Samstag, 27. November 2010

Wasserhöhle

Tag Nummer 138. 

Nähe San Ignacio (bestimmt bereits das 4. San Ignacio auf unserer Reise), morgen um halb 8, wir besteigen einen alten amerikanischen Schulbus. Dieser fährt uns in fast zweistündiger Fahrt über Strassen, die wir niemals für befahrbar gehalten hätten mitten in den Dschungel. Irgendwo im Schlamm steigen wir aus und müssen zu Fuss weiter. Dreimal überqueren wir dabei einen Fluss und stehen jedes Mal bis mindestens zum Bauchnabel im Wasser. Weit und breit sind wenigstens keine Krokodile auszumachen, doch an einer Stelle fangen die Fische plötzlich an, an uns zu knabbern. Nach einer guten Stunde Fussmarsch sind wir da, wo der Fluss entspringt, an einem wirklich sehr Idyllischen Höhleneingang. Durch diesen schwimmen wir mit unserem Guide  Patrick hinein. Dieser führt uns durch eine faszinierend schöne Tropfsteinhöhle. Immer mal wieder müssen wir ein Stück weit schwimmen oder klettern. Nach eineinhalb Stunden kommen wir an einem Ort in diesem unterirdischen Labyrinth an, wo die Mayas einst ihren Göttern Opfer gebracht hatten. Viele Tonkrüge und Scherben und auch einige makabere Relikte zeugen noch immer davon. Da liegen doch tatsächlich nach fast 2000 Jahren noch immer die Überreste der bedauernswerten Opfer in Form von Menschenknochen, Schädeln und ganzen Skeletten. Zwischen diesen Knochen hindurch führt uns unser Guide  und erzählt uns dabei von den Mayas und ihren Opferritualen.
Abgesehen von diesem Faszinosum, sind auch die Tropfsteinformationen atemberaubend. Gut, sind die Temperaturen an diesem Ort nicht so, wie normalerweise in europäischen Höhlen, denn wir verbringen tatsächlich über drei Stunden unter der Erde. Als wir am Schluss wieder ans Tageslicht, mitten hinein in den grünen Dschungel schwimmen ist das ein wirklich erhebendes Gefühl.
Eine Stunde laufen wir wieder zurück und wollen im Bus zurück fahren.
Der Buss will aber nicht und weil unser Fahrer so lange versucht das Ding zu starten, ist irgendwann die Batterie leer.  Ojeee und das bestimmt 30 Kilometer von der Zivilisation entfernt. Als dann der Busfahrer sich zu Fuss davon macht, wird’s schon etwas mulmig.
Irgenwie schafft er es doch tatsächlich von, weiss Gott woher, einen Traktor aufzutreiben und kommt bald mit zwei Bauern und einem Traktor zurück.
So geht’s dann (inzwischen ist’s zappenduster) im Buss, gezogen von einem Traktor weiter. Irgendwann, mit unsäglicher Verspätung aber trotzdem sehr zufrieden kommen wir dann doch noch „zuhause“ an, gerade rechtzeitig zum Nachtessen.

Wie immer gibt es viele neue Bilder im Album Belize und Guatemala .

Reif für die Insel oder Tag Nummer 131 bis 133

Nach 7850 gefahrenen Kilometern sind Ferien von den Ferien angesagt. Nachdem in Belize City Tom zu uns gestossen ist, stellen wir unsere Fahrräder im Hostel unter und lassen uns mit dem Schnellboot von Kapitän Reefes auf eine Insel fahren.
Weit draussen in der Karibik liegt, inmitten eines Korallenriffs die Insel Long Caye. Dort, inmitten von Palmen und Mangroven führen Ruth und Karel eine Tauchbasis.  Tom kommt mit Tauchausrüstung und Stefan und Jürg mit Schnorchel, Flossen und Taucherbrille an. Kaum aus dem Boot gestiegen werden wir zum Ferienmachen verdonnert. Als Jürg sein Gepäck ausladen will, wird er von Karel zurechtgewiesen. „Du hast Ferien, wir transportieren das Gepäck!“ begrüsst ihn dieser und nimmt ihm die Tasche aus der Hand. Aha.
Und so geht es weiter. Nachdem wir die wunderschönen Zimmer bezogen haben, gibt’s schon ein feines Mittagessen (für Jürg sogar Vegetarisch).
Fast noch kauend geht’s dann schon ab aufs Boot. Kathrin und Nigel, zwei weitere Gäste aus Deutschland sind auch mit dabei. Draussen am Korallenriff taucht Karel, zusammen mit Kathrin, Nigel und Tom ab in die Tiefen der Karibik und während Kapitän Reefes auf dem Schiff wartet, schnorcheln Stefan und Jürg zwischen bunten Fischen, ebenso bunten Korallen und einer wunderbaren Unterwasserwelt.
Plötzlich ruft der Kapitän uns beide, wild gestikulierend zu und zeigt aufs Meer hinaus.
Wir sehen grosse Flossen auf uns zu schwimmen.
Jesses, sind das Haie, die da direkt auf uns zusteuern?
Bald sehen wir die Tiere von ganz nah, es sind Delphine, die uns auf einmal umrunden. Wow, das haben wir nicht erwartet. Der Spuk dauert eine Weile und einige der faszinierenden Viecher kommen neugierig ganz nah, als das Schauspiel leider auch bald wieder endet und die Horde weiterzieht. Kurz danach kommen die Taucher wieder an die Oberfläche und können kaum glauben, dass wir bei unserem ersten Tauch- bzw. Schnorchelgang Delphine erleben durften. Sie murmeln etwas von ungerechter Welt und Anfängerglück.
Drei ganze Tage lang sind wir jetzt am Tauchen bzw. Schnorcheln. Am dritten Tag steht das Blue Hole auf dem Programm, eine kreisrunde Unterwasserhöhle von 300 Metern Durchmesser und 130 Metern Tiefe. Jürg schafft es auf fast 20 Meter Tiefe, muss dann aber 110 Meter vor dem Grund aufgeben, um an der Oberfläche wieder Luft zu schnappen.
So geniessen wir drei Tage lang eine faszinierende Unterwasserwelt, sehen Feuerfische und Adlerrochen, Korallen und Baracudas, füttern einen Fischschwarm mit Melonen und überleben einen Krokodilangriff.
Jawohl, als wir nämlich nach unserem letzten Ausflug ins Ressort zurück kommen und wie immer unsere Füsse im dafür vorgesehenen Wassereimer waschen wollen, liegt in diesem ein kleines Krokodil. Als Jürg sich das Tierchen näher anschauen will schnappt es sogleich nach ihm und er bringt in letzter Sekunde (oder eher Bruchteile selbiger) seine Finger wieder in Sicherheit. Ein angriffiges Kerlchen.
Das waren wirklich schöne Tage mit Ruth, Karel, Reefes, Kathrin, Nigel und natürlich Tom.

Dienstag, 23. November 2010

Belize, Rasen als Volkssport

Witzig, wie schnell sich soviel ändert, wenn man die Grenze von Mexiko nach Belize überschreitet. Dasselbe flache Land, wo sich Sumpf, steppenähnliches Grasland, Urwald und Zuckerrohrplantagen abwechseln und doch ist alles etwas anders.
Während man in Mexiko zwar viele braungebrannte, aber kaum je einen Schwarzen sieht, ist hier der Grossteil der Bevölkerung afrikanischstämmig und einziges Land südlich der USA spricht man in Belize wieder englisch.
Bereits an der Grenze war die Veränderung augenscheinlich. Während wir den mexikanischen Zollbeamten, dem wir unsere Pässe durch die schmale Öffnung schoben, in seinem Kabäuschen, vor lauter Glas und Gitter nicht sehen konnten, wurden wir in Belize von zwei fröhlichen, schwarzen Mamas herzlich begrüsst und an einen gutgelaunten Zollbeamten weiter geleitet.  Willkommen in Belize. Wo wir her kämen wollte er wissen und konnte es kaum fassen, dass jemand von Kanada nach Belize radelt. Gute Reise und seid vorsichtig! Machen wir.
Und dann, die  ersten Kilometer in diesem kleinen Land, gerade halb so gross, wie die Schweiz und nicht mal 250'000 Einwohner. Jeder hier scheint ein Fahrrad zu haben. In den Dörfchen und Städtchen, Fahrrad fahrende Menschen überall. Und auch hier, wie zuvor in Mexiko, fast alle winken und grüssen beim Vorüberfahren.
Doch die witzigste Veränderung, die sich wirklich schon wenige Meter nach der mexikanischen Grenze beobachten lässt: Hier hat jeder, aber wirklich jeder einen absolut gepflegten Rasen um sein Haus. Belize gehörte früher zur englischen Kolonie und Queen Elisabeth krönt noch immer die belizischen Dollarnoten. Die Engländer sind gegangen der englische Rasen aber scheint Bestand zu haben. Auf der anderen Seite des Grenzzaunes müsste man wohl tagelang suchen, um auch nur ein Haus mit Rasen zu finden, aber hier steht die armseligste Hütte mit Strohdach wie mitten in einen Golfplatz gepflanzt. Wir sehen sogar Baustellen, wo erst das Fundament und die Seitenwände stehen, der Rasen drumherum aber schon rege gepflegt wird. Na ja, nicht schwer zu erraten, von was wir an den beiden ersten Tagen (am Samstag und Sonntag) hier in Belize geweckt wurden. Richtig, am Samstag von einem Rasenmäher und am Sonntag (morgens um 7, wohlgemerkt) von einem Rasentrimmer. Drei Tage sind wir jetzt in diesem überraschenden Land und wir geniessen die fröhlichen Menschen und die Veränderung. Das muss wohl das sogenannte karibische Flair sein. Einfach hübsch.

Freitag, 12. November 2010

Adios Mexiko

Nach 66 Tagen, 4500 Kilometern, 121 Quesadillas (Jürg), 58 Sincronisadas (Stefan), sowie geschätzten 8800 winkenden Mexikanern und einem Krokodil (dieses natürlich nicht winkend), heisst es jetzt adios Mexiko. Morgen wollen wir die Grenze zu Belize überschreiten und das Land hinter uns lassen, in welchem wir wahrscheinlich bis am Schluss unserer Reise am meisten Kilometer zurückgelegt haben werden.
Wir freuen uns sehr auf Belize, werden Mexiko aber als ungemein freundliches Reiseland in Erinnerung behalten. Wir können Mexiko nur empfehlen. Infrastruktur, Strassen, Hotels, die Leute, allesamt sehr radlerfreundlich. Kein einziges Hotel hatte etwas dagegen einzuwenden, wenn wir jeweils unsere Fahrräder mit aufs Zimmer nahmen. Die Automobilisten nehmen sehr grosse Rücksicht auf Fahrradfahrer, fahren mit genügend Abstand und sehr oft hupen sie ganz kurz vor dem Überholen und viele schalten sogar die Warnblinkanlage ein, sobald sie einen Fahrradfahrer sehen. Grundsätzlich gilt: je grösser der Wagen, umso mehr Abstand. Besonders die Trucker sind genial, denn diese wechseln sogar meist auf die Gegenfahrbahn, um dem Fahrradfahrer auf keinen Fall zu nahe zu kommen.
Bevor wir die Grenze USA - Mexiko überschritten, warnten uns viele Amerikaner vor diesem gefährlichen Land.
Täglich lasen wir denn auch in den Nachrichten vom tobenden Drogenkrieg in Mexiko, von zahlreichen Toten und einem vollkommen hilflosen Staat. Doch als Reisende bekommt man davon nicht viel mit. Ausser vielleicht einmal eine mitternächtliche Kontrolle im Hotel und täglich einigen Strassensperren, durch welche wir aber als Fahrradfahrer ausnahmslos durchgewinkt wurden.
Auch punkto Kosten, lässt sich als Europäer hier gut reisen. Die günstigste Hotelübernachtung war gerade mal 150 Peso (12 Franken 50) und die teuerste 700 Peso (59 Franken), für jeweils zwei bzw. drei Personen. Im Schnitt benötigten wir pro Person 35.- am Tag ohne speziell zu sparen.

Na ja, wo wir etwas Mühe hatten, war das Essen. Die traditionelle Küche hat keine grosse Abwechslung zu bieten und für Vegetarier ist sie schlichtweg der Horror. Auf jeder Karte stehen dieselben Menus und diese bestehen zumeist aus den langweiligen Teigfladen, mit ebenso uninteressanter Füllung. Na ja, da wussten wir uns meist zu helfen (wenn wir keinen Italiener fanden), indem wir einfach selber etwas zusammen brutzelten, denn Zutaten waren immer und in grosser Auswahl in den Supermärkten zu finden. Auch im kleinsten Dörfchen hat es mindestens einen Händler mit grosser Gemüse- und Früchteauswahl. Vegetarier Achtung! Gemüsebouillon unbedingt von zuhause mitbringen. Gut hat Jürg diese kiloweise gebunkert.

Vielleicht auch nicht ganz unwichtig, was uns am besten gefallen hat:
Als Stadt: San Luis Potosi (mit den vielen, schönen Kolonialbauten)
Als Strecke: von Mazatlan nach Durango (sehr schön, aber auch sehr steil)
Als Begegnung (Mensch): Luis aus San Luis (der doch tatsächlich als Veganer in Mexiko überlebt)
Als Begegnung (Tier): Das Krokodil am Strassenrand (vollkommen unerwartet und überraschend)
Kulinarisch: der Italiener in Ciudad del Carmen (Restaurant Il Giglio)
Kulturell: Ruinenstädte Becan (wo wir ganz alleine, in einer Ruinenstadt im Dschungel waren)
Allgemein: dass in Mexiko jedes Hotel, jedes Restaurant und alle öffentlichen Gebäude rauchfrei sind (und das Rauchverbot tatsächlich von allen eingehalten wird)

Was uns nicht gefallen hat:
Die elenden Topes (Verkehrsberuhigende Schwellen, die einen Fahrradfahrer manchmal fast vom Rad werfen)
Kulinarisch: die phantasielose mexikanische Küche
Gruusig: die vielen toten und penetrant stinkenden Tiere am Strassenrand
Akustisch: die ohrenbetäubende Disco-Beschallung in manchen Läden


Qusadillas     = langweiliger Käse in einem Teigfladen (meist etwas warm)
Sincronisadas    = langweiliger Käse, zusammen mit Schinken in einem Teigfladen

Freitag, 5. November 2010

Bye, Bye Kim

Als wir in La Paz auf die Fähre warteten, die uns nach Mazatlan bringen sollte, kam er angefahren, Kim. Da wussten wir noch nicht, dass wir ab da über einen Monat gemeinsam mir ihm durch halb Mexiko radeln würden.
Es war ein Spontanentscheid von Kim uns zu begleiten, denn eigentlich hatte er vor, der mexikanischen Westküste entlang zu fahren. Da war es aber dermassen schwülheiss, dass die Berge und vielleicht auch die Aussicht ein Stück weit nicht alleine fahren zu müssen ihn dazu bewogen mit uns ins Landesinnere zu radeln. Erstaunlich wie gut das gemeinsame radeln und leben auf Anhieb klappte. Er, Kind von südkoreanischen Eltern, aufgewachsen in Oslo, 31 Jahre alt hatte beschlossen eine Fahrradtour zu machen. Wohlgemerkt, die erste Fahrradtour in seinem Leben solle ihn von San Francisco nach Chile bringen. Unglaublich mutig, aber auch ziemlich unvorbereitet. Na ja irgendwie sollte und wird es vermutlich funktionieren. Von Mazatlan fuhren wir mit Kim 32 Tage, bis zwei Tage über Veracruz hinaus. Eigentlich hatte Kim vor, schon viel früher in Richtung Guatemala abzubiegen. Da er sein Rückflugticket auf Ende April von Santiago de Chile aus gebucht hat konnte und wollte er  den Umweg über Belize nicht machen. Nach Veracruz war dann die letzte Gelegenheit. Irgendwo auf der Strasse kurz vor Acayucan verabschiedeten wir uns.
Wir hoffen, dass Kim sein Ziel ohne Probleme schafft oder sich zumindest Hilfe organisieren kann wenn mal wieder etwas an seinem Fahrrad kaputt geht. Na ja und wer weiss, vielleicht treffen wir nochmals zusammen und fahren nochmals ein Stück gemeinsam. Seine Mail- und Blogadresse haben wir ja. Ach ja, wenn es jemanden interessiert: http://www.toilsweatandjoy.blogspot.com/  

Viel Glück Kim und hoffentlich sehen wir uns mal wieder!

Mittwoch, 3. November 2010

Wer liest eigentlich unseren Blog? / Who is reading our blog? / ¿Quién lee nuestro blog?

Vor ziemlich genau 2 Wochen hatte ich eine echte „Reisekrise“ und überlegte mir ernsthaft, die Tour frühzeitig zu beenden. Ich hatte ich Schnauze  voll vom immer gleichen Essen, der immer gleichen Landschaft, dem immer gleichen Reisepartner, dem immer gleichen Velo, den immer gleichen Fragen der Leute  etc. etc………..
Just in diesen unsicheren Stunden erhielt ich völlig unerwartet auf einen meiner Blogeinträge einen Kommentar der (mit)entscheidend war, damit ich schlussendlich die nötige Motivation wieder fand und mittlerweilen wieder voll bei der Sache bin (danke Hansruedi!) .


Warum ich den Titel „Wer liest eigentlich unseren Blog?“ gewählt habe ist aber auch deswegen, weil ich heute die Zugriffsstatistiken mal etwas genauer angesehen habe.

Zugriffe im letzten Monat: knapp 700 (seit Beginn gut 2600)
Länder aus denen die Zugriffe stammen: Schweiz, Mexico, Niederlande, Kanada, Guatemala, Costa Rica, USA, Griechenland, Belize.

Aha, interessant. Wir haben ein nicht so kleines, internationales Publikum, das jedoch mehrheitlich schweigt. Dabei erfahren wir über andere Kanäle wie emails, (zum Teil sehr ausführlich) oder Telefon immer wieder dass dieser und jene eben auf unserem Blog war und die verschiedenen Einträge und Bilder spannend fand. Bei gewissen Ländern können wir uns ausdenken wer „hinter den Zugriffen“ steckt, bei anderen sind wir ebenfalls neugierig, haben aber keine Ahnung wer das wohl sein könnte.
Die verschiedenen Artikel für den Blog schreiben und die Bilder knipsen, sortieren, hoch laden und kommentieren macht eigentlich immer Spass; es ist aber auch recht viel Arbeit für die manchmal erst spät abends, oft nach einem 100km Tag, wenn das Hotel gefunden worden ist und wir geduscht und gegessen haben noch Zeit gefunden werden muss, auch wenn wir lieber einfach nur noch im (klimatisierten) Zimmer „rumhängen“ würden.

Mit diesen beiden Episoden möchte ich rüberbringen, dass wir uns über Kommentare sehr freuen würden und im obigen Fall für mich auch „Tour rettend“ war.

Also, ran an die Tasten. Nur keine Scheu, es sollen ja nicht Romane geschrieben werden, auch ein 2-Zeiler freut uns. Kommentare schreiben geht so einfach wie 1-2-3

1.    Unter jedem Blogeintrag hat es den Link „Kommentare“. Dort drauf klicken.
2.    Den Kommentar schreiben und im Feld „Kommentar schreiben als:“ Name/ URL auswählen. Dort danach den Namen eingeben. Das Feld URL kann leer bleiben.
3.    Auf den Knopf „Kommentar erstellen“ klicken, fertig!



Ich hoffe ihr versteht diesen Blogeintrag nicht als ultimative Aufforderung/ Befehl um sich gleich wie wild an den PC zu setzen. Wenn euch spontan beim Lesen (vielleicht von diesem Beitrag) was einfällt was ihr uns gerne mitteilen wollt, dann nutzt doch Kommentarfunktion. Dann haben die anderen Leser auch was davon und lassen sich vielleicht anstecken, besser als wenn ihr uns direkt ein email schreibt (über das wir uns natürlich auch freuen). Jürg „geniert“ sich natürlich ein wenig und würde so einen Aufruf nie und nimmer in den Blog schreiben, freuen wird er sich über die Kommentare trotzdem, da bin ich mir sicher.

San Luis Potosi – Veracruz – Ciudad el Carmen

Seit wir von San Luis Potosi losgefahren sind (jetzt ca. 2 Wochen her, gut 1100km) sind wir grob gesagt in südöstlicher Richtung von den Bergen hinunter ans Meer gefahren wo wir jetzt mehr oder weniger der Küste entlangfahren. Das Wetter ist immer noch sehr schön, (leider) auch wieder sehr heiss (meistens so um die 30-35 Grad) und sehr feucht. Da hat uns das von den Mexicanern empfundene so kalte Klima in den Bergen mehr Freude bereitet. Aber egal, es soll ja schliesslich südwärts gehen, da erwarten uns noch andere Temperaturen, speziell in Mittelamerika. Die Landschaft war in den letzten Wochen nicht mehr so spektakulär wie in den Bergen, daher gibt es auch nicht soviel dazu zu  erzählen. Klar, es ist alles wieder grün, die Flüsse voll Wasser und die Geräusche aus dem (Ur) Wald der verschiedenen Tiere sind eindrücklich. Trotzdem, so schön wie es in den Bergen war, ist es halt nicht mehr.
Dafür haben wir euch ein paar Geschichten die neben den Strassen passierten auf Lager.

Achja, fast hätte ich es vergessen: Neue Bilder gibts jede Menge, zu finden wie immer im Album Mexico

Strassen, die einfach irgendwo enden

In den letzten Tagen sind wir nun mehrfach, fast fassungslos vor einem Abgrund gestanden, wo eigentlich eine Strasse hätte sein sollen.
Das eine Mal freuten wir uns schon viele Kilometer vorher über den bescheidenen Verkehr. Na ja, eigentlich hätte es uns auch stutzig machen können, wenn plötzlich der Gegenverkehr vollkommen fehlt.  Auf  einmal irgendwo in der Pampa, sahen wir schon von Weitem einen ziemlich grossen Menschenauflauf. Leute stiegen aus Bussen aus und wanderten mit Sack und Pack zu Fuss weiter, an einer langen Autokolonne vorbei. Da  hatte es bereits Händler, die versuchten ihre Nüsse und Getränke zu verkaufen und alle motorisierten Wartenden schienen sich auf eine längere Wartezeit einzustellen, denn da wurde gegessen und diskutiert. Na ja, diesmal hatten wir mit unseren Fahrrädern natürlich einen immensen Vorteil und konnten an den Autos und Lastwagen vorbei fahren. Doch dann war plötzlich auch für uns Schluss. Da hatte es in der Nacht doch tatsächlich auf einigen Metern die Strasse weggeschwemmt. Der Polizist, der zuvorderst am Abgrund stand, meinte, das wäre der Hurican in der Nacht gewesen. Unglaublich, wir waren so müde, dass wir doch tatsächlich einen Hurican verschlafen hatten. Ein Bagger war damit beschäftigt eine Behelfslösung zu konstruieren. Der Polizeibeamte meinte, das würde aber bestimmt noch Stunden dauern. Für uns sah das Ganze eher nach einer Arbeit für Tage aus, denn da fehlte dermassen viel Material und die Lastwagen, welche das Kies brachten kamen ja auch kaum durch. So beschlossen wir es irgendwie durch den Fluss zu versuchen. Zu Fuss machten das auch andere Leute, aber für uns und unsere Fahrräder war der Fluss an dieser Stelle zu tief und hatte auch zuviel Strömung. Als der Bagger dann die Seite wechselte und durch den Fluss fuhr, sahen wir eine Möglichkeit im veränderten Flussbett und so stiessen wir unsere Fahrräder durch den Morast und durch den Fluss auf die andere Seite. Dort mussten wir dann noch durch ein Stück Wald (und das mit ca. 70 Kilo schweren Velos) und schliesslich standen wir auf der gegenüber liegenden Seite. Wow genial, jetzt konnten wir stundenlang fahren, ohne auch nur einmal überholt zu werden. Irgendwie hat so ein totaler Verkehrsstau auch seine positiven Seiten.

Zwei Tage später stehen wir erneut vor einer Strasse, die diesmal nicht im Nichts, sondern im Meer endet. Unglaublich, denn diese Strasse ist bei Kims Karte eingezeichnet und auch in Stefans GPS kein Problem. Da sie aber sowohl in Jürgs Karte, als auch im Google Maps fehlt, sind wir skeptisch und fragen nach, ehe wir den Weg in Richtung La Venta einschlagen. Na ja, der Leser denkt jetzt vielleicht: ist ja kein Problem, wenn eine Strasse nicht durchgehend ist, kann man ja umkehren. Ja, kann man. Wenn man aber dann zwei Tage Radelleistung wieder zurück muss, also insgesamt vier Tage lang für nichts strampelt und dann erst noch wieder am selben Ort steht, dann ist das gelinde gesagt, nicht eben erbauend. Auf unsere Frage wird geantwortet, ja natürlich, diese Strasse gibt es. Also schlagen wir den Weg in Richtung La Venta ein. Skeptisch, wie wir sind, fragen wir dann nochmals in La Venta an einer Polizeistation nach. Antwort: ja, klar da hat es eine Strasse von Sanchez Magallanes nach Tupilco. Ok, wir sind beruhigt. Nach eineinhalb Tagen Fahrt sind wir schliesslich in Sanchez Magallanes und vielleicht sagt es Etwas über unser Vertrauen in mexikanische Auskünfte aus, wenn wir jetzt schreiben, dass wir am Dorfausgang von Sanchez Magallanes nochmals bei einem Fahrradmechaniker fragen, ob die Strasse, dem Meer entlang nach Tupilco denn abierto (geöffnet) sei. Ja, klar, alles hier geradeaus geht’s nach Tupilco.
Kaum aus Sanchez Magallanes raus wird Jürg misstrauisch und meint, es scheine ihm doch etwas sehr wenig Gegenverkehr zu haben. Wenig ist stark untertrieben, denn es kommt gar kein Verkehr mehr entgegen.
Nach weiteren zwei Stunden ohne Verkehr stehen wir wieder mal am Abgrund. Die Strasse endet im Meer. Ein wirklich unpassierbar scheinender Sandweg führt hinein in die Palmen. Wir wollen auf keinen Fall zurück, also schlagen wir diesen Weg ein. Lieber Leser, bitte versuche doch mal durch einen Sandhaufen zu fahren und das selbst ohne Gepäck. Du wirst elendiglich stecken bleiben. Und rate, was wir taten…. Genau. Nun denkt man in solchen Situationen positiv und geht davon aus, dass der Weg nur kurz durch die Palmen führt um dann wieder auf die Strasse einzuschwenken. Aus dem Kurz wird dann aber Eeeeewig, Stundenlang und als Bonus hat’s da alle paar Kilometer Wegelagerer, die den Weg mit Seilen und Ketten versperren (und das irgendwo, im Nirgendwo) und einen Wegzoll für diese elende Sandpiste eintreiben wollen da die umgeleitete Piste durch ihr Grundstück führt. Na ja, zumindest bei allfälligen Autos. Uns lassen alle ohne Obolus passieren. Jedesmal, wenn wir uns freuen, dass die Strasse wieder asphaltiert ist, dauert’s nur grad einige wenige hundert Meter und wir stehen schieben und fluchen wieder im Sand. Aber klar, die Strasse ist abierto, nöö, kein Problem. Mexikanische Auskünfte sind vollkommen wertlos, da muss man gar nicht erst fragen.

Staatsgewalt will Erfrischung

Also, der Hammer, da kommen wir aus dem Supermarkt in Lerdo de Tejada und wollen zurück um im Hotel einen Gemüseeintopf zubereiten, als uns zwei Polizeibeamte (wieder mal mit Maschinengewehren im Anschlag) zu sich winken. Da fragt der eine Polizeibeamte doch tatsächlich, ob wir ihm eine Refresco (Erfrischung) spendieren würden. Kaum zu glauben so was, der will doch tatsächlich eine Cola von uns. Da ist er aber an die Falschen geraten. Nein, winken wir ab, keine Refresco für den Polizeibeamten. Buonas Dias Senor.

Wecker in Highheels

Tag, bzw. Nacht Nummer 92 . Wir sind wieder mal nahezu 100 Kilometer gefahren und ziemlich müde, als wir kurz am Strassenrand Halt machen und beschliessen, für einmal nicht ins Ortszentrum (in diesem Fall Fresnillo) zu fahren, sondern ein Motel zu suchen, wo wir ebenerdig hinein fahren können.
Kurz, nachdem wir das beschlossen haben, taucht links an der Strasse ein Motel auf „Auto Hotel Oassis“  lesen wir und fahren hinein.
Dann kommen wir an einen Schlagbaum und durch eine Gegensprechanlage fragt uns eine Dame, was wir suchen.
Na ja, was wohl? Ein Zimmer vielleicht? 450 Peso kostet es (das sind etwa 35 Franken). Stefan fragt, ob er das Zimmer mal sehen könne. Ok, kann er. Eine Dame in goldenen Stöckelschuhen, so hochhackig, dass sie diese garantiert nirgends ausserhalb dieses Hotels in Mexiko tragen kann, kommt und holt ihn ab.
Derweil warten Kim und Jürg draussen.
Als Stefan wieder zurück kommt und meint, das Zimmer sei der Hammer, da hätte es zwar nur ein Bett, aber dieses sei zweimal so gross, wie unser Zelt (immerhin ein Vierzelt), findet
Jürg (zum ersten Mal auf der ganzen Reise), ihm passe dieses Hotel nicht, er würde ein Anderes suchen. Er kann zwar auch nicht erklären warum, aber irgendwie scheint es ihm suspekt. Die komische Gegensprechanlage, jedes Zimmer hat eine eigene Autogarage und auch sonst ist alles dermassen gepützelt, wie sonst im ganzen Land an keinem anderen Ort. Komisch.
Na ja, als dann aber auch Kim begeistert ist, willigt er ein, das Zimmer zu nehmen.
Wie wir dann das Zimmer beziehen liegt auf dem Tisch eine Menukarte. Wow, eigentlich wollten wir ja selber etwas Feines kochen, aber mal sehen, was wir da so alles bestellen könnten.
Ein Blick in die Karte….ups, anstelle von Hamburgessas und Tortillas sind da Dildos, Vibratoren, Kondome in allen Farb- und Geschmacksrichtungen, Peitschen und Gummikleider aufgeführt. Ui, wo sind wir denn da gelandet? Über dem Bett bemerken wir ein Hygienetuchspender. Als Jürg den Fernseher andreht, sind auf allen Sendern dieselbe Art Filme zu sehen. Ratet mal, wasfürwelche……
Nun, zumindest die Dusche funktioniert tiptop, also duschen wir alle (einzeln natürlich, obwohl ein Pferd in der Dusche Platz gefunden hätte) und waschen unsere Kleider. Diese hängen wir zum trocknen an ein Seil in die Garage. Wir hängen das Wäscheseil so zwischen dem Garagentor und unserer Türe auf, dass wir auf gar keinen Fall die Toröffnung drücken dürfen, ehe das Seil wieder abgehängt ist. Stefan und Jürg schärfen Kim ein, unbedingt die Türe und nicht das Garagentor zu benützen.
Danach kochen wir auf dem blitzblanken Boden der Garage Spaghettis.
Nach 100 Kilometern Fahrradfahren brauchen wir dann weder eine Gutenachtgeschichte, noch eine Schlaftablette und schlafen bald auf dem Riesenbett ein.
Morgens um halb 6 werden wir dann jäh aus dem Schlaf gerissen, als das Telefon läutet. Wir beschliessen dieses zu ignorieren, denn wer würde uns denn hier erreichen wollen?
Kaum wieder eingeschlafen wachen wir erneut auf, als wir „oh Schreck!“ hören, dass sich das Garagentor öffnet. Jesses, unsere Wäscheleine. Stefan und Jürg hechten nach draussen in die Garage und Stefan unter den ächzenden Garagentor hindurch. Jürg beobachtet die Szene vom Innern der Garage aus. Da das Tor nur grad einen halben Meter aufgegangen ist, sieht er nur  zwei nackte Füsse neben zwei knallroten Stöckelschuhen. Eine quitschende Damenstimme teilt Stefan mit, dass die 12 Stunden um seien. Er erklärt ihr, wir hätten mit der Dame vom Vorabend abgemacht, das Zimmer bis 12 Uhr zu verlassen.
Widerwillig zieht sich die Dame wieder zurück und das Garagentor lässt sich gottlob wieder schliessen.
Ojje, also schnell wieder zurück ins Bett. Na ja, die gute restliche Nachtruhe dauert dann nicht mehr lange, denn schliesslich kommen die roten Stöckel, unterstützt durch die Goldenen wieder zurück und erklären nun gemeinsam, dass 12 Stunden um seien und wir entweder nochmals 450 Peso zu zahlen hätten oder dann das Zimmer sofort räumen müssten.
Ok, wir haben die Nase voll und packen unsere Sachen. So früh, wie in Fresnillo sind wir noch nie gestartet.
Ab jetzt wollen wir jeweils schon vor dem Beziehen des Zimmers abmachen, für wie lange wir bleiben können.
Das Autohotel Oasis in Fresnillo können wir also nicht wirklich weiter empfehlen, der Weckdienst ist definitiv zu nervig.