am Dorfausgang von Sanchez Magallanes nochmals bei einem Fahrradmechaniker fragen, ob die Strasse, dem Meer entlang nach Tupilco denn abierto (geöffnet) sei. Ja, klar, alles hier geradeaus geht’s nach Tupilco.
Kaum aus Sanchez Magallanes raus wird Jürg misstrauisch und meint, es scheine ihm doch etwas sehr wenig Gegenverkehr zu haben. Wenig ist stark untertrieben, denn es kommt gar kein Verkehr mehr entgegen.
Nach weiteren zwei Stunden ohne Verkehr stehen wir wieder mal am Abgrund. Die Strasse endet im Meer. Ein wirklich unpassierbar scheinender Sandweg führt hinein in die Palmen. Wir wollen auf keinen Fall zurück, also schlagen wir diesen Weg ein. Lieber Leser, bitte versuche doch mal durch einen Sandhaufen zu fahren und das selbst ohne Gepäck. Du wirst elendiglich stecken bleiben. Und rate, was wir taten…. Genau. Nun denkt man in solchen Situationen positiv und geht davon aus, dass der Weg nur kurz durch die Palmen führt um dann wieder auf die Strasse einzuschwenken. Aus dem Kurz wird dann aber Eeeeewig, Stundenlang und als Bonus hat’s da alle paar Kilometer Wegelagerer, die den Weg mit Seilen und Ketten versperren (und das irgendwo, im Nirgendwo) und einen Wegzoll für diese elende Sandpiste eintreiben wollen da die umgeleitete Piste durch ihr Grundstück führt. Na ja, zumindest bei allfälligen Autos. Uns lassen alle ohne Obolus passieren. Jedesmal, wenn wir uns freuen, dass die Strasse wieder asphaltiert ist, dauert’s nur grad einige wenige hundert Meter und wir stehen schieben und fluchen wieder im Sand. Aber klar, die Strasse ist abierto, nöö, kein Problem. Mexikanische Auskünfte sind vollkommen wertlos, da muss man gar nicht erst fragen.

Staatsgewalt will Erfrischung

Also, der Hammer, da kommen wir aus dem Supermarkt in Lerdo de Tejada und wollen zurück um im Hotel einen Gemüseeintopf zubereiten, als uns zwei Polizeibeamte (wieder mal mit Maschinengewehren im Anschlag) zu sich winken. Da fragt der eine Polizeibeamte doch tatsächlich, ob wir ihm eine Refresco (Erfrischung) spendieren würden. Kaum zu glauben so was, der will doch tatsächlich eine Cola von uns. Da ist er aber an die Falschen geraten. Nein, winken wir ab, keine Refresco für den Polizeibeamten. Buonas Dias Senor.

Wecker in Highheels

Tag, bzw. Nacht Nummer 92 . Wir sind wieder mal nahezu 100 Kilometer gefahren und ziemlich müde, als wir kurz am Strassenrand Halt machen und beschliessen, für einmal nicht ins Ortszentrum (in diesem Fall Fresnillo) zu fahren, sondern ein Motel zu suchen, wo wir ebenerdig hinein fahren können.
Kurz, nachdem wir das beschlossen haben, taucht links an der Strasse ein Motel auf „Auto Hotel Oassis“  lesen wir und fahren hinein.
Dann kommen wir an einen Schlagbaum und durch eine Gegensprechanlage fragt uns eine Dame, was wir suchen.
Na ja, was wohl? Ein Zimmer vielleicht? 450 Peso kostet es (das sind etwa 35 Franken). Stefan fragt, ob er das Zimmer mal sehen könne. Ok, kann er. Eine Dame in goldenen Stöckelschuhen, so hochhackig, dass sie diese garantiert nirgends ausserhalb dieses Hotels in Mexiko tragen kann, kommt und holt ihn ab.
Derweil warten Kim und Jürg draussen.
Als Stefan wieder zurück kommt und meint, das Zimmer sei der Hammer, da hätte es zwar nur ein Bett, aber dieses sei zweimal so gross, wie unser Zelt (immerhin ein Vierzelt), findet
Jürg (zum ersten Mal auf der ganzen Reise), ihm passe dieses Hotel nicht, er würde ein Anderes suchen. Er kann zwar auch nicht erklären warum, aber irgendwie scheint es ihm suspekt. Die komische Gegensprechanlage, jedes Zimmer hat eine eigene Autogarage und auch sonst ist alles dermassen gepützelt, wie sonst im ganzen Land an keinem anderen Ort. Komisch.
Na ja, als dann aber auch Kim begeistert ist, willigt er ein, das Zimmer zu nehmen.
Wie wir dann das Zimmer beziehen liegt auf dem Tisch eine Menukarte. Wow, eigentlich wollten wir ja selber etwas Feines kochen, aber mal sehen, was wir da so alles bestellen könnten.
Ein Blick in die Karte….ups, anstelle von Hamburgessas und Tortillas sind da Dildos, Vibratoren, Kondome in allen Farb- und Geschmacksrichtungen, Peitschen und Gummikleider aufgeführt. Ui, wo sind wir denn da gelandet? Über dem Bett bemerken wir ein Hygienetuchspender. Als Jürg den Fernseher andreht, sind auf allen Sendern dieselbe Art Filme zu sehen. Ratet mal, wasfürwelche……
Nun, zumindest die Dusche funktioniert tiptop, also duschen wir alle (einzeln natürlich, obwohl ein Pferd in der Dusche Platz gefunden hätte) und waschen unsere Kleider. Diese hängen wir zum trocknen an ein Seil in die Garage. Wir hängen das Wäscheseil so zwischen dem Garagentor und unserer Türe auf, dass wir auf gar keinen Fall die Toröffnung drücken dürfen, ehe das Seil wieder abgehängt ist. Stefan und Jürg schärfen Kim ein, unbedingt die Türe und nicht das Garagentor zu benützen.
Danach kochen wir auf dem blitzblanken Boden der Garage Spaghettis.
Nach 100 Kilometern Fahrradfahren brauchen wir dann weder eine Gutenachtgeschichte, noch eine Schlaftablette und schlafen bald auf dem Riesenbett ein.
Morgens um halb 6 werden wir dann jäh aus dem Schlaf gerissen, als das Telefon läutet. Wir beschliessen dieses zu ignorieren, denn wer würde uns denn hier erreichen wollen?
Kaum wieder eingeschlafen wachen wir erneut auf, als wir „oh Schreck!“ hören, dass sich das Garagentor öffnet. Jesses, unsere Wäscheleine. Stefan und Jürg hechten nach draussen in die Garage und Stefan unter den ächzenden Garagentor hindurch. Jürg beobachtet die Szene vom Innern der Garage aus. Da das Tor nur grad einen halben Meter aufgegangen ist, sieht er nur  zwei nackte Füsse neben zwei knallroten Stöckelschuhen. Eine quitschende Damenstimme teilt Stefan mit, dass die 12 Stunden um seien. Er erklärt ihr, wir hätten mit der Dame vom Vorabend abgemacht, das Zimmer bis 12 Uhr zu verlassen.
Widerwillig zieht sich die Dame wieder zurück und das Garagentor lässt sich gottlob wieder schliessen.
Ojje, also schnell wieder zurück ins Bett. Na ja, die gute restliche Nachtruhe dauert dann nicht mehr lange, denn schliesslich kommen die roten Stöckel, unterstützt durch die Goldenen wieder zurück und erklären nun gemeinsam, dass 12 Stunden um seien und wir entweder nochmals 450 Peso zu zahlen hätten oder dann das Zimmer sofort räumen müssten.
Ok, wir haben die Nase voll und packen unsere Sachen. So früh, wie in Fresnillo sind wir noch nie gestartet.
Ab jetzt wollen wir jeweils schon vor dem Beziehen des Zimmers abmachen, für wie lange wir bleiben können.
Das Autohotel Oasis in Fresnillo können wir also nicht wirklich weiter empfehlen, der Weckdienst ist definitiv zu nervig.

Samstag, 23. Oktober 2010

Mitternächtlicher Überfall

Übernachtung Nummer 102. Nach hundert Kilometern gegen heftigsten Gegenwind strampelnd kamen wir völlig erschöpft im kleinen Dörfchen „El Higo“ an. Gegenüber der Zuckerfabrik befindet sich das einzige Hotel am Platz. Dieses bezogen wir, duschten uns und assen noch kurz im kleinen Restaurant im selben Gebäude etwas Kleines zu Nacht.
Schon sehr bald legten wir uns schlafen, hatten wir doch am darauffolgenden Tag wieder eine ziemlich weite Etappe zu meistern.
Um 01:45 wurden wir dann jäh wieder aus dem Schlaf gerissen. An der Türe klopfte es so heftig, dass wir sogleich öffnen mussten, um nicht Gefahr zu laufen, dass uns die Türe eingetreten würde. Kim stand auf, wackelte zur Türe, in Erwartung eines Besoffenen oder sonst wie Verwirrten. Oh Schreck, kaum war die Türe geöffnet standen zwei bis auf einen kleinen Augenschlitz vermummte Männer in Tarnanzügen, mit Maschinengewehren herumfuchtelnd in unserem Zimmer.
Wir hatten keine Ahnung (und haben sie zugegebenermassen bis jetzt nicht), ob es sich bei diesen zwei Rambos um Militärs, Polizisten, private Sicherheitsleute oder Mafiosis gehandelt hat, auf alle Fälle zeigten sie mit ihren Maschinengewehren auf unsere Taschen und forderten uns auf, diese zu leeren. Sie wollten wissen, was wir hier machen (na ja, eigentlich ja schlafen, was man halt so in einem Hotel macht), woher wir kämen, wohin wir wollten. Für uns wäre es ja noch ganz spannend gewesen zu wissen, was die beiden denn genau mitten in der Nacht in unserem Zimmer zu suchen hatten, aber darauf meinten sie nur, es sei zu unserer Sicherheit, ob wir denn nicht wüssten, dass in diesem Staat jeden Tag dutzende Menschen Verbrechen zum Opfer fielen.
Und so war es dann auch, als sie wieder abzogen fühlten wir uns um einiges sicherer. 

Wetterglück, oder wenn Engel reisen, lacht die Sonne

Nun sind wir schon gut 100 Tage unterwegs. Sind von Kanada aus über die USA, der  sogenannten Regenküste, entlang nach Mexiko gefahren und auch in Mexiko schon wieder wochenlang am radeln und hatten doch tatsächlich noch nicht einen einzigen Regentag. Zweimal regnete es irgendwann in der Nacht und am Morgen lagen Wasserlachen auf den Strassen. In Mazatlan sahen wir Bilder von Überschwemmungen in Veracruz (wo wir in wenigen Tagen eintreffen werden) und in Durango wurde uns erzählt, dass es bis vor wenigen Tagen an diesem Ort geregnet hätte und das einen ganzen Monat lang.  Aber unsere Regensachen befinden sich noch immer am selben Ort, wo wir sie damals in der Schweiz eingepackt hatten. Die rechte Vordertasche haben wir noch gar nicht öffnen müssen. Unglaublich. Nun hoffen wir natürlich, dass uns dieses Wetterglück noch einige Tage, Wochen oder Monate begleiten wird…….. mal sehen……

Schnuckel

Tag Nummer 99. Am Morgen starteten wir von San Luis Potosi aus in Richtung Osten, nichtsahnend, dass uns eine wirklich wunderschöne Gegend und ein mindestens ebenso sehenswerter Chico erwarten würde.
Etwa 20 Kilometer sind wir gefahren, als Jürg rechterhand drei Männer am Strassenrand sitzend entdeckt. Da wir so oder so einen kurzen Halt einlegen wollten, insistiert er diesen doch dort zu machen, denn der eine der Männer gefiel ihm auf den ersten Blick, abgesehen davon hat es dort ein schattiges Plätzchen.
Wir setzen uns also hin und sogleich fragt uns der Schnuckel, von wo wir denn kämen und wohin wir wollten. Jürg war hin und weg und es wurde in verschiedensten Sprachen versucht zu kommunizieren (Anmerkung: Jürg kann etwa 4 Wörter spanisch und 10 Sätze englisch) . Gefragt was sie denn dort am Strassenrand machen würden, gab Luis (so heisst der hübsche Typ) an, sie würden Nutztiertransporte überwachen. Aha. Als Luis uns fragt, ob wir einen Blog hätten, tauschten wir die correos electronicos aus. Als Jürg Luis’ Adresse sieht kippt er fast, denn das Wort Vegan ist in der Adresse enthalten. Luis ist tatsächlich Veganer und das in einem Land, wo es schon genug schwierig ist, etwas Vegetarisches zum Essen zu bekommen. Wow, genial. Mal sehen, aber diesen Kontakt wird Jürg wohl auf alle Fälle aufrecht erhalten.

Samstag, 16. Oktober 2010

Zacatecas – Sombrerete – San Luis Potosi

Weiterhin zu dritt unterwegs machten wir uns von Durango auf den Weg nach Zacatecas. In Sombrerete mussten wir eine Nacht extra einlegen, da ich mir (gelinde gesagt) eine Magenverstimmung eingeholt hatte. Diese dauerte dann noch gut 5 Tage an. Weiter gings über Fresnillo, wo wir in einem (12) Stundenhotel übernachteten und um 6 Uhr morgens zum Bett herausgeholt wurden, schöne Scheisse obwohl das Zimmer an sich sehr grosszügig und sauber war! 

In Zacatecas angekommen machten wir zwei Tage Pause und sahen uns die Stadt etwas genauer an, nachdem sie in unserem Veloguide und auch im Internet als sehenswert beschrieben worden war (Unesco Weltkulturerbe und so). Tatsächlich, die Stadt hat was zu bieten. Neben der schönen Altstadt besichtigten wir auch eine Silber/ Kupfer Mine die für das Publikum zugänglich gemacht worden ist. 
Die Mine ist beeindruckend, wenn gleich ein grosser Teil die Mineralienausstellung einnimmt die ich mässig spannend fand. Trotzdem, man bekommt einen Eindruck wie hart die Arbeit in der Mine war, durchschnittlich wurden die Minenarbeiter (darunter auch viele die im Kindesalter begannen zu arbeiten) 35 Jahre alt. Gleich anschliessend an den Minenbesuch fuhren wir mit der Seilbahn (Hecho in Suiza, Garaventa) über die Stadt vom einen Hausberg zum anderen. Eine tolle Idee, so eine Seilbahn mitten über die Stadt zu spannen. Bilder davon gibt es im Album Mexico.

Nach Zacatecas reisten wir in 2 Tagen nach San Luis Potosi wobei der zweite Tag eine Tortur war. Über „rollende“ Hügel, (also eigentlich sanft im Anstieg aber halt doch immer 150 -200 Höhenmeter), dafür aber mit extremen Gegenwind schafften wir die 100km gerade noch so rechtzeitig bevor es ganz dunkel wurde. Ursprünglich wollten wir in San Luis Potosi nur 1-2 Nächte bleiben, entschieden uns jedoch für 3 Nächte. Die Stadt ist für mich wie eine Oase. Richtig gross, ein Centro Historico das aus meiner Sicht viel schöner und grosszügiger ist als jenes von Zacatecas. Nebenbei gibt es in vielen Parks gratis Internet (SSID „El Gobierno de todo was soviel heisst wie „die Regierung für alle“), gute Restaurants, wir haben ein Hotel mitten im Zentrum und doch absolut ruhig. Auf dem Stadtrundgang fanden wir auch einen Velomechaniker der mir das Tretlager fachmännisch tauschen konnte, da meines nach gut 10'000 km schlapp machte (soviel zum Thema Longlife). Alles in allem war für mich diese Stadt sehr erbaulich, nachdem ich die vergangenen Tage etwas Reisemüde geworden war. Morgen geht’s dann weiter Richtung Süd-Ost an die Atlantikküste wo uns (leider) wieder heiss- feuchtes Wetter erwartet.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Mazatlan – Durango

Da es in der Baja California die letzten 3 Wochen wirklich sehr, sehr heiss war, hatten Jürg und ich Lust, in etwas „kälteren“ Gefilden zu radeln.  Trotz „Warnungen“ von Einheimischen das es in den Bergen „muy, muy frio“ sei entschieden wir uns, von Mazatlan an der Küste nach Durango im Landesinneren weiter zu fahren. Das bedeutete für uns nicht weniger als gut 2800 Meter Höhenunterschied. Die ersten 4 Tage fuhren wir mehr oder weniger immer den Berg hinauf. Erst am 5. Tag waren wir auf einer Art Hochplateau auf 2600 Meter angelangt. Mehr oder eher weniger flach ging es dann weiter nach Durango wo wir zwei Nächte blieben.
Durango ist eine sehenswerte, alte Kolonialstadt, die ein schönes „Centro historico“ hat. Was die Mexikaner übrigens unter „muy frio“ verstehen war für uns optimal: Am Tag um die 25, in der Nacht erholsame und erfrischende 8 Grad. Landschaftlich waren die letzten Tage ein Traum. Von Mazatlan startend hatten wir zuerst fast schon Regenwald mässiges Klima und ein „Grün“ welches total im Kontrast zur trockenen Baja stand. Auch die Tierwelt war entsprechend: Grosse Heuschrecken, Geckos und sonstige, uns unbekannte Tiere. Je weiter wir hinauf fuhren, desto angenehmer wurde das Klima und die Vegetation wurde richtig gehend „hochalpin“. An steilen Bergkämmen entlang, durch Pinienwälder und an Seen vorbei fahrend hatten wir immer wieder tolle Ausblicke hinaus in die Landschaft. Die Strecke ist touristisch gesehen unbedeutend. Das ermöglichte uns einen direkteren Kontakt mit den Leuten in den Dörfern wo wir übernachteten.
Bilder von dieser Strecke gibt es wie immer im Album Mexico.

Wieder zu dritt unterwegs

Während wir auf der ganzen Baja  auf keinen einzigen Velofahrer stiessen (aber von Einheimischen immer wieder hörten das ein paar Tage vor uns welche da waren), trafen wir am Fährenterminal gleich zwei an. Einmal Guy aus Kanada (http://www.gbradet.blogspot.com/) und Kim (http://www.toilsweatandjoy.blogspot.com/) aus Norwegen. Zufälligerweise trafen wir auch wieder „die Büsslis“ (Ornella und Fabian) an die wir Wochen zuvor kennen gelernt hatten. Zu sechst hatten wir einen lustigen und unterhaltsamen Abend. Natürlich waren die Routenpläne auch ein Thema. Für Guy war die Sache klar das er von Mazatlan weiter an der Küste nach Süden fahren und den ersten Teil davon mit dem Bus „überbrücken“ würde. Kim war unschlüssig zumal es an der Küste weiterhin sehr heiss und feucht sein soll. Wir boten ihm an, mit uns ein paar Tage zu reisen. Nach einer Nacht „überschlafen“ entschied er sich mit uns weiter zu radeln. Seither sind wir eine Woche zusammen unterwegs und haben es ganz gut miteinander was ja nicht selbstverständlich ist. Welcome on board Kim!

Dienstag, 28. September 2010

Ankunft in La Paz

Schneller als gedacht sind Jürg und ich am Samstag , 25. September in La Paz eingefahren. La Paz ist für uns der Ort, wo wir die Baja California via Fähre verlassen werden und nach Mazatlan an das mexikanische Festland weiterreisen werden.
In La Paz blieben wir 3 Nächte in einem sehr gemütlichen Hotel/ Hostel wo wir viele Leute antraffen die sonst irgendwie unterwegs waren. Auch machten wir einen Bootsausflug rund um die vorgelagerten Inseln. War sehr schön, besonders das Schnorcheln zusammen mit den vielen farbigen Fischen und den Seelöwen die nur so um einen herumschwammen. Bilder davon gibts im Album Mexico.

Mittwoch, 22. September 2010

Wenn sich Velofahrer über Gegenwind freuen

Nun sind wir in Loreto angelangt. Die letzten paar Tage waren sehr anstrengend. Die Hitze ist beinahe unerträglich, ohne Übertreibung vergleichbar mit dem Luftstrom einen Haarfönes, um 10 Uhr Abends ist es immer noch gut 30 Grad warm. Jürg und ich saufen im Tag gut 12 Liter Flüssigkeit, bei den Einfahrten in den Übernachtungsorten gönnen wir uns oftmals je 1.5 Liter kühles Coca-Cola welches in 10 Minuten heruntergespült ist. Da es so warm ist und es unterwegs keine Versorgungsmöglichkeiten gibt, erhöht sich unser Gepäckgewicht jeweils um gut 10 kg, weil wir das Wasser und auch das zusätzliche Essen mitschleppen müssen. Da freuen wir uns auch über Gegenwind weil der wenigstens etwas zur „Abkühlung“ beiträgt.


Übrigens gibt es neue Bilder im Album Mexico
Unterwegs trafen wir zwei Pärchen (aus der Schweiz und Deutschland, beide motorisiert) an mit denen wir an verschiedenen Orten gemeinsam übernachteten. Immer wieder spannend sich mit anderen Leuten auszutauschen.
Morgen gehts dann weiter gegen Süden, die "Sierra Gigante" steht an. Da es so heiss ist, starten wir (wie auch an den Tagen zuvor) sehr früh morgens, meistens so zwischen 6- und 7 Uhr.

Neues Bilder Album "unterwegs angetroffen" eingerichtet

Letzthin unterhielten Jürg und ich uns darüber, was nach einer solchen Reise am besten in Erinnerung bleiben wird. +/- übereinstimmend kamen wir zum Schluss, dass trotz überwältigenden Landschaften schliesslich die Personen, mit denen wir zu tun hatten die sein werden, an die wir uns am meisten erinnern werden. Nicht nur aus diesem Grund aber auch deswegen habe ich ein neues Album eröffnet, wo wir diese Begegnungen versuchen fest zu halten. Hier gehts zu den Bildern.

Dienstag, 14. September 2010

Baja California: Eine traumhafte Landschaft und nicht nur das...

Gestern Montag, 13. September sind Jürg und ich in Guerrero Negro, d.h. in der Mitte der Baja California angekommen. Die Stadt bietet mit 8'000 Einwohner eine gute Infrastruktur die wir geniessen nachdem wir ein paar Tage in der "Wildnis" verbracht haben. Da ich von einem unbekannten Insekt oder ähnlichem am rechten Knie gestochen wurde und es deswegen ziemlich angeschwollen ist, machen wir auch gleich einen Pausentag hier und hoffen, das dass Knie wieder abschwillt. Den Pausentag haben wir auch verdient, nachdem wir vorgestern eine Megaetappe von gut 135 km gefahren sind.

Die letzten paar Tage waren einfach perfekt: Die Landschaft wurde nach jeder Kurve immer noch schöner. Neue Bilder davor gibt es im Album Mexico. Da es zwischendurch keine Hotels/ Motels bzw. Campingplätze gab, übernachteten wir ein paar Mal wild. Besondes das eine Mal im Kakteenwald wird mir lange in Erinnerung bleiben. Wir fanden ein schönes Plätzchen sichtgeschützt von der Strasse. Am Abend ein Sonnenuntergang, dazu die Filmmusik von "Once upon a time in the west"; ein Gefühl wie im Western.
Als ich am Morgen danach erwachte staunte ich nicht schlecht als ich die ganze Landschaft im Nebel versunken vorfand. So konnte ich  mir wenigstens erklären, wie hier überhaupt noch Pflanzen zu Wasser kommen bzw. wachsen können. Keine Stunde später war der Nebel weg und die Sonne fing an, die Umgebung aufzuheizen.

Die Westernstimmung begleitete uns übrigens auf in diesem Abschnitt der Baja immer wieder. Wenn wir jeweils in den Wellblechrestaurants Mittag assen und zwischendurch der Wind wieder Staub von der Strasse rein blies und dazu noch die Eingangstüre hin und her schlug, die Temperatur auf knapp 40 Grad anstieg und die Luft vor Hitze flimmerte, dann fehlte nur noch das Clint Eastwood das Lokal betreten hätte.

Ganz und gar nicht in Westernstimmung sind die Mexicaner. Extrem freundlich, die Bauarbeitertrupps feuern uns immer wieder zu Höchstleistungen an und die Lastwagenfahrer überholen uns sehr grosszügig und grüssen auch immer. Wenn dann bei einer längeren Steigung ein Lastwagen gaaaanz langsam an uns vorbeifährt/ überholt können wir uns auch an ihm anhängen, sehr praktisch :-). Auch die regelmässigen Militärkontrollen die es auf der Strecke gibt sind für uns eine willkommene "Abwechslung" die bis jetzt immer völlig problemlos waren, zudem hat es oft sehr, sehr schöne "Aussicht" ;-) wow!

Morgen geht es weiter Richtung Süden, ich denke das wir in ca. 10 Tagen in La Paz ankommen sollten um die Fähre auf das mexicanische Festland zu nehmen.

Spätestens da melden wir uns wieder.

Beste Grüsse, Stefanino

Donnerstag, 9. September 2010

Mexico, erste Tage in der Baja

Ganz unerwartet haben wir heute Internetzugang auf einem Camping, sodass wir erste Bilder hochladen konnten und einpaar Zeilen kann ich auch noch schreiben.

Der Grenzübertritt in Tecate nach Mexico war so etwas von entspannt, einfach toll. Der Migracion Beamte gab uns gleich das Maximum an Anzahl Tagen (180) wo wir nun in Mexico bleiben dürfen, nachdem ich ihm versucht habe zu erklären das die standardmässigen 90 Tage bei Veloreisenden doch etwas knapp seien. Der Grenzbeamte winkte uns auch gleich durch ohne etwas von unserem Gepäck zu prüfen. In Tecate versorgten wir uns mit Pesos und viel wichtiger mit reichlich Wasser. Es war schon verdammt heiss (knapp 40 Grad) als wir abfuhren. Zusätzlich erschwerden kam dazu, dass die Strasse ca. die Hälfte eine Welchblechpiste mit üblen Löchern war, weil die reguläre Strasse gerade in Stand gesetzt wird. Trotzdem, wir erreichten unseren ersten Zeltplatz gerade noch bevor es dunkel wurde..

Am nächsten Tag ging es weiter nach Ensenada, wo wir im Motel übernachteten.

Bis jetzt kommt mir Mexico sehr symphatisch rein: Entspannte und äusserst freundliche  Leute (wurde schon zu einem Hot Dog eingeladen), Autofahrer die meistens so gut überholen wie in den USA und Preise, die deutlich tiefer sind als in den USA. Letzte Motelübernachtung hat uns gerade mal 6 sFr.pro Person gekostet ! Nicht schlecht für unser Reisebudget!

Erste Bilder der Baja hat es auch, hier findet ihr sie.

Gruss und bis später, Stefan

Letzte Tage in den USA

Nachdem Claudio den Flieger zurück in die Schweiz genommen hat, sind Jürg und ich weiter gegen Süden gefahren. L.A. ist aus städtebaulicher Sicht eine Katastrophe. Der Moloch breitet sich extrem auf alle Seiten aus. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass wir die letzten 2.5 Tage nonstop durch Städte gefahren sind ohne das wir  zwischendurch nicht überbautes Gebiet passiert haben. Als Vergleich auf schweizerische Verhältnisse entspricht dies in etwa der Distanz Zürich – Bern. Allein um aus L.A. herauszukommen benötigten wir einen Tag. Dank dem GPS war die Navigation einigermassen einfach.


In Oceanside, kurz vor San Diego holte ich noch 2 Päckchen ab die ich mir aus der Schweiz bzw. Deutschland zusenden lies.


Die zweitletzte Nacht verbrachten wir in einem Aussenbezirk von San Diego in einem Motel.

Die Strecke L.A. – San Diego war nicht besonders attraktiv, halt sehr städtisch mit viel, viel Verkehr. Wir fuhren die ganze Zeit auf den Highways  bzw. sogar manchmal auf Freeways (4 und mehr Spuren !).

Am nächsten Tag gings dann aus der Stadt heraus auf’s Land Richtung Tecate. Wir wählten Tecate Übertrittsort nach Mexico, weil wir verschiedentlich gelesen hatten und hörten dass es dort sehr friedlich und auch sicherer als Tijuana sein soll. Mehr dazu im Mexico Teil.

Der letzte Tag in den USA von San Diego nach war sehr anstrengend. Es ging von praktisch 0 Meter über Meer auf gut 800 Meter hinauf. Das Wetter war hervorragend, wir hatten gut 38 Grad im Schatten und Schatten hat es dort keinen! Eigentlich wollten wir auf einen Statepark um zu übernachten, der war jedoch kurzerhand von ca. 200 Feuerwehrleuten in Beschlag genommen worden, weil es in der Nähe einen Waldbrand hatte. Wir fragten wir bei Leuten in der Nachbarschaft nach. Chuck liess uns in seinem Garten übernachten, die ganze Nacht hörten wir Feuerwehrfahrzeuge die sich hier den Wassertank füllen liessen und wieder zum Brandherd zurück fuhren. Chuck züchtet übrigens Christbäume. Da dieser Job nicht „tagesfüllend ist, hat er sich noch eine andere Idee ausgedacht. Mehr dazu aufwww.hwy94.photo.com dort sind Jürg und ich unter Gallery- September - 5. auch zu sehen.



Zusammenfassend kann ich sagen das die USA ein super Reiseland sind. Meistens sehr schöne Zeltplätze mit speziellen „Hike-Biker Sites“, mega Supermärkte (besonders der Safeway) mit einer Auswahl die nicht mehr aufhört.

Ganz unerwartet sind die Amis auch sehr Fahrrad freundlich. Noch nie habe ich so rücksichtsvolle Autofahrer erlebt wie in den USA, selbst im Vergleich zur Schweiz. Da wird dutzende von Metern hinter dem Velo geduldig hinterher gefahren bis sich eine Gelegenheit ergibt wo man sicher und mit extrem viel Distanz überholen kann. In den Städten (so erlebt in S.F und L.A) haben die Velofahrer (und auch die Fussgänger) wie einen „eingebauten“ Vortritt, als Velofahrer selbst bei den Stops. Immer lassen einem die Autos die Vorfahrt.

Die Leute sind sehr offen und neugierig, ich bin immer sehr schnell in den Kontakt gekommen. Mit der Zeit haben die immer gleichen Fragen jedoch etwas genervt. Von wo kommt ihr, wohin fahrt ihr (mit der Zeit habe ich nicht mehr gesagt das wir nach Chile versuchen zu kommen) oft war die Aufregung zu gross, San Diego hingegen löste immer noch Begeisterung aus ohne das die Leute in Ohnmacht fielen.



Die Küste von Port Angeles (Washington) nach Sand Diego (Californien), in den USA „the Pacific Bike Route“ genannt ist sehr populär. Das heisst man trifft jeden Abend sicher um die 2 – 10 BikerInnen) an die auf demselben Weg sind. Die meisten davon fahren jedoch „nur“ bis S.F. oder L.A. Nach L.A. haben wir nur noch ein junges Frauen Duo getroffen die bis nach San Diego gefahren sind. Mir persönlich hat Washington und Orgeon am besten gefallen. Kalifornien war auch toll, dass die Leute oftmals „so cool“ sein wollen gefiel mir weniger gut, ab L.A war es dann auch „sehr urban“.


Nach gut 6 Wochen in den USA freue ich mich sehr auf Mexico und bin gespannt, wie es dort weiter geht. Baja wir kommen!


Ach ja, natürlich habe ich noch ein paar neue Bilder in den USA Ordner eingestellt, hier seht ihr sie.

Donnerstag, 2. September 2010

Nachführen des Routenverlaufes

Noch kurz ein technischer Eintrag der Vollständigkeitshalber. 

Eigentlich wollte ich mehr oder weniger regelmässig den Routenverlauf in Google Maps eintragen (rechtes, oberes Fenster). Die Daten dazu sammle ich fleissig mit dem GPS, allerdings müssen die auch noch bearbeitet werden. Dazu bin ich bis jetzt noch nicht gekommen (Strom Verfügbarkei für den Laptopt, Zeit). Vielleicht habe ich später mal eine Gelegenheit mich für ein paar Stündchen hinzusetzten und alles aufzubereiten. Kann also gut sein das dies noch eine rechte Weile dauert.

Bis später, Stefan

San Francisco - Los Angeles

Nun melde ich mich wieder. Nicht das es wenig zu berichten gäbe ganz im Gegenteil, nur die liebe Zeit dazu und der Internetzugang sind nicht immer vorhanden. Einge werden sich fragen warum wie mir die Zeit dazu fehlen soll, der Internetzugang ist ja noch nachvollziehbar. Obwohl ich zur Hauptsache nur 3 Dinge im Tag erledigen muss (essen, Velo fahren und einen Platz zum Schlafen zu finden) habe ich dann am Abend oftmals nur noch wenig Musse ein paar Zeilen zu schreiben. Vielleicht ändert sich das jetzt ein wenig da wir ab heute teamtechnisch andere Umstände haben werden, mehr dazu unten.

Die Ausfahrt von San Francisco meistern wir auf ganz "sanfte" Art und Weise. Keine Stunde nach Downtown S.F sind wir wieder mitten im Grünen und geniessen die Landschaft. Via Monterrey reisen wir immer weiter nach Süden. Big Sur "erfahren" wir bei bestem Wetter ohne Nebel. Big Sur fuhr ich letztes Jahr mit dem Auto ab. Mit dem Velo ist das schon etwas anderes, aber nicht minder schön.

Im Gegensatz zum letzten Jahr besuche ich dieses Mal das Hearstcastle da auch Jürg es gerne sehen möchte, auch aus "professioneller" Sicht.

In San Luis Obispo konnten wir bei Dan übernachten. Dan lernten wir ganz am Anfang unserer Reise auf der Fähre von Vancouver Island - USA kennen. Er machte in den 80-ger Jahren ein Velotour quer durch Europa. Vielen Dank Dan für Dein Angebot das wir eine Nacht bei Dir bleiben konnten! Ein spezieller Dank geht auch an Charlie der uns sein Zimmer zur Verfügung stellte!

Unterwegs nach L.A. treffen wir wieder auf Chris (wir lernten ihn an der Küste von Oregon kennen), der ebenfalls in Vancouver gestartet ist und in L.A auf den Flieger zurück nach Australien geht. 

Aber leider geht nicht nur Chris auf den Flieger, sondern auch Claudio. Nach einem längeren Prozess der Entscheidung der bereits vor San Francisco begonnen hatte verlässt er uns heute und fliegt zurück in die Schweiz zu seinen Liebsten. 

Dazu hier sein Abschiedseintrag für den Blog:

Bereits nach etwas mehr als 7 Wochen ist der Name des Blogs nicht mehr passend.
Ich, Claudio, werde ab Los Angeles nicht mehr bei der Gruppe weilen, da ich bereits jetzt
in die Schweiz zurückreisen werde.
Obwohl ich die Reise bis jetzt sehr genossen habe, zieht mich die Sehnsucht nach
Hause. Da mir das Reisen an sich noch nicht zu Leide geworden ist, bin ich selbst
nicht zu hundert Prozent glücklich über meinen Entscheid...
Jürg und Stefan sind nicht einverstanden mit dieser Entscheidung und lassen
mich nur zähneknirschend ziehen und freuen sich zum Glück troztdem auf die kommenden Kilometer und Länder.

 
Ich wünsche euch weiterhin viel Spass und Glück auf dem grossen Abenteuer.


Claudio.


Schade, schade aber mit dem musste gerechnet werden. Die Reise an sich, die Gruppe, der sportliche Aspekt, jeden Tag weiter fahren und alles wieder zusammen packen und am Abend wieder aufzu stellen; all  das sind Dinge die schon belastend sein können. Etwas "verwundert" bin ich schon, zumal wir bis anhin absolut perfekte "Umgebungsparameter" wie Wetter, Leute, Essen, Route aber auch Stimmung im Team etc. gehabt haben.

Jürg und ich machen uns heute auf den Weg nach Mexico wo wir als erstes die Baja California runterfahren werden. Das sind 1500km in einer Halbwüsten artigen Umgebung mit einer sehr spärlichen Infrastruktur. Kann also gut sein das wir uns erst wieder in ein paar Wochen melden werden.

Achja, neue Bilder hat es natürlich auch wieder gegeben, zu finden sind sie im "USA  Album"

Hasta pronto, Stefanino

Donnerstag, 19. August 2010

San Francisco

Knapp 5 Wochen nach dem Start in Vancouver BC und gut 2200 km sind wir am Montag via Goldengate Brücke in San Francisco  eingefahren, ein tolles Gefühl! Obwohl ich mir vorgenommen hatte die letzten 3 Wochen +/- ausführlich zu beschreiben bin ich bis heute nicht dazu gekommen , zuviel hat mir S.F. geboten ! Da wir nach 3 Übernachtungen morgen Donnerstag weiterfahren muss ich euch noch etwas vetrösten. Aber egal, Bilder haben wir trotzdem gemacht, hochgeladen und teilweise kommentiert, sie befinden sich im USA Bilder Ordner. Viel Spass und bis später, Stefan

Sonntag, 1. August 2010

USA, Washington und Oregon

So, wir melden uns wieder. Endlich werden ein paar denken, stimmt aber wenn man wie wir immer in den State bzw. Nationalparks übernachtet, haben wir normalerweise keinen Internetzugang, der ergibt sich dann mehr zufälligerweise mal wieder über ein offenes WLAN vor einem Supermarkt oder Cafe.

Hier noch der letzte Teil von Kanada bzw. Vancouver Island. In der Nacht bevor wir endlich von Courtenay nach Süden aufbrechen wollten, begann Claudios Arm zu schmerzen, sodass eine Painkilling Tablette her musste. Susi sagte uns darauf, dass falls der Arm nicht besser würde, ein Spitalaufenthalt in Kanada gratis und in den USA unbezahlbar wäre. Glücklicherweise wurde der Arm ab dritten Tag wieder besser.

Die Küstenstrecke auf der Insel erwies sich als weniger bergig als jene auf dem Festland, sodass wir einigermassen schnell Richtung Victoria vorwärts kamen. Die Insel ist superschön, doch der Highway den wir einen ganzen Tag entlangfahren mussten, war doch etwas staubig und laut (kein Wunder bei so vielen Pickups in der Grösse eines LKWs). Doch sind wir erstaunt, wie nah an dieser Raserstrecke traumhafte Übernachtungsplätze und Badeseen versteckt sind… den schönsten Übernachtungsplatz fanden wir auf einer kleinen Insel (Newcastle Isalnd) gleich bei Nanaimo, welche nur mit einer kleinen Fähre erreicht werden konnten. Hier begegneten wir auch dem ersten Meister Petz… zum Glück war es nur ein kleiner Waschbär, der zuerst das Gepäck einer anderen Reisegruppe zerriss und dann Jürg beim Schlafen beobachtete.
In zwei weiteren Tagesetappen erreichten wir schlussendlich Victoria, die Hauptstadt von Vancouver Island.


Am 23. Juli reisten wir via Fähre von Victoria nach Port Angeles in die USA ein. Vom Schiff kündigte sich das Land in dichtem Nebel an. Nachdem die umfangreichen Grenzformalitäten erledigt waren, machten wir uns Richtung Lake Crescent  im State Washington auf den Weg. Kaum ein paar Meter aufgestiegen war der Nebel weg und wir hatten bestes Wetter (überhaupt hatten wir seit der Abfahrt vor 3 Wochen noch keinen Regen, selbst im vor uns liegenden Forks (irgend so ein Vampir Dorf, bekannt aus Funk und Fernsehen) das als regenreichster Ort der USA gilt hatten wir trockene Verhältnisse).
In Oregon wo wir jetzt sind ist es tagsüber trocken, am morgen aber meistens stark neblig aus dem es manchmal auch einen Nieselregen geben kann. Gegen den Nachmittag klart es oft auf, für wenige Stunden kann auch die Sonne scheinen. Wir wollen uns über das Wetter nicht beklagen, wie oft haben wir in Guides und Blogs von Dauerregen über Wochen gelesen!
Wie schon geschrieben haben wir seit wir in den USA sind praktisch immer in State- oder Nationalparks übernachtet. Einerseits sind die Parks bzw. dessen Campings meistens sehr schön gelegen und grosszügig angelegt, andererseits auch noch sehr günstig was unser Tagesbudget entlastet. Im State Oregon kommt für uns Velofahrer eine weitere Annehmlichkeit dazu: In praktisch allen Stateparks gibt es spezielle „Hiker/ Biker“ Sites die für Velofahrer und Wanderer angelegt wurden. Da ist immer was frei auch wenn „Campground full“ angezeigt wird und man trifft oft auch andere Velofahrer und kann sich austauschen. Für 6$/ Person bekommen wir immer einen schönen Platz und vor allem eine heisse Dusche ?


Tschilli, rilli?

Das ist wohl die meist erlebte Reaktion wenn uns die Leute fragen wo wir hin wollen. Überhaupt ist es enorm mit wie vielen Leuten ich ins Gespräch komme. Nicht übertrieben habe ich im Tag sicher mit ca. 4 Leuten mal ein kurzes oder auch längeres Gespräch. Klar, die Amerikaner sind sehr neugierig und ich doch auch eher kommunikativ aber trotzdem, 3 Wochen unterwegs gleich 80 Kontakte, toll aber auch oft uffff……



Die bösen Nachbarländer……


Schon in Kanada wurden wir von den Amerikanern gewarnt, speziell vom State Washington bei dem man offenbar keine Autoprüfung benötige um Auto zu fahren. Das Gegenteil stellte sich bis jetzt heraus: Die Amerikaner überholen mit grosser Distanz, oft fahren sie dutzende von Metern hinter einem her bis sich eine sichere Möglichkeit ergibt um uns zu überholen. Bei den Tunnels oder Strassenabschnitten ohne Seitenstreifen  hat es oft eine Warnblinkanzeige für die Autofahrer um zu signalisieren das Velofahrer unterwegs sind, aktiviert wird sie von uns Velofahrern per Knopfdruck selbst; so was habe ich bis jetzt in Europa nicht gesehen.

So nun reicht es langsam wir wollen ja schliesslich wieder vorwärts kommen, die ersten 1000 km erradelten wir übrigens vor zwei Tagen vor einem „Safeway“ Supermarkt ……

Achja, neue Bilder gibt es auch!

Mittwoch, 21. Juli 2010

Bilder von Kanada sind online......

....... zum texten sind wir zu müde. Morgen gehts bereits in die USA!
Bilder sagen bekanntlich mehr als Worte. Gefahrene Route folgt später......

Samstag, 17. Juli 2010

Holperstart in die falsche Richtung

So,nun sind wenigstens wir 3 in Vancouver angekommen. Nachdem wir uns am Samstag nochmals kurz am Flughafen gesehen hatten, gingen Claudio und Jürg zusammen auf den Flieger via Chicago nach Vancouver, ich mit Air Canada via Toronto ebenfalls mit Ziel Vancouver.

Bei mir lief soweit -ausser das mein Flieger von Zürich mit einer Stunde Verspätung abflog- alles bestens.
Nach meiner Ankunft in Vancouver baute ich in aller Ruhe mein Velo zusammen und wartete danach auf Jürg und Claudio die erst 2 Stunden später ankommen sollten.
Unser Wiedersehen verzögerte sich jedoch um eine gute 3/4 Stunde, weil sie vergebens auf die hinteren Satteltaschen von Claudio warteten und schliesslich
eine Meldung am Schalter für das verloren gegangene Gepäck machen mussten. Am selben Platz wie ich bauten die zwei ihre Velos zusammen.
Danach machten wir uns Richtung B&B mit unseren Velos auf die Socken. Nach nicht einmal 2 km bemerkte ich im Rückspiegel, dass uns seit ein paar hundert Meter
ein Auto "vefolgt" sprich in unserem gemächlichen Tempo hinter uns herfuhr. Ein wenig später überholte uns das Fahrzeug und wies uns an, zur Seite zu fahren,
es war ein Polizeiauto. J.C. Janson, der Polizist, war sehr genau und hat alle unsere Adressen aufgenommen. Über unsere Lichtmaschinen und die Helme war er durchaus
erfreut... jedoch fehlten uns die passend leuchtenden Westen, die in Vancouver obligatorisch sind. Nach einem kurzen Schwatz übers Velofahren - er ist auch
Velofahrer - liess er uns jedoch ohne 100 Franken Busse ziehen.

Zwei Kilometer später, um bald zwei Uhr am Morgen fuhren wir dann beim B&B vor. Mike, der Besitzer war gottlob noch wach. Nach einer erholsamen Nacht und einem
mehr als üppigen Morgenessen setzten wir uns auf unsere, noch unbepackten Fahrräder und strampelten nach Vancouver City. Wow, die fahrradfreundliche Stadt zeigte
sich von der besten Seite . Blauer Himmel, so weit das Auge reichte .


Am Abend fragten wir nochmals am Flughafen nach. Von Claudios Gepäck fehlte noch immer jede Spur.

Nach diversen Telefonaten, persönlichem Vorsprechen beim "Baggage Manager" am Flughafen und einem vorsorglichem Besuch in einem grossen Outdoorshop für Ersatz
material erhielt Claudio nach 4 Tagen doch noch sein Gepäck, welch eine Freude!



Mit vollbepackten Velos (Gewicht im Schnitt sicher um die 50 kg) fuhren wir los um am Festland entlang gegen Norden nach Powell River zu gelangen.
Die Küstenstrasse erwies sich als ziemliche Berg und Talfahrt, sehr anstrengend gleich zu Beginn für uns untrainierte Toureros:-) !
Auf der Strecke hat es immer wieder mal kleinere Provinical Parks  in solch einem konnten wir prima übernachten, zur Abwechslung gab auch mal einen Camper Park.

Gestern haben wir endlich die Fähre auf Vancouver Island erreicht (ziemlich auf die Minute genau). Hier auf Vancouver Island werden wir von Susi, Rene, Emily und Sophie herzlich empfangen und wir konnten ein letztes mal alle Annehmlichkeiten eines privaten Haushalts geniessen. Wir entscheiden uns hier eine zweite Nacht einzulegen, sodass alles nochmals perfekt vorbereitet werden konnte.



Morgen gehts dann Richtung Süden, denn schliesslich sind wir bis jetzt in die komplet falsche Richtung geradelt...