Samstag, 23. Oktober 2010

Mitternächtlicher Überfall

Übernachtung Nummer 102. Nach hundert Kilometern gegen heftigsten Gegenwind strampelnd kamen wir völlig erschöpft im kleinen Dörfchen „El Higo“ an. Gegenüber der Zuckerfabrik befindet sich das einzige Hotel am Platz. Dieses bezogen wir, duschten uns und assen noch kurz im kleinen Restaurant im selben Gebäude etwas Kleines zu Nacht.
Schon sehr bald legten wir uns schlafen, hatten wir doch am darauffolgenden Tag wieder eine ziemlich weite Etappe zu meistern.
Um 01:45 wurden wir dann jäh wieder aus dem Schlaf gerissen. An der Türe klopfte es so heftig, dass wir sogleich öffnen mussten, um nicht Gefahr zu laufen, dass uns die Türe eingetreten würde. Kim stand auf, wackelte zur Türe, in Erwartung eines Besoffenen oder sonst wie Verwirrten. Oh Schreck, kaum war die Türe geöffnet standen zwei bis auf einen kleinen Augenschlitz vermummte Männer in Tarnanzügen, mit Maschinengewehren herumfuchtelnd in unserem Zimmer.
Wir hatten keine Ahnung (und haben sie zugegebenermassen bis jetzt nicht), ob es sich bei diesen zwei Rambos um Militärs, Polizisten, private Sicherheitsleute oder Mafiosis gehandelt hat, auf alle Fälle zeigten sie mit ihren Maschinengewehren auf unsere Taschen und forderten uns auf, diese zu leeren. Sie wollten wissen, was wir hier machen (na ja, eigentlich ja schlafen, was man halt so in einem Hotel macht), woher wir kämen, wohin wir wollten. Für uns wäre es ja noch ganz spannend gewesen zu wissen, was die beiden denn genau mitten in der Nacht in unserem Zimmer zu suchen hatten, aber darauf meinten sie nur, es sei zu unserer Sicherheit, ob wir denn nicht wüssten, dass in diesem Staat jeden Tag dutzende Menschen Verbrechen zum Opfer fielen.
Und so war es dann auch, als sie wieder abzogen fühlten wir uns um einiges sicherer. 

Wetterglück, oder wenn Engel reisen, lacht die Sonne

Nun sind wir schon gut 100 Tage unterwegs. Sind von Kanada aus über die USA, der  sogenannten Regenküste, entlang nach Mexiko gefahren und auch in Mexiko schon wieder wochenlang am radeln und hatten doch tatsächlich noch nicht einen einzigen Regentag. Zweimal regnete es irgendwann in der Nacht und am Morgen lagen Wasserlachen auf den Strassen. In Mazatlan sahen wir Bilder von Überschwemmungen in Veracruz (wo wir in wenigen Tagen eintreffen werden) und in Durango wurde uns erzählt, dass es bis vor wenigen Tagen an diesem Ort geregnet hätte und das einen ganzen Monat lang.  Aber unsere Regensachen befinden sich noch immer am selben Ort, wo wir sie damals in der Schweiz eingepackt hatten. Die rechte Vordertasche haben wir noch gar nicht öffnen müssen. Unglaublich. Nun hoffen wir natürlich, dass uns dieses Wetterglück noch einige Tage, Wochen oder Monate begleiten wird…….. mal sehen……

Schnuckel

Tag Nummer 99. Am Morgen starteten wir von San Luis Potosi aus in Richtung Osten, nichtsahnend, dass uns eine wirklich wunderschöne Gegend und ein mindestens ebenso sehenswerter Chico erwarten würde.
Etwa 20 Kilometer sind wir gefahren, als Jürg rechterhand drei Männer am Strassenrand sitzend entdeckt. Da wir so oder so einen kurzen Halt einlegen wollten, insistiert er diesen doch dort zu machen, denn der eine der Männer gefiel ihm auf den ersten Blick, abgesehen davon hat es dort ein schattiges Plätzchen.
Wir setzen uns also hin und sogleich fragt uns der Schnuckel, von wo wir denn kämen und wohin wir wollten. Jürg war hin und weg und es wurde in verschiedensten Sprachen versucht zu kommunizieren (Anmerkung: Jürg kann etwa 4 Wörter spanisch und 10 Sätze englisch) . Gefragt was sie denn dort am Strassenrand machen würden, gab Luis (so heisst der hübsche Typ) an, sie würden Nutztiertransporte überwachen. Aha. Als Luis uns fragt, ob wir einen Blog hätten, tauschten wir die correos electronicos aus. Als Jürg Luis’ Adresse sieht kippt er fast, denn das Wort Vegan ist in der Adresse enthalten. Luis ist tatsächlich Veganer und das in einem Land, wo es schon genug schwierig ist, etwas Vegetarisches zum Essen zu bekommen. Wow, genial. Mal sehen, aber diesen Kontakt wird Jürg wohl auf alle Fälle aufrecht erhalten.

Samstag, 16. Oktober 2010

Zacatecas – Sombrerete – San Luis Potosi

Weiterhin zu dritt unterwegs machten wir uns von Durango auf den Weg nach Zacatecas. In Sombrerete mussten wir eine Nacht extra einlegen, da ich mir (gelinde gesagt) eine Magenverstimmung eingeholt hatte. Diese dauerte dann noch gut 5 Tage an. Weiter gings über Fresnillo, wo wir in einem (12) Stundenhotel übernachteten und um 6 Uhr morgens zum Bett herausgeholt wurden, schöne Scheisse obwohl das Zimmer an sich sehr grosszügig und sauber war! 

In Zacatecas angekommen machten wir zwei Tage Pause und sahen uns die Stadt etwas genauer an, nachdem sie in unserem Veloguide und auch im Internet als sehenswert beschrieben worden war (Unesco Weltkulturerbe und so). Tatsächlich, die Stadt hat was zu bieten. Neben der schönen Altstadt besichtigten wir auch eine Silber/ Kupfer Mine die für das Publikum zugänglich gemacht worden ist. 
Die Mine ist beeindruckend, wenn gleich ein grosser Teil die Mineralienausstellung einnimmt die ich mässig spannend fand. Trotzdem, man bekommt einen Eindruck wie hart die Arbeit in der Mine war, durchschnittlich wurden die Minenarbeiter (darunter auch viele die im Kindesalter begannen zu arbeiten) 35 Jahre alt. Gleich anschliessend an den Minenbesuch fuhren wir mit der Seilbahn (Hecho in Suiza, Garaventa) über die Stadt vom einen Hausberg zum anderen. Eine tolle Idee, so eine Seilbahn mitten über die Stadt zu spannen. Bilder davon gibt es im Album Mexico.

Nach Zacatecas reisten wir in 2 Tagen nach San Luis Potosi wobei der zweite Tag eine Tortur war. Über „rollende“ Hügel, (also eigentlich sanft im Anstieg aber halt doch immer 150 -200 Höhenmeter), dafür aber mit extremen Gegenwind schafften wir die 100km gerade noch so rechtzeitig bevor es ganz dunkel wurde. Ursprünglich wollten wir in San Luis Potosi nur 1-2 Nächte bleiben, entschieden uns jedoch für 3 Nächte. Die Stadt ist für mich wie eine Oase. Richtig gross, ein Centro Historico das aus meiner Sicht viel schöner und grosszügiger ist als jenes von Zacatecas. Nebenbei gibt es in vielen Parks gratis Internet (SSID „El Gobierno de todo was soviel heisst wie „die Regierung für alle“), gute Restaurants, wir haben ein Hotel mitten im Zentrum und doch absolut ruhig. Auf dem Stadtrundgang fanden wir auch einen Velomechaniker der mir das Tretlager fachmännisch tauschen konnte, da meines nach gut 10'000 km schlapp machte (soviel zum Thema Longlife). Alles in allem war für mich diese Stadt sehr erbaulich, nachdem ich die vergangenen Tage etwas Reisemüde geworden war. Morgen geht’s dann weiter Richtung Süd-Ost an die Atlantikküste wo uns (leider) wieder heiss- feuchtes Wetter erwartet.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Mazatlan – Durango

Da es in der Baja California die letzten 3 Wochen wirklich sehr, sehr heiss war, hatten Jürg und ich Lust, in etwas „kälteren“ Gefilden zu radeln.  Trotz „Warnungen“ von Einheimischen das es in den Bergen „muy, muy frio“ sei entschieden wir uns, von Mazatlan an der Küste nach Durango im Landesinneren weiter zu fahren. Das bedeutete für uns nicht weniger als gut 2800 Meter Höhenunterschied. Die ersten 4 Tage fuhren wir mehr oder weniger immer den Berg hinauf. Erst am 5. Tag waren wir auf einer Art Hochplateau auf 2600 Meter angelangt. Mehr oder eher weniger flach ging es dann weiter nach Durango wo wir zwei Nächte blieben.
Durango ist eine sehenswerte, alte Kolonialstadt, die ein schönes „Centro historico“ hat. Was die Mexikaner übrigens unter „muy frio“ verstehen war für uns optimal: Am Tag um die 25, in der Nacht erholsame und erfrischende 8 Grad. Landschaftlich waren die letzten Tage ein Traum. Von Mazatlan startend hatten wir zuerst fast schon Regenwald mässiges Klima und ein „Grün“ welches total im Kontrast zur trockenen Baja stand. Auch die Tierwelt war entsprechend: Grosse Heuschrecken, Geckos und sonstige, uns unbekannte Tiere. Je weiter wir hinauf fuhren, desto angenehmer wurde das Klima und die Vegetation wurde richtig gehend „hochalpin“. An steilen Bergkämmen entlang, durch Pinienwälder und an Seen vorbei fahrend hatten wir immer wieder tolle Ausblicke hinaus in die Landschaft. Die Strecke ist touristisch gesehen unbedeutend. Das ermöglichte uns einen direkteren Kontakt mit den Leuten in den Dörfern wo wir übernachteten.
Bilder von dieser Strecke gibt es wie immer im Album Mexico.

Wieder zu dritt unterwegs

Während wir auf der ganzen Baja  auf keinen einzigen Velofahrer stiessen (aber von Einheimischen immer wieder hörten das ein paar Tage vor uns welche da waren), trafen wir am Fährenterminal gleich zwei an. Einmal Guy aus Kanada (http://www.gbradet.blogspot.com/) und Kim (http://www.toilsweatandjoy.blogspot.com/) aus Norwegen. Zufälligerweise trafen wir auch wieder „die Büsslis“ (Ornella und Fabian) an die wir Wochen zuvor kennen gelernt hatten. Zu sechst hatten wir einen lustigen und unterhaltsamen Abend. Natürlich waren die Routenpläne auch ein Thema. Für Guy war die Sache klar das er von Mazatlan weiter an der Küste nach Süden fahren und den ersten Teil davon mit dem Bus „überbrücken“ würde. Kim war unschlüssig zumal es an der Küste weiterhin sehr heiss und feucht sein soll. Wir boten ihm an, mit uns ein paar Tage zu reisen. Nach einer Nacht „überschlafen“ entschied er sich mit uns weiter zu radeln. Seither sind wir eine Woche zusammen unterwegs und haben es ganz gut miteinander was ja nicht selbstverständlich ist. Welcome on board Kim!