Mittwoch, 3. November 2010

Strassen, die einfach irgendwo enden

In den letzten Tagen sind wir nun mehrfach, fast fassungslos vor einem Abgrund gestanden, wo eigentlich eine Strasse hätte sein sollen.
Das eine Mal freuten wir uns schon viele Kilometer vorher über den bescheidenen Verkehr. Na ja, eigentlich hätte es uns auch stutzig machen können, wenn plötzlich der Gegenverkehr vollkommen fehlt.  Auf  einmal irgendwo in der Pampa, sahen wir schon von Weitem einen ziemlich grossen Menschenauflauf. Leute stiegen aus Bussen aus und wanderten mit Sack und Pack zu Fuss weiter, an einer langen Autokolonne vorbei. Da  hatte es bereits Händler, die versuchten ihre Nüsse und Getränke zu verkaufen und alle motorisierten Wartenden schienen sich auf eine längere Wartezeit einzustellen, denn da wurde gegessen und diskutiert. Na ja, diesmal hatten wir mit unseren Fahrrädern natürlich einen immensen Vorteil und konnten an den Autos und Lastwagen vorbei fahren. Doch dann war plötzlich auch für uns Schluss. Da hatte es in der Nacht doch tatsächlich auf einigen Metern die Strasse weggeschwemmt. Der Polizist, der zuvorderst am Abgrund stand, meinte, das wäre der Hurican in der Nacht gewesen. Unglaublich, wir waren so müde, dass wir doch tatsächlich einen Hurican verschlafen hatten. Ein Bagger war damit beschäftigt eine Behelfslösung zu konstruieren. Der Polizeibeamte meinte, das würde aber bestimmt noch Stunden dauern. Für uns sah das Ganze eher nach einer Arbeit für Tage aus, denn da fehlte dermassen viel Material und die Lastwagen, welche das Kies brachten kamen ja auch kaum durch. So beschlossen wir es irgendwie durch den Fluss zu versuchen. Zu Fuss machten das auch andere Leute, aber für uns und unsere Fahrräder war der Fluss an dieser Stelle zu tief und hatte auch zuviel Strömung. Als der Bagger dann die Seite wechselte und durch den Fluss fuhr, sahen wir eine Möglichkeit im veränderten Flussbett und so stiessen wir unsere Fahrräder durch den Morast und durch den Fluss auf die andere Seite. Dort mussten wir dann noch durch ein Stück Wald (und das mit ca. 70 Kilo schweren Velos) und schliesslich standen wir auf der gegenüber liegenden Seite. Wow genial, jetzt konnten wir stundenlang fahren, ohne auch nur einmal überholt zu werden. Irgendwie hat so ein totaler Verkehrsstau auch seine positiven Seiten.

Zwei Tage später stehen wir erneut vor einer Strasse, die diesmal nicht im Nichts, sondern im Meer endet. Unglaublich, denn diese Strasse ist bei Kims Karte eingezeichnet und auch in Stefans GPS kein Problem. Da sie aber sowohl in Jürgs Karte, als auch im Google Maps fehlt, sind wir skeptisch und fragen nach, ehe wir den Weg in Richtung La Venta einschlagen. Na ja, der Leser denkt jetzt vielleicht: ist ja kein Problem, wenn eine Strasse nicht durchgehend ist, kann man ja umkehren. Ja, kann man. Wenn man aber dann zwei Tage Radelleistung wieder zurück muss, also insgesamt vier Tage lang für nichts strampelt und dann erst noch wieder am selben Ort steht, dann ist das gelinde gesagt, nicht eben erbauend. Auf unsere Frage wird geantwortet, ja natürlich, diese Strasse gibt es. Also schlagen wir den Weg in Richtung La Venta ein. Skeptisch, wie wir sind, fragen wir dann nochmals in La Venta an einer Polizeistation nach. Antwort: ja, klar da hat es eine Strasse von Sanchez Magallanes nach Tupilco. Ok, wir sind beruhigt. Nach eineinhalb Tagen Fahrt sind wir schliesslich in Sanchez Magallanes und vielleicht sagt es Etwas über unser Vertrauen in mexikanische Auskünfte aus, wenn wir jetzt schreiben, dass wir am Dorfausgang von Sanchez Magallanes nochmals bei einem Fahrradmechaniker fragen, ob die Strasse, dem Meer entlang nach Tupilco denn abierto (geöffnet) sei. Ja, klar, alles hier geradeaus geht’s nach Tupilco.
Kaum aus Sanchez Magallanes raus wird Jürg misstrauisch und meint, es scheine ihm doch etwas sehr wenig Gegenverkehr zu haben. Wenig ist stark untertrieben, denn es kommt gar kein Verkehr mehr entgegen.
Nach weiteren zwei Stunden ohne Verkehr stehen wir wieder mal am Abgrund. Die Strasse endet im Meer. Ein wirklich unpassierbar scheinender Sandweg führt hinein in die Palmen. Wir wollen auf keinen Fall zurück, also schlagen wir diesen Weg ein. Lieber Leser, bitte versuche doch mal durch einen Sandhaufen zu fahren und das selbst ohne Gepäck. Du wirst elendiglich stecken bleiben. Und rate, was wir taten…. Genau. Nun denkt man in solchen Situationen positiv und geht davon aus, dass der Weg nur kurz durch die Palmen führt um dann wieder auf die Strasse einzuschwenken. Aus dem Kurz wird dann aber Eeeeewig, Stundenlang und als Bonus hat’s da alle paar Kilometer Wegelagerer, die den Weg mit Seilen und Ketten versperren (und das irgendwo, im Nirgendwo) und einen Wegzoll für diese elende Sandpiste eintreiben wollen da die umgeleitete Piste durch ihr Grundstück führt. Na ja, zumindest bei allfälligen Autos. Uns lassen alle ohne Obolus passieren. Jedesmal, wenn wir uns freuen, dass die Strasse wieder asphaltiert ist, dauert’s nur grad einige wenige hundert Meter und wir stehen schieben und fluchen wieder im Sand. Aber klar, die Strasse ist abierto, nöö, kein Problem. Mexikanische Auskünfte sind vollkommen wertlos, da muss man gar nicht erst fragen.

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