Dienstag, 21. Dezember 2010

Wiedersehen nach knapp 30 Jahren

Leider erst in Mexico dachte ich darüber nach ob es Leute gibt, die ich (auch von früher her) kannte und die eventuell auf unserer Reiseroute liegen würden um sie zu besuchen. Plötzlich dachte ich an Elena und Hans die gute Freunde von meinen Eltern waren. Sie wohnten Ende 70-er bis Anfangs der frühen 80-er Jahren in der Nachbarschaft von uns in Wettingen. Das letzte Mal als ich sie sah muss ich knapp 7 Jahre alt gewesen sein. Dank Google & Co. hatte ich via Martin (dem Sohn der beiden) schnell die Emailadresse von Elena gefunden.

Kurzerhand schrieb ich ihr eine Email um den Kontakt aufzubauen. Wie wenn keine 30 Jahre dazwischen gelegen wären schrieb sie mir sehr schnell zurück und lud uns gleich zu ihnen nach Hause - in der Nähe von San Jose- ein.

Ich war natürlich sehr gespannt auf die beiden, hatte ich sie -wie bereits geschrieben- das letzte Mal im Jahre 1981 gesehen!
Tja was soll ich sagen, der Empfang war einfach umwerfend und sehr, sehr herzlich! Elena und Hans liessen uns ihr Gästehaus, La Casita zur freien Verfügung, wo Jürg und ich uns bestens einrichteten. Auch die 7 Hunde von ihnen hatten an Jürg eine wahre Freude, besonders die blinde Luna!

Wir blieben insgesamt 6 Nächte dort. Dadurch hatten wir viel Zeit um mit Ihnen (zum Teil sehr) engagiert zu diskutieren und mehr über sie zu erfahren. Wenn ich Erdenbürger nennen müsste, dann die beiden. Einfach unglaublich wo die schon überall waren und auch familiär her stammen, es kommt alles vor: Schweiz, Italien, Argentinien, USA, Mexico, Kolumbien, Holland, Venezuela, Indonesien, Costa Rica etc.

Besonders spannend fand ich auch, mehr über Costa Rica zu erfahren, sie waren eine eigentliche „Wissensquelle“.  Während den 6 Tagen waren sie einmal bei Nachbarn zum Essen eingeladen wo wir auch mit gehen konnten. Kathleen (ursprünglich aus Irland) und Loreno (aus Italien) waren ein sehr freundliches und herzliches Gastgeberpaar. Wir assen dort die beste Pasta auf der ganzen Reise, ich würde sogar sagen es war definitiv eine der besten Pasta’s in meinem ganzen Leben! Für mich als neugieriger Mensch war es auch interessant, in das Leben anderer Menschen einen (kleinen, kurzen) Einblick zu erhalten.

Ein besonderes Highlight war sicher auch der ganztägige Ausflug mit Hans zum Irazu Vulkan (3300 MüM) und dem Lago de Cachi. Wir hatten bestes Wetter und Hans führte uns auch noch in ein sehr gutes Restaurant. Hans, Du warst ein toller „Reiseleiter“ und noch viel mehr.

Nun denn, alles hat sein Ende und so fuhren wir schweren Herzens am Sonntag Richtung Pazifikküste an der wir bis zur Grenze nach Panama entlang fahren werden.

Elena und Hans, ganz lieben Dank für die tolle Zeit, der Besuch bei euch wird mir immer in bester Erinnerung bleiben. Wenn ihr das nächste Mal in der Schweiz seid machen wir ein Reunion Abend zusammen mit Astrid und Nani, okay?  Pura Vida!

P.S. Natürlich hat es wieder ganz viele neue Bilder gegeben. Diesmal auch ein paar Familieninterne. Im Gästehaus von Elena und Hans „entdeckte“ ich Fotoalben. Ich staunte nicht schlecht, als mich selber und weiter gute, alte Freunde darin sah.



Zwei oder sogar noch mehr Rekorde am selben Tag

Ojjeee, wir ahnten ja noch nicht, was uns an diesem Tag (übrigens dem 155.) bevorstehen würde, als wir unbekümmert in Agua Zarcas auf unsere Fahrräder sassen und los fuhren.  Schon nach der ersten Kurve konnten wir sehen, wie die Strasse vor uns in schnurgerader Linie auf den Berg nach oben führte. Eine so steile Strasse hatten wir bislang vielleicht dreimal auf den gesamten zurückliegenden 8000 Kilometern. Aber da handelte es sich jeweils um einige Dutzend Meter. Hier schien die Strasse endlos. Ja nu, wir wussten, dass wir an Höhe gewinnen mussten, um nach San Isidro de Herdia zu gelangen und so mühten wir uns und unsere fast 70 Kilogramm schweren Fahrräder den Berg hinauf.

Was uns dann nach etwa 5 Kilometern steilsten Anstiegs oben erwartete, war schlicht gemein. Nicht, dass die Strasse jetzt flacher wurde oder sogar eben. Nein, fluchend über die Costa Ricanische Strassenführung sausten wir wieder hinunter, wohlgemerkt ins genau gleiche Tal, von welchem wir eben gerade heraufgestrampelt waren. Das Selbe gab’s dann noch weitere drei male, bis wir schliesslich in San Miguel ankamen.

Was jetzt folgt, lieber Leser ist kaum vorstellbar und es leider lässt sich wohl nicht wirklich passend beschreiben. Schon in San Miguel beginnt eine so krasse Steigung, dass es Jürg immer mal wieder das Vorderrad von der Strasse abhob, wenn er etwas zu weit nach hinten lehnte. Kilometerweit präsentiert sich nach jeder Kurve wieder ein genauso steiles Stück Strasse. Wenn uns mal ein Auto entgegen kam oder überholte, dann jolten die Leute aus dem Wageninnern und feuerten uns an. Bestimmt hielten die uns für vollkommen übergeschnappt, vor Allem, da diese ja wussten, was da noch vor uns Ahnungslosen lag. Einer streckte uns sogar einen Schokoriegel zur Stärkung entgegen. Zu allem Überfluss setzte nun auch noch der Regen ein und es stieg Nabel aus den Tälern. Ja nu, nasser als wir schon vom Schwitzen her waren, konnten wir nicht mehr werden.

Als dann schliesslich auch noch fertig mit Asphalt war und die Strasse sich langsam dem Zustand eines Flussbeets näherte, machten wir einen kleinen Halt und beschlossen, bei der nächsten Möglichkeit zu versuchen irgendwo unter zu kommen, schliesslich ging es schon gegen 4 und um 5 ist es in diesen Breitengraden um diese Jahreszeit Stockdunkel. Ups, hatten wir überhaupt irgendetwas, wie eine Herberge oder ein Hotel gesehen, in den letzten zwei oder drei Stunden? Nein, nichts Dergleichen.

So blieb uns also nichts Anderes übrig, als zu strampeln und zu hoffen. Im Gegensatz zu Kim, der in solchen Situationen zu beten pflegt, konnten wir, weil wir ja wissen, dass es Gott nicht gibt, einfach nichts als Strampeln und Hoffen. So strampelten wir weiter von Kurve zu Kurve und hinter jeder Kurve tat sich eine weitere Strecke mit unmenschlicher Steigung (der Kirchrai in Wallisellen ist flach dagegen) und ebenso gemeinen Schlaglöchern vor uns auf. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 Stundenkilometern kämpften wir uns die regnerischen, nebligen, steilen und schlaglochübersäten Hänge hoch. An einigen Stellen mussten wir durch Bäche fahren und an anderen Stellen war die Strasse nur sehr provisorisch repariert, da das alte Trasse den unsäglich steilen Berg hinunter gerutscht sein muss. Nach fast 1800 Höhenmetern tauchte doch linkerhand tatsächlich ein Restaurant auf.
Ach lieber Leser, stell Dir nun bitte nicht ein Restaurant vor, wie wir es irgendwo in Europa kennen. Nö, das war eine nach zwei Seiten offene Blechbude mit einem Feuer in der Mitte, eine zügige Bude mit drei Tischen und einem halben Dutzend Stühlen. Wir setzten uns tropfnass hin und bestellten je ein Getränk und Essen (zum Glück für Jürg war der Eintopf, den sie da anboten doch tatsächlich ohne Fleisch!).
Jürg dampfte regelrecht. Gefragt, ob es denn irgendwo da oben ein Hotel oder so gäbe, meinte der Herr, welcher uns das Essen brachte, dass in etwa zwei Kilometern ein Hotel komme, übrigens, das Einzige weit und breit. Gottlob bzw. natürlich zum Glück. Da es draussen inzwischen dunkel geworden war und mangels Licht drinnen auch, beschlossen wir das letzte Stück noch unter die Räder zu nehmen.
Auch die nächsten zwei Kilometer, die sich dann aber als 4 herausstellten (und das bei durchschnittlich 4 Stundenkilometern!) waren genauso steil, nass und voller Pfützen, wie die vorangegangenen weissnichtwieviele.

So kamen wir tropfnass und hundemüde endlich bei der besagten Hotelanlage an.
Ui dieses Hotel schien sich aber schon etwas von allen Vorangegangenen zu unterscheiden. Gerade einen günstigen Eindruck machte die Lobby nicht, auf uns. Ja nu, mal rein und fragen.
Entschuldigung, haben sie noch ein freies Zimmer für zwei Personen?
Claro que si.
Was würde uns das kosten?
Wir bekamen einen Prospekt vorgelegt, mit je einem Bild des kleineren Zimmers und einem des grösseren Zimmers. Ups, uns würde eigentlich ein Zimmer genügen, wir bräuchten keinen Palast. Die Zimmer auf den Bildern waren einfach riiiiesig, mit Cheminee, einem unbeschreiblichen Bad, mit Jacuzzi, Wasserfallduschen, einem enorm grossen Himmelbett, Stereoanlage und einem immensen Balkon, auf welchem man sich verlaufen könnte.
Leerschluck. Was kostet denn das kleinere Zimmer? 300 Dollar das Kleine und das Grosse 400. Aha. Wir mussten nicht lange überlegen. Wir hatten absolut keine Lust, draussen in der Kälte unser Zelt aufzubauen, also entschieden wir uns für das Kleine. Der freundliche Herr an der Rezeption schlug uns vor, uns das Grosse zum Preis des Kleinen zu überlassen, was wir natürlich mit Freude akzeptierten.
Die Fahrräder sollen wir ruhig mit aufs Zimmer nehmen, meinte er. Als wir alles Geschäftlich erledigt hatten, führte er uns zum Zimmer oder besser gesagt zur Suite. WOW, was wir da bekamen für die 300 Dollar, war jeden Cent wert.

Unfassbar, da hatte es einen Jacuzzi innen, eines aussen auf dem Balkon, eine Wasserfalldusche, eine normale Dusche, ein Cheminee, welches er gleich anzündete und es war einfach riiiiesig.
Wir nahmen gleich ein Sprudelbad und kochten uns danach auf dem Balkon Spaghetti welche wir vor dem Kaminfeuer genüsslich assen.

Einfach königlich schliefen wir im Himmelbett und am Morgen konnten wir uns nach einem üppigen Frühstück noch den hauseigenen Zoo anschauen.
Unglaublich, zu diesem Hotel gehört ein immenser Park, mit Raubtiergehegen, einem Affenhaus, einem Schlangenhaus, einem Schmetterlingshaus, einem Haus für Vögel, einem für Frösche usw. usw.

Absolut erholt und um 300 Dollar erleichtert nahmen wir dann am nächsten Tag die weitere Strecke in Angriff.  Diese führte uns schliesslich, mit endlos steilem Anstieg auf 2150 Meter.
Tag 155 war definitiv der Tag mit der grössten Steigung und auch derjenige mit der absolut teuersten Übernachtung (rund 5 mal so teuer, wie die bislang teuerste!)
Aber es hat sich gelohnt.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Eine Wendung - nicht ganz unerwartet (Stefan)

Tja, der eine oder die andere wird schon ahnen um was es geht......

Ich werde die Reise in Cartagena (Kolumbien) beenden.

Die Gründe sind vielfältig, es gibt keine eigentliche "Hauptursache" für meinen Entscheid.

Fest steht, dass ich im "allgemeinen" reisemüde geworden bin.
Jeden Tag weiter fahren, am Abend eine Übernachtungsmöglicheit suchen, dann sich
noch um das Essen kümmern und am nächsten Tag wieder weiter pedalen riefen bei mir gewisse Abnützungerscheinungen bzw. "Alltagsroutinen" hervor.
Ich fragte mich mit der Zeit was ich hier eigentlich mache und ob es das ist, was ich suchte und wollte: Aufstehen, Velofahren, essen, schlafen. Aufstehen, Velofahren, essen, schlafen. Jeden Tag, jede Woche.
Obwohl mir das Vorwärtskommen mit dem Velo bis anhin Spass gemacht hat bin ich mittlerweilen der Meinung,
für eine Reise durch diese Länder und mit dieser grossen Distanz ein motorisiertes Fahrzeug (Töff) für mich die bessere Wahl gewesen wäre.
Viele der durchfahrenen Gebiete waren es aus meiner Sicht nicht "Wert", sie mit 18 Km/h zu bereisen. Endlose Kuhweiden, Wälder etc. sehen mit der Zeit alle gleich aus. Hier war ich vielleicht etwas ungeduldig, ich wäre dort gerne schneller vorwärts gekommen und hätte dafür an den schönen Orten (Highlights) mehr Zeit gehabt.
Desweiteren sind wir mit dem Velo praktisch immer auf den Hauptstrassen bzw. in den Städten unterwegs. Mich würden halt (oder vor allem) auch die abgelegenen Orte und Hotels reizen.
Aber mit dem Velo macht man halt nicht mal eben einen Abstecher von 15 km hinunter an einen Strand, auf einen Hügel rauf etc.

Als äusserst kommunikative und gwundrige Person störte mich im Verlaufe der Reise auch immer mehr, dass ich mit meinem Spanisch halt doch auf den Standardsituationen wie Essen bestellen, Hotelzimmer buchen und anderem Smalltalk "hängen" blieb. Wir hatten wirklich viele interessante Begegnungen bei denen ich oft mehr Tiefgang in den Gesprächen gewünscht hätte (und vom Gegenüber auch gekommen sind) , wäre da nicht mein limitiertes Spanisch gewesen.
Von Jürg konnte ich (leider) nicht mehr erwarten, er ist ziemlich Spansich "resistent", andererseits ist ihm der (tiefgründigere) Kontakt mit den angetroffenen Personen nicht so wichtig wie mir.

Ein weiterer, ganz wichtiger Grund ist natürlich Tom, mein Mann und Lebenspartner. Es war für mich sicher die grösste Hypothek die diese Reise mit sich brachte, nach 13 Jahren intensiver und abwechslunsgreicher Partnerschaft für ein Jahr ohne ihn zu verreisen und ihn in der Schweiz zurück zu lassen.
Ich kann ihm nur ein Kompliment machen: Er liess mich ziehen und "engte" mich nicht ein. Auch mein jetziger Entscheid entstand nicht auf Druck von ihm. Danke für diese Freiheit Tom!

Abschliessend muss ich sagen das da auch noch eine Art Heimweh dazu kommt, obwohl ich mich in den 160 Tagen nie wirklich unwohl gefühlt habe. Und trotzdem, die vertraute Umgebung, ein Umfeld das meine Muttersprache spricht, ein gewohntes Essen, etc. sind Dinge die mir schon fehlen.
Auch der unmittelbare Kontakt/ Anblick der (zum Teil) krassen Armut der in vielen der durchreisten Länder herrscht setzte mir zu, auch wenn meine
Rückkehr nichts an der Situation der Leute dort verbessert.

Nun denn, bis zu meiner Rückkehr sind es jetzt noch gut 6-8 Wochen. Vorerst geniesse ich Costa Rica wo wir gegenwärtig sind. Dann gehts weiter nach
Panama und als krönender Abschluss (mindestens für mich) setzen wir mit einer Segeljacht via den San Blas Inseln nach Kolumbien über.

Ihr könnt euch also auf weitere Blogeinträge freuen; Fotos knipsen wir natürlich weiterhin und laden die auch hoch.

Beste Grüsse aus Costa Rica,

Stefan

Wie weiter? (Jürg)

Costa Rica, Tag Nummer 151.

Nun, nach 150 Tagen hat auch Stefan beschlossen, demnächst (voraussichtlich in Cartagena, Kolumbien) wieder nachhause zu fliegen. Claudio hatte das Heimweh ja bereits nach 5 Wochen gepackt.
Für mich keine so einfache Situation. Mir macht das Reisen mit dem Fahrrad noch immer Freude. Die verschiedenen Länder, die wunderbaren Landschaften, die Natur und auch die Begegnungen sind mir die Strampelei und auch die Entbehrungen, die eine solche Reise mit sich bringt noch immer absolut wert. Trotzdem werde ich dann wohl auch den Weg nachhause einschlagen. Alleine weiter zu radeln ist mir aus verschiedenen Gründen zu anstrengend (Sicherheit, Langeweile, wenn ich monatelang alleine durch die Landschaft radle ohne die Eindrücke teilen zu können und schliesslich die Gepäcksituation). 
Schon als Claudio uns verlassen hatte, mussten wir die ganzen Kochsachen von ihm übernehmen, jetzt kämen noch die Werkzeuge, Ersatzteile und der Laptop dazu, dabei schleppe ich bereits gegen 70 Kilo mit mir herum.
In den nächsten Wochen werde ich mich noch umschauen, ob grad ein anderer Radler (der genau weiss, was so eine Tour mit sich bringt) im etwa selben Zeitrahmen die vorgesehene Strecke unter die Räder nimmt. Dann würde ich mich allenfalls anzuhängen versuchen. Ja nu, wir werden sehen…….

Freitag, 3. Dezember 2010

Zigarres Reisetipps

Tag 133, bzw. 133 bis 135. 
Stefan hatte Tom gerade eben zum Flughafen gebracht und dann den Mietwagen zurück zur Zigarre gebracht. Zigarre war unser Autovermieter. Eine ganz spezielle Nummer. Crystal – Autovermietung, die Adresse um in Belize einen Wagen zu mieten. Zigarre hat viermal so viele Wagen, wie alle anderen Autovermieter zusammen (einschliesslich Hertz, Avis und Budget). Zigarre ist ein Amerikaner, der sich vor vielen Jahren in Belize niedergelassen und eine Autovermietung gegründet hat. Wir nannten ihn von Anfang an Zigarre, weil er eine riesige kubanische Zigarre im Mund hatte, was seinen amerikanischen Slang noch breiter machte. Zigarre wohnt unter einer riesigen zu zwei Seiten offenen Blechhalle, inmitten von tropischen Pflanzen und Antiquitäten. Alle Möbel, das Büro und alles steht quasi draussen, geschützt nur gerade durch ein Dach. In Vitrinen stehen archäologische Artefakte zwischen Zigarrenkistchen, Papageien klettern in den Bäumen und es kann durchaus auch mal vorkommen, dass ein Papagei von oben herab auf eine Computertastatur kackt. Zigarre hatte uns zwei Wochen zuvor erklärt, dass es auch ohne Versicherung kein Problem sei, mit dem Mietwagen über die Grenze nach Guatemala zu fahren. Kurzerhand wies er eine seiner Angestellten an, uns eine Erlaubnis zu fälschen. Überall, wo wir hin kämen, sollten wir einen Gruss ausrichten, dann bekämen wir Rabatt. Er erklärte uns, wo es sich lohnt hin zu fahren und wo eher nicht. Zwar dürfe man mit Mietwagen nur auf asphaltierten Strassen unterwegs sein, wir sollen diese Klausel aber getrost vergessen, denn die schönsten Orte seien eh nur auf Pisten zu erreichen.
So brachte Stefan also nach zwei Wochen den Wagen wieder zurück und Zigarre meinte nur: siehst Du, alles glatt gegangen, Auto noch ganz und Grenze problemlos passiert.
Natürlich wollte er auch wissen, wo’s jetzt weiter geht.
Eigentlich hatten wir vor, nach Dangriga zu fahren und von dort aus mit dem Schiff nach Puerto Colon (Honduras) zu übersetzen.
Zigarre meinte dann aber, wir sollten das lieber unterlassen, denn die Städte Puerto Colon, San Pedro Sula und Tegucigalpa sollten wir auf alle Fälle meiden, das seien die einzigen Orte in Mittelamerika, da würde er nicht hin gehen.
Spannend, da hatte uns doch zwei Monate zuvor in Mexiko ein Segler, der die ganz Welt besegelt hat vor 5 Städten gewarnt. Die drei, jetzt von der Zigarre genannten waren prompt auch dabei. Weil wir auch von den „Büsslis“ (aufmerksame Blog Leser kennen die Büsslis aus früheren Blog – Einträgen) hörten, dass Honduras eine Katastrophe gewesen sei und sie auf 120 Kilometern ganze 9 mal von Polizeikontrollen aufgehalten worden sind und die Polizisten dabei jeweils versuchten sie um Geld zu erleichtern, beschlossen wir dieses mühsame Land auszulassen.
Na ja, so einfach ist das dann aber eben nicht, denn alle drei Orte die wir unbedingt meiden sollten lagen ja auf unserem Weg, auch wenn wir den Bus nehmen sollten. Und der absolut schlimmste Ort in ganz Mittelamerika soll ja gerade eben der Busbahnhof von San Pedro Sula sein (wir sollten dann später noch mehr davon vernehmen).
Zigarre meinte, dass er nur eine Möglichkeit sehe und diese sei mit dem Bus über Guatemala (das zwar einen schlechten Ruf habe, aber eigentlich ganz gut zu bereisen sei), dann über El Salvador und Honduras nach Nicaragua zu fahren. Jesses, das würde ja einen unglaublichen Umweg bedeuten. Ja nu.
In Belize City erkundigten wir uns also nach den Verbindungen und siehe da, eine Stunde später sollte ein Bus in Richtung Flores (Guatemala) starten. Wir kauften also das Ticket und hievten eine Stunde später unsere Fahrräder aufs Dach des Busses.
Die ausführliche Beschreibung der Odyssee, die folgte ersparen wir unseren Blog Lesern wohl besser. Wir sassen nun also mehr als 36 Stunden in verschiedenen Bussen und fuhren so zwei ganze Tage und eine ganze Nacht lang in Fahrzeugen die dermassen herunterklimatisiert wurden, dass die Leute Wolldecken brauchten, um bei 16 Grad nicht zu erfrieren, währenddessen draussen tropische Hitze den Asphalt klebrig werden liess.
Irgendwo im Nichts und mitten in der Nacht stiegen vier weitere Reisende aus der Dunkelheit zu. Danny und Daniela aus Deutschland sahen auch schon sehr abgekämpft aus. Sie waren sichtlich froh, zusteigen zu können. In der Folge erzählten sie von ihren Erlebnissen. Tatsächlich kamen die beiden genau aus dem Gebiet, welches wir gerade mühsam umfahren hatten. Nach einigen Schilderungen des Gesehenen waren wir froh, dass wir auf Zigarre gehört hatten. Die beiden machten noch immer einen ziemlich eingeschüchterten Eindruck. Sie erzählten uns, dass der Besitzer des Hotels in Tegucigalpa, in welchem sie abgestiegen waren es unter allen Umständen vermied auch nur einen Meter in dieser Stadt zu Fuss zurück zu legen. Da er auch nie und nimmer einem fremden Taxifahrer vertrauen würde, hätte er und seine ganze Familie immer denselben Fahrer. Auch wenn er nur einige hundert Meter zurücklege, würde er dies nie zu Fuss machen da jeden Tag mehrere Leute in dieser Stadt ermordet würden. Na ja, dann mal gute Nacht. Apropos Nacht: in Selbiger hätten sie andauernd Schüsse gehört und beschlossen, sich am nächsten Tag von ebendiesem Taxifahrer direkt vom Hotel auf den nächsten Bus fahren zu lassen. Ok, wir waren also gut beraten diese drei Städte grossräumig zu umfahren.

Nach 36 Stunden Fahrt und ganzen 43 Stunden ohne Schlaf kamen wir also morgens um halb 2 in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua an. Unser Bus fuhr vor ein gewaltig grosses Eisentor, dass sofort von einem Sicherheitsmann mit Maschinengewehr im Anschlag geöffnet und gleich hinter dem Bus wieder geschlossen wurde.
Alles Gepäck wurde wieder ausgeladen und die Passagiere wurden vom Wachmann einzeln durch das Tor gelassen, wo sie sich draussen auf die wartenden Taxis verteilten. Wir setzten unsere Fahrräder wieder zusammen und befestigten die Taschen. Als wir dann schliesslich nach draussen in die Nacht starten wollten, meinte der Wachmann, dass wir unmöglich jetzt mit unseren Fahrrädern draussen herum fahren könnten, dass sei viel zu gefährlich, er bestelle uns lieber ein Taxi, welches uns zu einem Hotel bringen werde. Jürg fand das zwar schon etwas sehr übertrieben, willigte aber schliesslich ein. Der Taxifahrer lud dann tatsächlich all unser Gepäck und sogar noch das einer weiteren Passagierin, zusammen mit beiden Fahrrädern in und auf den Wagen und fuhr uns durchs absolut menschenleere Managua, vorbei an diversen Hotels. Bei jedem nannte er den Preis. Dieses koste 150 Dolares pro Person und jenes 80, dieses sei schmutzig und jenes zwar günstig, aber nicht sicher undsoweiterundsofort. Schliesslich hielt er vor dem, wie er meinte besten Hotel der Stadt. Na ja, das beste Hotel in Managua dürfte wohl einfach dasjenige sein, welches ihm die beste Provision für einen angekarrten Gast bezahlt.
So kamen wir also, im ärmsten und somit auch günstigsten Land auf unserer Reise zur schlechtesten und gleichzeitig auch teuersten Unterkunft unserer ganzen Reise. Bestimmt bekommt der Wachmann vom Taxifahrer eine Provision für’s Touristen erschrecken und der Taxifahrer vom Hotelbesitzer fürs Ankarren der verängstigten Gäste.
Der Clou aber war dann, dass wir am nächsten Morgen vom Hotel aus in Richtung Granada los fuhren und keine 200 Meter von unserer Unterkunft entfernt den Busbahnhof von gestern Nacht passierten. Elende Schlitzohren, diese Nicaraguaner.
Aber glaubt uns, liebe Blog-Leser, es ist ein Hochgenuss, wieder auf den eigenen Rädern unterwegs zu sein.


P.S Im Belize und Guatemala Album hat es nochmals mehr Bilder von weiteren Höhlenbesuchen etc. gegeben, neu dazu gekommen ist auch das Album für Nicaragua, Costa Rica und Panama.