Mittwoch, 3. November 2010

Wecker in Highheels

Tag, bzw. Nacht Nummer 92 . Wir sind wieder mal nahezu 100 Kilometer gefahren und ziemlich müde, als wir kurz am Strassenrand Halt machen und beschliessen, für einmal nicht ins Ortszentrum (in diesem Fall Fresnillo) zu fahren, sondern ein Motel zu suchen, wo wir ebenerdig hinein fahren können.
Kurz, nachdem wir das beschlossen haben, taucht links an der Strasse ein Motel auf „Auto Hotel Oassis“  lesen wir und fahren hinein.
Dann kommen wir an einen Schlagbaum und durch eine Gegensprechanlage fragt uns eine Dame, was wir suchen.
Na ja, was wohl? Ein Zimmer vielleicht? 450 Peso kostet es (das sind etwa 35 Franken). Stefan fragt, ob er das Zimmer mal sehen könne. Ok, kann er. Eine Dame in goldenen Stöckelschuhen, so hochhackig, dass sie diese garantiert nirgends ausserhalb dieses Hotels in Mexiko tragen kann, kommt und holt ihn ab.
Derweil warten Kim und Jürg draussen.
Als Stefan wieder zurück kommt und meint, das Zimmer sei der Hammer, da hätte es zwar nur ein Bett, aber dieses sei zweimal so gross, wie unser Zelt (immerhin ein Vierzelt), findet
Jürg (zum ersten Mal auf der ganzen Reise), ihm passe dieses Hotel nicht, er würde ein Anderes suchen. Er kann zwar auch nicht erklären warum, aber irgendwie scheint es ihm suspekt. Die komische Gegensprechanlage, jedes Zimmer hat eine eigene Autogarage und auch sonst ist alles dermassen gepützelt, wie sonst im ganzen Land an keinem anderen Ort. Komisch.
Na ja, als dann aber auch Kim begeistert ist, willigt er ein, das Zimmer zu nehmen.
Wie wir dann das Zimmer beziehen liegt auf dem Tisch eine Menukarte. Wow, eigentlich wollten wir ja selber etwas Feines kochen, aber mal sehen, was wir da so alles bestellen könnten.
Ein Blick in die Karte….ups, anstelle von Hamburgessas und Tortillas sind da Dildos, Vibratoren, Kondome in allen Farb- und Geschmacksrichtungen, Peitschen und Gummikleider aufgeführt. Ui, wo sind wir denn da gelandet? Über dem Bett bemerken wir ein Hygienetuchspender. Als Jürg den Fernseher andreht, sind auf allen Sendern dieselbe Art Filme zu sehen. Ratet mal, wasfürwelche……
Nun, zumindest die Dusche funktioniert tiptop, also duschen wir alle (einzeln natürlich, obwohl ein Pferd in der Dusche Platz gefunden hätte) und waschen unsere Kleider. Diese hängen wir zum trocknen an ein Seil in die Garage. Wir hängen das Wäscheseil so zwischen dem Garagentor und unserer Türe auf, dass wir auf gar keinen Fall die Toröffnung drücken dürfen, ehe das Seil wieder abgehängt ist. Stefan und Jürg schärfen Kim ein, unbedingt die Türe und nicht das Garagentor zu benützen.
Danach kochen wir auf dem blitzblanken Boden der Garage Spaghettis.
Nach 100 Kilometern Fahrradfahren brauchen wir dann weder eine Gutenachtgeschichte, noch eine Schlaftablette und schlafen bald auf dem Riesenbett ein.
Morgens um halb 6 werden wir dann jäh aus dem Schlaf gerissen, als das Telefon läutet. Wir beschliessen dieses zu ignorieren, denn wer würde uns denn hier erreichen wollen?
Kaum wieder eingeschlafen wachen wir erneut auf, als wir „oh Schreck!“ hören, dass sich das Garagentor öffnet. Jesses, unsere Wäscheleine. Stefan und Jürg hechten nach draussen in die Garage und Stefan unter den ächzenden Garagentor hindurch. Jürg beobachtet die Szene vom Innern der Garage aus. Da das Tor nur grad einen halben Meter aufgegangen ist, sieht er nur  zwei nackte Füsse neben zwei knallroten Stöckelschuhen. Eine quitschende Damenstimme teilt Stefan mit, dass die 12 Stunden um seien. Er erklärt ihr, wir hätten mit der Dame vom Vorabend abgemacht, das Zimmer bis 12 Uhr zu verlassen.
Widerwillig zieht sich die Dame wieder zurück und das Garagentor lässt sich gottlob wieder schliessen.
Ojje, also schnell wieder zurück ins Bett. Na ja, die gute restliche Nachtruhe dauert dann nicht mehr lange, denn schliesslich kommen die roten Stöckel, unterstützt durch die Goldenen wieder zurück und erklären nun gemeinsam, dass 12 Stunden um seien und wir entweder nochmals 450 Peso zu zahlen hätten oder dann das Zimmer sofort räumen müssten.
Ok, wir haben die Nase voll und packen unsere Sachen. So früh, wie in Fresnillo sind wir noch nie gestartet.
Ab jetzt wollen wir jeweils schon vor dem Beziehen des Zimmers abmachen, für wie lange wir bleiben können.
Das Autohotel Oasis in Fresnillo können wir also nicht wirklich weiter empfehlen, der Weckdienst ist definitiv zu nervig.

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