Freitag, 3. Dezember 2010

Zigarres Reisetipps

Tag 133, bzw. 133 bis 135. 
Stefan hatte Tom gerade eben zum Flughafen gebracht und dann den Mietwagen zurück zur Zigarre gebracht. Zigarre war unser Autovermieter. Eine ganz spezielle Nummer. Crystal – Autovermietung, die Adresse um in Belize einen Wagen zu mieten. Zigarre hat viermal so viele Wagen, wie alle anderen Autovermieter zusammen (einschliesslich Hertz, Avis und Budget). Zigarre ist ein Amerikaner, der sich vor vielen Jahren in Belize niedergelassen und eine Autovermietung gegründet hat. Wir nannten ihn von Anfang an Zigarre, weil er eine riesige kubanische Zigarre im Mund hatte, was seinen amerikanischen Slang noch breiter machte. Zigarre wohnt unter einer riesigen zu zwei Seiten offenen Blechhalle, inmitten von tropischen Pflanzen und Antiquitäten. Alle Möbel, das Büro und alles steht quasi draussen, geschützt nur gerade durch ein Dach. In Vitrinen stehen archäologische Artefakte zwischen Zigarrenkistchen, Papageien klettern in den Bäumen und es kann durchaus auch mal vorkommen, dass ein Papagei von oben herab auf eine Computertastatur kackt. Zigarre hatte uns zwei Wochen zuvor erklärt, dass es auch ohne Versicherung kein Problem sei, mit dem Mietwagen über die Grenze nach Guatemala zu fahren. Kurzerhand wies er eine seiner Angestellten an, uns eine Erlaubnis zu fälschen. Überall, wo wir hin kämen, sollten wir einen Gruss ausrichten, dann bekämen wir Rabatt. Er erklärte uns, wo es sich lohnt hin zu fahren und wo eher nicht. Zwar dürfe man mit Mietwagen nur auf asphaltierten Strassen unterwegs sein, wir sollen diese Klausel aber getrost vergessen, denn die schönsten Orte seien eh nur auf Pisten zu erreichen.
So brachte Stefan also nach zwei Wochen den Wagen wieder zurück und Zigarre meinte nur: siehst Du, alles glatt gegangen, Auto noch ganz und Grenze problemlos passiert.
Natürlich wollte er auch wissen, wo’s jetzt weiter geht.
Eigentlich hatten wir vor, nach Dangriga zu fahren und von dort aus mit dem Schiff nach Puerto Colon (Honduras) zu übersetzen.
Zigarre meinte dann aber, wir sollten das lieber unterlassen, denn die Städte Puerto Colon, San Pedro Sula und Tegucigalpa sollten wir auf alle Fälle meiden, das seien die einzigen Orte in Mittelamerika, da würde er nicht hin gehen.
Spannend, da hatte uns doch zwei Monate zuvor in Mexiko ein Segler, der die ganz Welt besegelt hat vor 5 Städten gewarnt. Die drei, jetzt von der Zigarre genannten waren prompt auch dabei. Weil wir auch von den „Büsslis“ (aufmerksame Blog Leser kennen die Büsslis aus früheren Blog – Einträgen) hörten, dass Honduras eine Katastrophe gewesen sei und sie auf 120 Kilometern ganze 9 mal von Polizeikontrollen aufgehalten worden sind und die Polizisten dabei jeweils versuchten sie um Geld zu erleichtern, beschlossen wir dieses mühsame Land auszulassen.
Na ja, so einfach ist das dann aber eben nicht, denn alle drei Orte die wir unbedingt meiden sollten lagen ja auf unserem Weg, auch wenn wir den Bus nehmen sollten. Und der absolut schlimmste Ort in ganz Mittelamerika soll ja gerade eben der Busbahnhof von San Pedro Sula sein (wir sollten dann später noch mehr davon vernehmen).
Zigarre meinte, dass er nur eine Möglichkeit sehe und diese sei mit dem Bus über Guatemala (das zwar einen schlechten Ruf habe, aber eigentlich ganz gut zu bereisen sei), dann über El Salvador und Honduras nach Nicaragua zu fahren. Jesses, das würde ja einen unglaublichen Umweg bedeuten. Ja nu.
In Belize City erkundigten wir uns also nach den Verbindungen und siehe da, eine Stunde später sollte ein Bus in Richtung Flores (Guatemala) starten. Wir kauften also das Ticket und hievten eine Stunde später unsere Fahrräder aufs Dach des Busses.
Die ausführliche Beschreibung der Odyssee, die folgte ersparen wir unseren Blog Lesern wohl besser. Wir sassen nun also mehr als 36 Stunden in verschiedenen Bussen und fuhren so zwei ganze Tage und eine ganze Nacht lang in Fahrzeugen die dermassen herunterklimatisiert wurden, dass die Leute Wolldecken brauchten, um bei 16 Grad nicht zu erfrieren, währenddessen draussen tropische Hitze den Asphalt klebrig werden liess.
Irgendwo im Nichts und mitten in der Nacht stiegen vier weitere Reisende aus der Dunkelheit zu. Danny und Daniela aus Deutschland sahen auch schon sehr abgekämpft aus. Sie waren sichtlich froh, zusteigen zu können. In der Folge erzählten sie von ihren Erlebnissen. Tatsächlich kamen die beiden genau aus dem Gebiet, welches wir gerade mühsam umfahren hatten. Nach einigen Schilderungen des Gesehenen waren wir froh, dass wir auf Zigarre gehört hatten. Die beiden machten noch immer einen ziemlich eingeschüchterten Eindruck. Sie erzählten uns, dass der Besitzer des Hotels in Tegucigalpa, in welchem sie abgestiegen waren es unter allen Umständen vermied auch nur einen Meter in dieser Stadt zu Fuss zurück zu legen. Da er auch nie und nimmer einem fremden Taxifahrer vertrauen würde, hätte er und seine ganze Familie immer denselben Fahrer. Auch wenn er nur einige hundert Meter zurücklege, würde er dies nie zu Fuss machen da jeden Tag mehrere Leute in dieser Stadt ermordet würden. Na ja, dann mal gute Nacht. Apropos Nacht: in Selbiger hätten sie andauernd Schüsse gehört und beschlossen, sich am nächsten Tag von ebendiesem Taxifahrer direkt vom Hotel auf den nächsten Bus fahren zu lassen. Ok, wir waren also gut beraten diese drei Städte grossräumig zu umfahren.

Nach 36 Stunden Fahrt und ganzen 43 Stunden ohne Schlaf kamen wir also morgens um halb 2 in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua an. Unser Bus fuhr vor ein gewaltig grosses Eisentor, dass sofort von einem Sicherheitsmann mit Maschinengewehr im Anschlag geöffnet und gleich hinter dem Bus wieder geschlossen wurde.
Alles Gepäck wurde wieder ausgeladen und die Passagiere wurden vom Wachmann einzeln durch das Tor gelassen, wo sie sich draussen auf die wartenden Taxis verteilten. Wir setzten unsere Fahrräder wieder zusammen und befestigten die Taschen. Als wir dann schliesslich nach draussen in die Nacht starten wollten, meinte der Wachmann, dass wir unmöglich jetzt mit unseren Fahrrädern draussen herum fahren könnten, dass sei viel zu gefährlich, er bestelle uns lieber ein Taxi, welches uns zu einem Hotel bringen werde. Jürg fand das zwar schon etwas sehr übertrieben, willigte aber schliesslich ein. Der Taxifahrer lud dann tatsächlich all unser Gepäck und sogar noch das einer weiteren Passagierin, zusammen mit beiden Fahrrädern in und auf den Wagen und fuhr uns durchs absolut menschenleere Managua, vorbei an diversen Hotels. Bei jedem nannte er den Preis. Dieses koste 150 Dolares pro Person und jenes 80, dieses sei schmutzig und jenes zwar günstig, aber nicht sicher undsoweiterundsofort. Schliesslich hielt er vor dem, wie er meinte besten Hotel der Stadt. Na ja, das beste Hotel in Managua dürfte wohl einfach dasjenige sein, welches ihm die beste Provision für einen angekarrten Gast bezahlt.
So kamen wir also, im ärmsten und somit auch günstigsten Land auf unserer Reise zur schlechtesten und gleichzeitig auch teuersten Unterkunft unserer ganzen Reise. Bestimmt bekommt der Wachmann vom Taxifahrer eine Provision für’s Touristen erschrecken und der Taxifahrer vom Hotelbesitzer fürs Ankarren der verängstigten Gäste.
Der Clou aber war dann, dass wir am nächsten Morgen vom Hotel aus in Richtung Granada los fuhren und keine 200 Meter von unserer Unterkunft entfernt den Busbahnhof von gestern Nacht passierten. Elende Schlitzohren, diese Nicaraguaner.
Aber glaubt uns, liebe Blog-Leser, es ist ein Hochgenuss, wieder auf den eigenen Rädern unterwegs zu sein.


P.S Im Belize und Guatemala Album hat es nochmals mehr Bilder von weiteren Höhlenbesuchen etc. gegeben, neu dazu gekommen ist auch das Album für Nicaragua, Costa Rica und Panama.

4 Kommentare:

  1. Hallo Stefan und Jürg

    Zu gerne hätte ich ein Foto von jenem Papagei gesehen, der gerade über der PC-Tastatur das von Euch Befürchtete erledigt. Vielleicht kann der nicht sprechen und wenn er zielgenau die richtigen Tasten trifft ....
    Weiterhin gute und gesunde Fahrt und herzliche Grüsse von Jürgen

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  2. Hey wow! Lange Busfahrt hinter euch! Hauptsache Honduras im Schnelldurchlauf erledigt! Ansonsten hätten die Polizisten dort bestimmt auch solche schönen "Reflectores" an euren Fahrrädern sehen wollen...:-)
    Nicaragua ist angeblich, nach Kanada, das zweit-sicherste Land auf eurer Reise! Also lasst euch nicht einschüchtern... Wir hatten eine tolle Zeit dort!
    Es hat auch noch nicht so viele Gringos wie weiter unten in Costa Rica... Also geniesst es!

    Grüsse aus Panama City!
    die Büsslis

    PS: schön zu lesen dass ihr euch ab und zu auch auf unseren Blog verirren... :-)

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  3. Hallo ihr zwei von 3mitdemvelo!
    Danke für den coolen Blog! Eure Berichte sind für uns gerade sehr nützlich, denn wir starten schon bald unsere VeloReise von Panama nach Canada. Wahrscheinlich wurden wir schon bei euch angekündigt? Jedenfalls kontaktiere ich euch demnächst per Mail, damit wir uns vielleicht sogar irgend wo unterwegs treffen können, was uh lässig wäre!
    Grüsse aus der Schweiz und weiterhin gute Pedalkraft ;-)
    Anina

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  4. Hello Swizz army knifes!

    How are you, Stefan and Juri??
    Hope you are ok.
    Miss to bike with you.

    Where are you know?
    I have seen you pictures, really good.
    Belize looked amazing.

    I am now in Colombia a city called Sincelejo. Took flight from Panama to Cartagena. Cartagena is a very nice city, "historico centro" is maybe the best, better than in Mexico, Granada and in Panama I think.
    I have biked all the way, but will take more bus in South America I think. Through the worst places and "through" the rain. My motivation is very low now, constantly hungry, tired, sweat and wet. Has rained every day the last 3 weeks. It was rain season until november in Costa Rica and Panama, when I was there. And in Colombia they have a really bad weather and lot of nature catastrophe.

    If you have any questions about the route though Costa Rica and Panama, "scream out".
    In Panama, from the city David to Santiago is a distance about 200km, and there is no hotel, motel, hostel or anything, and is much up and down hills all the way. Heavy biking: So you have to find out what to do and where to sleep.

    Take care boys! Good luck!
    Rock on!

    -Kim Tomas

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