Freitag, 5. November 2010

Bye, Bye Kim

Als wir in La Paz auf die Fähre warteten, die uns nach Mazatlan bringen sollte, kam er angefahren, Kim. Da wussten wir noch nicht, dass wir ab da über einen Monat gemeinsam mir ihm durch halb Mexiko radeln würden.
Es war ein Spontanentscheid von Kim uns zu begleiten, denn eigentlich hatte er vor, der mexikanischen Westküste entlang zu fahren. Da war es aber dermassen schwülheiss, dass die Berge und vielleicht auch die Aussicht ein Stück weit nicht alleine fahren zu müssen ihn dazu bewogen mit uns ins Landesinnere zu radeln. Erstaunlich wie gut das gemeinsame radeln und leben auf Anhieb klappte. Er, Kind von südkoreanischen Eltern, aufgewachsen in Oslo, 31 Jahre alt hatte beschlossen eine Fahrradtour zu machen. Wohlgemerkt, die erste Fahrradtour in seinem Leben solle ihn von San Francisco nach Chile bringen. Unglaublich mutig, aber auch ziemlich unvorbereitet. Na ja irgendwie sollte und wird es vermutlich funktionieren. Von Mazatlan fuhren wir mit Kim 32 Tage, bis zwei Tage über Veracruz hinaus. Eigentlich hatte Kim vor, schon viel früher in Richtung Guatemala abzubiegen. Da er sein Rückflugticket auf Ende April von Santiago de Chile aus gebucht hat konnte und wollte er  den Umweg über Belize nicht machen. Nach Veracruz war dann die letzte Gelegenheit. Irgendwo auf der Strasse kurz vor Acayucan verabschiedeten wir uns.
Wir hoffen, dass Kim sein Ziel ohne Probleme schafft oder sich zumindest Hilfe organisieren kann wenn mal wieder etwas an seinem Fahrrad kaputt geht. Na ja und wer weiss, vielleicht treffen wir nochmals zusammen und fahren nochmals ein Stück gemeinsam. Seine Mail- und Blogadresse haben wir ja. Ach ja, wenn es jemanden interessiert: http://www.toilsweatandjoy.blogspot.com/  

Viel Glück Kim und hoffentlich sehen wir uns mal wieder!

Mittwoch, 3. November 2010

Wer liest eigentlich unseren Blog? / Who is reading our blog? / ¿Quién lee nuestro blog?

Vor ziemlich genau 2 Wochen hatte ich eine echte „Reisekrise“ und überlegte mir ernsthaft, die Tour frühzeitig zu beenden. Ich hatte ich Schnauze  voll vom immer gleichen Essen, der immer gleichen Landschaft, dem immer gleichen Reisepartner, dem immer gleichen Velo, den immer gleichen Fragen der Leute  etc. etc………..
Just in diesen unsicheren Stunden erhielt ich völlig unerwartet auf einen meiner Blogeinträge einen Kommentar der (mit)entscheidend war, damit ich schlussendlich die nötige Motivation wieder fand und mittlerweilen wieder voll bei der Sache bin (danke Hansruedi!) .


Warum ich den Titel „Wer liest eigentlich unseren Blog?“ gewählt habe ist aber auch deswegen, weil ich heute die Zugriffsstatistiken mal etwas genauer angesehen habe.

Zugriffe im letzten Monat: knapp 700 (seit Beginn gut 2600)
Länder aus denen die Zugriffe stammen: Schweiz, Mexico, Niederlande, Kanada, Guatemala, Costa Rica, USA, Griechenland, Belize.

Aha, interessant. Wir haben ein nicht so kleines, internationales Publikum, das jedoch mehrheitlich schweigt. Dabei erfahren wir über andere Kanäle wie emails, (zum Teil sehr ausführlich) oder Telefon immer wieder dass dieser und jene eben auf unserem Blog war und die verschiedenen Einträge und Bilder spannend fand. Bei gewissen Ländern können wir uns ausdenken wer „hinter den Zugriffen“ steckt, bei anderen sind wir ebenfalls neugierig, haben aber keine Ahnung wer das wohl sein könnte.
Die verschiedenen Artikel für den Blog schreiben und die Bilder knipsen, sortieren, hoch laden und kommentieren macht eigentlich immer Spass; es ist aber auch recht viel Arbeit für die manchmal erst spät abends, oft nach einem 100km Tag, wenn das Hotel gefunden worden ist und wir geduscht und gegessen haben noch Zeit gefunden werden muss, auch wenn wir lieber einfach nur noch im (klimatisierten) Zimmer „rumhängen“ würden.

Mit diesen beiden Episoden möchte ich rüberbringen, dass wir uns über Kommentare sehr freuen würden und im obigen Fall für mich auch „Tour rettend“ war.

Also, ran an die Tasten. Nur keine Scheu, es sollen ja nicht Romane geschrieben werden, auch ein 2-Zeiler freut uns. Kommentare schreiben geht so einfach wie 1-2-3

1.    Unter jedem Blogeintrag hat es den Link „Kommentare“. Dort drauf klicken.
2.    Den Kommentar schreiben und im Feld „Kommentar schreiben als:“ Name/ URL auswählen. Dort danach den Namen eingeben. Das Feld URL kann leer bleiben.
3.    Auf den Knopf „Kommentar erstellen“ klicken, fertig!



Ich hoffe ihr versteht diesen Blogeintrag nicht als ultimative Aufforderung/ Befehl um sich gleich wie wild an den PC zu setzen. Wenn euch spontan beim Lesen (vielleicht von diesem Beitrag) was einfällt was ihr uns gerne mitteilen wollt, dann nutzt doch Kommentarfunktion. Dann haben die anderen Leser auch was davon und lassen sich vielleicht anstecken, besser als wenn ihr uns direkt ein email schreibt (über das wir uns natürlich auch freuen). Jürg „geniert“ sich natürlich ein wenig und würde so einen Aufruf nie und nimmer in den Blog schreiben, freuen wird er sich über die Kommentare trotzdem, da bin ich mir sicher.

San Luis Potosi – Veracruz – Ciudad el Carmen

Seit wir von San Luis Potosi losgefahren sind (jetzt ca. 2 Wochen her, gut 1100km) sind wir grob gesagt in südöstlicher Richtung von den Bergen hinunter ans Meer gefahren wo wir jetzt mehr oder weniger der Küste entlangfahren. Das Wetter ist immer noch sehr schön, (leider) auch wieder sehr heiss (meistens so um die 30-35 Grad) und sehr feucht. Da hat uns das von den Mexicanern empfundene so kalte Klima in den Bergen mehr Freude bereitet. Aber egal, es soll ja schliesslich südwärts gehen, da erwarten uns noch andere Temperaturen, speziell in Mittelamerika. Die Landschaft war in den letzten Wochen nicht mehr so spektakulär wie in den Bergen, daher gibt es auch nicht soviel dazu zu  erzählen. Klar, es ist alles wieder grün, die Flüsse voll Wasser und die Geräusche aus dem (Ur) Wald der verschiedenen Tiere sind eindrücklich. Trotzdem, so schön wie es in den Bergen war, ist es halt nicht mehr.
Dafür haben wir euch ein paar Geschichten die neben den Strassen passierten auf Lager.

Achja, fast hätte ich es vergessen: Neue Bilder gibts jede Menge, zu finden wie immer im Album Mexico

Strassen, die einfach irgendwo enden

In den letzten Tagen sind wir nun mehrfach, fast fassungslos vor einem Abgrund gestanden, wo eigentlich eine Strasse hätte sein sollen.
Das eine Mal freuten wir uns schon viele Kilometer vorher über den bescheidenen Verkehr. Na ja, eigentlich hätte es uns auch stutzig machen können, wenn plötzlich der Gegenverkehr vollkommen fehlt.  Auf  einmal irgendwo in der Pampa, sahen wir schon von Weitem einen ziemlich grossen Menschenauflauf. Leute stiegen aus Bussen aus und wanderten mit Sack und Pack zu Fuss weiter, an einer langen Autokolonne vorbei. Da  hatte es bereits Händler, die versuchten ihre Nüsse und Getränke zu verkaufen und alle motorisierten Wartenden schienen sich auf eine längere Wartezeit einzustellen, denn da wurde gegessen und diskutiert. Na ja, diesmal hatten wir mit unseren Fahrrädern natürlich einen immensen Vorteil und konnten an den Autos und Lastwagen vorbei fahren. Doch dann war plötzlich auch für uns Schluss. Da hatte es in der Nacht doch tatsächlich auf einigen Metern die Strasse weggeschwemmt. Der Polizist, der zuvorderst am Abgrund stand, meinte, das wäre der Hurican in der Nacht gewesen. Unglaublich, wir waren so müde, dass wir doch tatsächlich einen Hurican verschlafen hatten. Ein Bagger war damit beschäftigt eine Behelfslösung zu konstruieren. Der Polizeibeamte meinte, das würde aber bestimmt noch Stunden dauern. Für uns sah das Ganze eher nach einer Arbeit für Tage aus, denn da fehlte dermassen viel Material und die Lastwagen, welche das Kies brachten kamen ja auch kaum durch. So beschlossen wir es irgendwie durch den Fluss zu versuchen. Zu Fuss machten das auch andere Leute, aber für uns und unsere Fahrräder war der Fluss an dieser Stelle zu tief und hatte auch zuviel Strömung. Als der Bagger dann die Seite wechselte und durch den Fluss fuhr, sahen wir eine Möglichkeit im veränderten Flussbett und so stiessen wir unsere Fahrräder durch den Morast und durch den Fluss auf die andere Seite. Dort mussten wir dann noch durch ein Stück Wald (und das mit ca. 70 Kilo schweren Velos) und schliesslich standen wir auf der gegenüber liegenden Seite. Wow genial, jetzt konnten wir stundenlang fahren, ohne auch nur einmal überholt zu werden. Irgendwie hat so ein totaler Verkehrsstau auch seine positiven Seiten.

Zwei Tage später stehen wir erneut vor einer Strasse, die diesmal nicht im Nichts, sondern im Meer endet. Unglaublich, denn diese Strasse ist bei Kims Karte eingezeichnet und auch in Stefans GPS kein Problem. Da sie aber sowohl in Jürgs Karte, als auch im Google Maps fehlt, sind wir skeptisch und fragen nach, ehe wir den Weg in Richtung La Venta einschlagen. Na ja, der Leser denkt jetzt vielleicht: ist ja kein Problem, wenn eine Strasse nicht durchgehend ist, kann man ja umkehren. Ja, kann man. Wenn man aber dann zwei Tage Radelleistung wieder zurück muss, also insgesamt vier Tage lang für nichts strampelt und dann erst noch wieder am selben Ort steht, dann ist das gelinde gesagt, nicht eben erbauend. Auf unsere Frage wird geantwortet, ja natürlich, diese Strasse gibt es. Also schlagen wir den Weg in Richtung La Venta ein. Skeptisch, wie wir sind, fragen wir dann nochmals in La Venta an einer Polizeistation nach. Antwort: ja, klar da hat es eine Strasse von Sanchez Magallanes nach Tupilco. Ok, wir sind beruhigt. Nach eineinhalb Tagen Fahrt sind wir schliesslich in Sanchez Magallanes und vielleicht sagt es Etwas über unser Vertrauen in mexikanische Auskünfte aus, wenn wir jetzt schreiben, dass wir am Dorfausgang von Sanchez Magallanes nochmals bei einem Fahrradmechaniker fragen, ob die Strasse, dem Meer entlang nach Tupilco denn abierto (geöffnet) sei. Ja, klar, alles hier geradeaus geht’s nach Tupilco.
Kaum aus Sanchez Magallanes raus wird Jürg misstrauisch und meint, es scheine ihm doch etwas sehr wenig Gegenverkehr zu haben. Wenig ist stark untertrieben, denn es kommt gar kein Verkehr mehr entgegen.
Nach weiteren zwei Stunden ohne Verkehr stehen wir wieder mal am Abgrund. Die Strasse endet im Meer. Ein wirklich unpassierbar scheinender Sandweg führt hinein in die Palmen. Wir wollen auf keinen Fall zurück, also schlagen wir diesen Weg ein. Lieber Leser, bitte versuche doch mal durch einen Sandhaufen zu fahren und das selbst ohne Gepäck. Du wirst elendiglich stecken bleiben. Und rate, was wir taten…. Genau. Nun denkt man in solchen Situationen positiv und geht davon aus, dass der Weg nur kurz durch die Palmen führt um dann wieder auf die Strasse einzuschwenken. Aus dem Kurz wird dann aber Eeeeewig, Stundenlang und als Bonus hat’s da alle paar Kilometer Wegelagerer, die den Weg mit Seilen und Ketten versperren (und das irgendwo, im Nirgendwo) und einen Wegzoll für diese elende Sandpiste eintreiben wollen da die umgeleitete Piste durch ihr Grundstück führt. Na ja, zumindest bei allfälligen Autos. Uns lassen alle ohne Obolus passieren. Jedesmal, wenn wir uns freuen, dass die Strasse wieder asphaltiert ist, dauert’s nur grad einige wenige hundert Meter und wir stehen schieben und fluchen wieder im Sand. Aber klar, die Strasse ist abierto, nöö, kein Problem. Mexikanische Auskünfte sind vollkommen wertlos, da muss man gar nicht erst fragen.

Staatsgewalt will Erfrischung

Also, der Hammer, da kommen wir aus dem Supermarkt in Lerdo de Tejada und wollen zurück um im Hotel einen Gemüseeintopf zubereiten, als uns zwei Polizeibeamte (wieder mal mit Maschinengewehren im Anschlag) zu sich winken. Da fragt der eine Polizeibeamte doch tatsächlich, ob wir ihm eine Refresco (Erfrischung) spendieren würden. Kaum zu glauben so was, der will doch tatsächlich eine Cola von uns. Da ist er aber an die Falschen geraten. Nein, winken wir ab, keine Refresco für den Polizeibeamten. Buonas Dias Senor.

Wecker in Highheels

Tag, bzw. Nacht Nummer 92 . Wir sind wieder mal nahezu 100 Kilometer gefahren und ziemlich müde, als wir kurz am Strassenrand Halt machen und beschliessen, für einmal nicht ins Ortszentrum (in diesem Fall Fresnillo) zu fahren, sondern ein Motel zu suchen, wo wir ebenerdig hinein fahren können.
Kurz, nachdem wir das beschlossen haben, taucht links an der Strasse ein Motel auf „Auto Hotel Oassis“  lesen wir und fahren hinein.
Dann kommen wir an einen Schlagbaum und durch eine Gegensprechanlage fragt uns eine Dame, was wir suchen.
Na ja, was wohl? Ein Zimmer vielleicht? 450 Peso kostet es (das sind etwa 35 Franken). Stefan fragt, ob er das Zimmer mal sehen könne. Ok, kann er. Eine Dame in goldenen Stöckelschuhen, so hochhackig, dass sie diese garantiert nirgends ausserhalb dieses Hotels in Mexiko tragen kann, kommt und holt ihn ab.
Derweil warten Kim und Jürg draussen.
Als Stefan wieder zurück kommt und meint, das Zimmer sei der Hammer, da hätte es zwar nur ein Bett, aber dieses sei zweimal so gross, wie unser Zelt (immerhin ein Vierzelt), findet
Jürg (zum ersten Mal auf der ganzen Reise), ihm passe dieses Hotel nicht, er würde ein Anderes suchen. Er kann zwar auch nicht erklären warum, aber irgendwie scheint es ihm suspekt. Die komische Gegensprechanlage, jedes Zimmer hat eine eigene Autogarage und auch sonst ist alles dermassen gepützelt, wie sonst im ganzen Land an keinem anderen Ort. Komisch.
Na ja, als dann aber auch Kim begeistert ist, willigt er ein, das Zimmer zu nehmen.
Wie wir dann das Zimmer beziehen liegt auf dem Tisch eine Menukarte. Wow, eigentlich wollten wir ja selber etwas Feines kochen, aber mal sehen, was wir da so alles bestellen könnten.
Ein Blick in die Karte….ups, anstelle von Hamburgessas und Tortillas sind da Dildos, Vibratoren, Kondome in allen Farb- und Geschmacksrichtungen, Peitschen und Gummikleider aufgeführt. Ui, wo sind wir denn da gelandet? Über dem Bett bemerken wir ein Hygienetuchspender. Als Jürg den Fernseher andreht, sind auf allen Sendern dieselbe Art Filme zu sehen. Ratet mal, wasfürwelche……
Nun, zumindest die Dusche funktioniert tiptop, also duschen wir alle (einzeln natürlich, obwohl ein Pferd in der Dusche Platz gefunden hätte) und waschen unsere Kleider. Diese hängen wir zum trocknen an ein Seil in die Garage. Wir hängen das Wäscheseil so zwischen dem Garagentor und unserer Türe auf, dass wir auf gar keinen Fall die Toröffnung drücken dürfen, ehe das Seil wieder abgehängt ist. Stefan und Jürg schärfen Kim ein, unbedingt die Türe und nicht das Garagentor zu benützen.
Danach kochen wir auf dem blitzblanken Boden der Garage Spaghettis.
Nach 100 Kilometern Fahrradfahren brauchen wir dann weder eine Gutenachtgeschichte, noch eine Schlaftablette und schlafen bald auf dem Riesenbett ein.
Morgens um halb 6 werden wir dann jäh aus dem Schlaf gerissen, als das Telefon läutet. Wir beschliessen dieses zu ignorieren, denn wer würde uns denn hier erreichen wollen?
Kaum wieder eingeschlafen wachen wir erneut auf, als wir „oh Schreck!“ hören, dass sich das Garagentor öffnet. Jesses, unsere Wäscheleine. Stefan und Jürg hechten nach draussen in die Garage und Stefan unter den ächzenden Garagentor hindurch. Jürg beobachtet die Szene vom Innern der Garage aus. Da das Tor nur grad einen halben Meter aufgegangen ist, sieht er nur  zwei nackte Füsse neben zwei knallroten Stöckelschuhen. Eine quitschende Damenstimme teilt Stefan mit, dass die 12 Stunden um seien. Er erklärt ihr, wir hätten mit der Dame vom Vorabend abgemacht, das Zimmer bis 12 Uhr zu verlassen.
Widerwillig zieht sich die Dame wieder zurück und das Garagentor lässt sich gottlob wieder schliessen.
Ojje, also schnell wieder zurück ins Bett. Na ja, die gute restliche Nachtruhe dauert dann nicht mehr lange, denn schliesslich kommen die roten Stöckel, unterstützt durch die Goldenen wieder zurück und erklären nun gemeinsam, dass 12 Stunden um seien und wir entweder nochmals 450 Peso zu zahlen hätten oder dann das Zimmer sofort räumen müssten.
Ok, wir haben die Nase voll und packen unsere Sachen. So früh, wie in Fresnillo sind wir noch nie gestartet.
Ab jetzt wollen wir jeweils schon vor dem Beziehen des Zimmers abmachen, für wie lange wir bleiben können.
Das Autohotel Oasis in Fresnillo können wir also nicht wirklich weiter empfehlen, der Weckdienst ist definitiv zu nervig.

Samstag, 23. Oktober 2010

Mitternächtlicher Überfall

Übernachtung Nummer 102. Nach hundert Kilometern gegen heftigsten Gegenwind strampelnd kamen wir völlig erschöpft im kleinen Dörfchen „El Higo“ an. Gegenüber der Zuckerfabrik befindet sich das einzige Hotel am Platz. Dieses bezogen wir, duschten uns und assen noch kurz im kleinen Restaurant im selben Gebäude etwas Kleines zu Nacht.
Schon sehr bald legten wir uns schlafen, hatten wir doch am darauffolgenden Tag wieder eine ziemlich weite Etappe zu meistern.
Um 01:45 wurden wir dann jäh wieder aus dem Schlaf gerissen. An der Türe klopfte es so heftig, dass wir sogleich öffnen mussten, um nicht Gefahr zu laufen, dass uns die Türe eingetreten würde. Kim stand auf, wackelte zur Türe, in Erwartung eines Besoffenen oder sonst wie Verwirrten. Oh Schreck, kaum war die Türe geöffnet standen zwei bis auf einen kleinen Augenschlitz vermummte Männer in Tarnanzügen, mit Maschinengewehren herumfuchtelnd in unserem Zimmer.
Wir hatten keine Ahnung (und haben sie zugegebenermassen bis jetzt nicht), ob es sich bei diesen zwei Rambos um Militärs, Polizisten, private Sicherheitsleute oder Mafiosis gehandelt hat, auf alle Fälle zeigten sie mit ihren Maschinengewehren auf unsere Taschen und forderten uns auf, diese zu leeren. Sie wollten wissen, was wir hier machen (na ja, eigentlich ja schlafen, was man halt so in einem Hotel macht), woher wir kämen, wohin wir wollten. Für uns wäre es ja noch ganz spannend gewesen zu wissen, was die beiden denn genau mitten in der Nacht in unserem Zimmer zu suchen hatten, aber darauf meinten sie nur, es sei zu unserer Sicherheit, ob wir denn nicht wüssten, dass in diesem Staat jeden Tag dutzende Menschen Verbrechen zum Opfer fielen.
Und so war es dann auch, als sie wieder abzogen fühlten wir uns um einiges sicherer. 

Wetterglück, oder wenn Engel reisen, lacht die Sonne

Nun sind wir schon gut 100 Tage unterwegs. Sind von Kanada aus über die USA, der  sogenannten Regenküste, entlang nach Mexiko gefahren und auch in Mexiko schon wieder wochenlang am radeln und hatten doch tatsächlich noch nicht einen einzigen Regentag. Zweimal regnete es irgendwann in der Nacht und am Morgen lagen Wasserlachen auf den Strassen. In Mazatlan sahen wir Bilder von Überschwemmungen in Veracruz (wo wir in wenigen Tagen eintreffen werden) und in Durango wurde uns erzählt, dass es bis vor wenigen Tagen an diesem Ort geregnet hätte und das einen ganzen Monat lang.  Aber unsere Regensachen befinden sich noch immer am selben Ort, wo wir sie damals in der Schweiz eingepackt hatten. Die rechte Vordertasche haben wir noch gar nicht öffnen müssen. Unglaublich. Nun hoffen wir natürlich, dass uns dieses Wetterglück noch einige Tage, Wochen oder Monate begleiten wird…….. mal sehen……

Schnuckel

Tag Nummer 99. Am Morgen starteten wir von San Luis Potosi aus in Richtung Osten, nichtsahnend, dass uns eine wirklich wunderschöne Gegend und ein mindestens ebenso sehenswerter Chico erwarten würde.
Etwa 20 Kilometer sind wir gefahren, als Jürg rechterhand drei Männer am Strassenrand sitzend entdeckt. Da wir so oder so einen kurzen Halt einlegen wollten, insistiert er diesen doch dort zu machen, denn der eine der Männer gefiel ihm auf den ersten Blick, abgesehen davon hat es dort ein schattiges Plätzchen.
Wir setzen uns also hin und sogleich fragt uns der Schnuckel, von wo wir denn kämen und wohin wir wollten. Jürg war hin und weg und es wurde in verschiedensten Sprachen versucht zu kommunizieren (Anmerkung: Jürg kann etwa 4 Wörter spanisch und 10 Sätze englisch) . Gefragt was sie denn dort am Strassenrand machen würden, gab Luis (so heisst der hübsche Typ) an, sie würden Nutztiertransporte überwachen. Aha. Als Luis uns fragt, ob wir einen Blog hätten, tauschten wir die correos electronicos aus. Als Jürg Luis’ Adresse sieht kippt er fast, denn das Wort Vegan ist in der Adresse enthalten. Luis ist tatsächlich Veganer und das in einem Land, wo es schon genug schwierig ist, etwas Vegetarisches zum Essen zu bekommen. Wow, genial. Mal sehen, aber diesen Kontakt wird Jürg wohl auf alle Fälle aufrecht erhalten.

Samstag, 16. Oktober 2010

Zacatecas – Sombrerete – San Luis Potosi

Weiterhin zu dritt unterwegs machten wir uns von Durango auf den Weg nach Zacatecas. In Sombrerete mussten wir eine Nacht extra einlegen, da ich mir (gelinde gesagt) eine Magenverstimmung eingeholt hatte. Diese dauerte dann noch gut 5 Tage an. Weiter gings über Fresnillo, wo wir in einem (12) Stundenhotel übernachteten und um 6 Uhr morgens zum Bett herausgeholt wurden, schöne Scheisse obwohl das Zimmer an sich sehr grosszügig und sauber war! 

In Zacatecas angekommen machten wir zwei Tage Pause und sahen uns die Stadt etwas genauer an, nachdem sie in unserem Veloguide und auch im Internet als sehenswert beschrieben worden war (Unesco Weltkulturerbe und so). Tatsächlich, die Stadt hat was zu bieten. Neben der schönen Altstadt besichtigten wir auch eine Silber/ Kupfer Mine die für das Publikum zugänglich gemacht worden ist. 
Die Mine ist beeindruckend, wenn gleich ein grosser Teil die Mineralienausstellung einnimmt die ich mässig spannend fand. Trotzdem, man bekommt einen Eindruck wie hart die Arbeit in der Mine war, durchschnittlich wurden die Minenarbeiter (darunter auch viele die im Kindesalter begannen zu arbeiten) 35 Jahre alt. Gleich anschliessend an den Minenbesuch fuhren wir mit der Seilbahn (Hecho in Suiza, Garaventa) über die Stadt vom einen Hausberg zum anderen. Eine tolle Idee, so eine Seilbahn mitten über die Stadt zu spannen. Bilder davon gibt es im Album Mexico.

Nach Zacatecas reisten wir in 2 Tagen nach San Luis Potosi wobei der zweite Tag eine Tortur war. Über „rollende“ Hügel, (also eigentlich sanft im Anstieg aber halt doch immer 150 -200 Höhenmeter), dafür aber mit extremen Gegenwind schafften wir die 100km gerade noch so rechtzeitig bevor es ganz dunkel wurde. Ursprünglich wollten wir in San Luis Potosi nur 1-2 Nächte bleiben, entschieden uns jedoch für 3 Nächte. Die Stadt ist für mich wie eine Oase. Richtig gross, ein Centro Historico das aus meiner Sicht viel schöner und grosszügiger ist als jenes von Zacatecas. Nebenbei gibt es in vielen Parks gratis Internet (SSID „El Gobierno de todo was soviel heisst wie „die Regierung für alle“), gute Restaurants, wir haben ein Hotel mitten im Zentrum und doch absolut ruhig. Auf dem Stadtrundgang fanden wir auch einen Velomechaniker der mir das Tretlager fachmännisch tauschen konnte, da meines nach gut 10'000 km schlapp machte (soviel zum Thema Longlife). Alles in allem war für mich diese Stadt sehr erbaulich, nachdem ich die vergangenen Tage etwas Reisemüde geworden war. Morgen geht’s dann weiter Richtung Süd-Ost an die Atlantikküste wo uns (leider) wieder heiss- feuchtes Wetter erwartet.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Mazatlan – Durango

Da es in der Baja California die letzten 3 Wochen wirklich sehr, sehr heiss war, hatten Jürg und ich Lust, in etwas „kälteren“ Gefilden zu radeln.  Trotz „Warnungen“ von Einheimischen das es in den Bergen „muy, muy frio“ sei entschieden wir uns, von Mazatlan an der Küste nach Durango im Landesinneren weiter zu fahren. Das bedeutete für uns nicht weniger als gut 2800 Meter Höhenunterschied. Die ersten 4 Tage fuhren wir mehr oder weniger immer den Berg hinauf. Erst am 5. Tag waren wir auf einer Art Hochplateau auf 2600 Meter angelangt. Mehr oder eher weniger flach ging es dann weiter nach Durango wo wir zwei Nächte blieben.
Durango ist eine sehenswerte, alte Kolonialstadt, die ein schönes „Centro historico“ hat. Was die Mexikaner übrigens unter „muy frio“ verstehen war für uns optimal: Am Tag um die 25, in der Nacht erholsame und erfrischende 8 Grad. Landschaftlich waren die letzten Tage ein Traum. Von Mazatlan startend hatten wir zuerst fast schon Regenwald mässiges Klima und ein „Grün“ welches total im Kontrast zur trockenen Baja stand. Auch die Tierwelt war entsprechend: Grosse Heuschrecken, Geckos und sonstige, uns unbekannte Tiere. Je weiter wir hinauf fuhren, desto angenehmer wurde das Klima und die Vegetation wurde richtig gehend „hochalpin“. An steilen Bergkämmen entlang, durch Pinienwälder und an Seen vorbei fahrend hatten wir immer wieder tolle Ausblicke hinaus in die Landschaft. Die Strecke ist touristisch gesehen unbedeutend. Das ermöglichte uns einen direkteren Kontakt mit den Leuten in den Dörfern wo wir übernachteten.
Bilder von dieser Strecke gibt es wie immer im Album Mexico.

Wieder zu dritt unterwegs

Während wir auf der ganzen Baja  auf keinen einzigen Velofahrer stiessen (aber von Einheimischen immer wieder hörten das ein paar Tage vor uns welche da waren), trafen wir am Fährenterminal gleich zwei an. Einmal Guy aus Kanada (http://www.gbradet.blogspot.com/) und Kim (http://www.toilsweatandjoy.blogspot.com/) aus Norwegen. Zufälligerweise trafen wir auch wieder „die Büsslis“ (Ornella und Fabian) an die wir Wochen zuvor kennen gelernt hatten. Zu sechst hatten wir einen lustigen und unterhaltsamen Abend. Natürlich waren die Routenpläne auch ein Thema. Für Guy war die Sache klar das er von Mazatlan weiter an der Küste nach Süden fahren und den ersten Teil davon mit dem Bus „überbrücken“ würde. Kim war unschlüssig zumal es an der Küste weiterhin sehr heiss und feucht sein soll. Wir boten ihm an, mit uns ein paar Tage zu reisen. Nach einer Nacht „überschlafen“ entschied er sich mit uns weiter zu radeln. Seither sind wir eine Woche zusammen unterwegs und haben es ganz gut miteinander was ja nicht selbstverständlich ist. Welcome on board Kim!

Dienstag, 28. September 2010

Ankunft in La Paz

Schneller als gedacht sind Jürg und ich am Samstag , 25. September in La Paz eingefahren. La Paz ist für uns der Ort, wo wir die Baja California via Fähre verlassen werden und nach Mazatlan an das mexikanische Festland weiterreisen werden.
In La Paz blieben wir 3 Nächte in einem sehr gemütlichen Hotel/ Hostel wo wir viele Leute antraffen die sonst irgendwie unterwegs waren. Auch machten wir einen Bootsausflug rund um die vorgelagerten Inseln. War sehr schön, besonders das Schnorcheln zusammen mit den vielen farbigen Fischen und den Seelöwen die nur so um einen herumschwammen. Bilder davon gibts im Album Mexico.

Mittwoch, 22. September 2010

Wenn sich Velofahrer über Gegenwind freuen

Nun sind wir in Loreto angelangt. Die letzten paar Tage waren sehr anstrengend. Die Hitze ist beinahe unerträglich, ohne Übertreibung vergleichbar mit dem Luftstrom einen Haarfönes, um 10 Uhr Abends ist es immer noch gut 30 Grad warm. Jürg und ich saufen im Tag gut 12 Liter Flüssigkeit, bei den Einfahrten in den Übernachtungsorten gönnen wir uns oftmals je 1.5 Liter kühles Coca-Cola welches in 10 Minuten heruntergespült ist. Da es so warm ist und es unterwegs keine Versorgungsmöglichkeiten gibt, erhöht sich unser Gepäckgewicht jeweils um gut 10 kg, weil wir das Wasser und auch das zusätzliche Essen mitschleppen müssen. Da freuen wir uns auch über Gegenwind weil der wenigstens etwas zur „Abkühlung“ beiträgt.


Übrigens gibt es neue Bilder im Album Mexico
Unterwegs trafen wir zwei Pärchen (aus der Schweiz und Deutschland, beide motorisiert) an mit denen wir an verschiedenen Orten gemeinsam übernachteten. Immer wieder spannend sich mit anderen Leuten auszutauschen.
Morgen gehts dann weiter gegen Süden, die "Sierra Gigante" steht an. Da es so heiss ist, starten wir (wie auch an den Tagen zuvor) sehr früh morgens, meistens so zwischen 6- und 7 Uhr.

Neues Bilder Album "unterwegs angetroffen" eingerichtet

Letzthin unterhielten Jürg und ich uns darüber, was nach einer solchen Reise am besten in Erinnerung bleiben wird. +/- übereinstimmend kamen wir zum Schluss, dass trotz überwältigenden Landschaften schliesslich die Personen, mit denen wir zu tun hatten die sein werden, an die wir uns am meisten erinnern werden. Nicht nur aus diesem Grund aber auch deswegen habe ich ein neues Album eröffnet, wo wir diese Begegnungen versuchen fest zu halten. Hier gehts zu den Bildern.

Dienstag, 14. September 2010

Baja California: Eine traumhafte Landschaft und nicht nur das...

Gestern Montag, 13. September sind Jürg und ich in Guerrero Negro, d.h. in der Mitte der Baja California angekommen. Die Stadt bietet mit 8'000 Einwohner eine gute Infrastruktur die wir geniessen nachdem wir ein paar Tage in der "Wildnis" verbracht haben. Da ich von einem unbekannten Insekt oder ähnlichem am rechten Knie gestochen wurde und es deswegen ziemlich angeschwollen ist, machen wir auch gleich einen Pausentag hier und hoffen, das dass Knie wieder abschwillt. Den Pausentag haben wir auch verdient, nachdem wir vorgestern eine Megaetappe von gut 135 km gefahren sind.

Die letzten paar Tage waren einfach perfekt: Die Landschaft wurde nach jeder Kurve immer noch schöner. Neue Bilder davor gibt es im Album Mexico. Da es zwischendurch keine Hotels/ Motels bzw. Campingplätze gab, übernachteten wir ein paar Mal wild. Besondes das eine Mal im Kakteenwald wird mir lange in Erinnerung bleiben. Wir fanden ein schönes Plätzchen sichtgeschützt von der Strasse. Am Abend ein Sonnenuntergang, dazu die Filmmusik von "Once upon a time in the west"; ein Gefühl wie im Western.
Als ich am Morgen danach erwachte staunte ich nicht schlecht als ich die ganze Landschaft im Nebel versunken vorfand. So konnte ich  mir wenigstens erklären, wie hier überhaupt noch Pflanzen zu Wasser kommen bzw. wachsen können. Keine Stunde später war der Nebel weg und die Sonne fing an, die Umgebung aufzuheizen.

Die Westernstimmung begleitete uns übrigens auf in diesem Abschnitt der Baja immer wieder. Wenn wir jeweils in den Wellblechrestaurants Mittag assen und zwischendurch der Wind wieder Staub von der Strasse rein blies und dazu noch die Eingangstüre hin und her schlug, die Temperatur auf knapp 40 Grad anstieg und die Luft vor Hitze flimmerte, dann fehlte nur noch das Clint Eastwood das Lokal betreten hätte.

Ganz und gar nicht in Westernstimmung sind die Mexicaner. Extrem freundlich, die Bauarbeitertrupps feuern uns immer wieder zu Höchstleistungen an und die Lastwagenfahrer überholen uns sehr grosszügig und grüssen auch immer. Wenn dann bei einer längeren Steigung ein Lastwagen gaaaanz langsam an uns vorbeifährt/ überholt können wir uns auch an ihm anhängen, sehr praktisch :-). Auch die regelmässigen Militärkontrollen die es auf der Strecke gibt sind für uns eine willkommene "Abwechslung" die bis jetzt immer völlig problemlos waren, zudem hat es oft sehr, sehr schöne "Aussicht" ;-) wow!

Morgen geht es weiter Richtung Süden, ich denke das wir in ca. 10 Tagen in La Paz ankommen sollten um die Fähre auf das mexicanische Festland zu nehmen.

Spätestens da melden wir uns wieder.

Beste Grüsse, Stefanino

Donnerstag, 9. September 2010

Mexico, erste Tage in der Baja

Ganz unerwartet haben wir heute Internetzugang auf einem Camping, sodass wir erste Bilder hochladen konnten und einpaar Zeilen kann ich auch noch schreiben.

Der Grenzübertritt in Tecate nach Mexico war so etwas von entspannt, einfach toll. Der Migracion Beamte gab uns gleich das Maximum an Anzahl Tagen (180) wo wir nun in Mexico bleiben dürfen, nachdem ich ihm versucht habe zu erklären das die standardmässigen 90 Tage bei Veloreisenden doch etwas knapp seien. Der Grenzbeamte winkte uns auch gleich durch ohne etwas von unserem Gepäck zu prüfen. In Tecate versorgten wir uns mit Pesos und viel wichtiger mit reichlich Wasser. Es war schon verdammt heiss (knapp 40 Grad) als wir abfuhren. Zusätzlich erschwerden kam dazu, dass die Strasse ca. die Hälfte eine Welchblechpiste mit üblen Löchern war, weil die reguläre Strasse gerade in Stand gesetzt wird. Trotzdem, wir erreichten unseren ersten Zeltplatz gerade noch bevor es dunkel wurde..

Am nächsten Tag ging es weiter nach Ensenada, wo wir im Motel übernachteten.

Bis jetzt kommt mir Mexico sehr symphatisch rein: Entspannte und äusserst freundliche  Leute (wurde schon zu einem Hot Dog eingeladen), Autofahrer die meistens so gut überholen wie in den USA und Preise, die deutlich tiefer sind als in den USA. Letzte Motelübernachtung hat uns gerade mal 6 sFr.pro Person gekostet ! Nicht schlecht für unser Reisebudget!

Erste Bilder der Baja hat es auch, hier findet ihr sie.

Gruss und bis später, Stefan

Letzte Tage in den USA

Nachdem Claudio den Flieger zurück in die Schweiz genommen hat, sind Jürg und ich weiter gegen Süden gefahren. L.A. ist aus städtebaulicher Sicht eine Katastrophe. Der Moloch breitet sich extrem auf alle Seiten aus. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass wir die letzten 2.5 Tage nonstop durch Städte gefahren sind ohne das wir  zwischendurch nicht überbautes Gebiet passiert haben. Als Vergleich auf schweizerische Verhältnisse entspricht dies in etwa der Distanz Zürich – Bern. Allein um aus L.A. herauszukommen benötigten wir einen Tag. Dank dem GPS war die Navigation einigermassen einfach.


In Oceanside, kurz vor San Diego holte ich noch 2 Päckchen ab die ich mir aus der Schweiz bzw. Deutschland zusenden lies.


Die zweitletzte Nacht verbrachten wir in einem Aussenbezirk von San Diego in einem Motel.

Die Strecke L.A. – San Diego war nicht besonders attraktiv, halt sehr städtisch mit viel, viel Verkehr. Wir fuhren die ganze Zeit auf den Highways  bzw. sogar manchmal auf Freeways (4 und mehr Spuren !).

Am nächsten Tag gings dann aus der Stadt heraus auf’s Land Richtung Tecate. Wir wählten Tecate Übertrittsort nach Mexico, weil wir verschiedentlich gelesen hatten und hörten dass es dort sehr friedlich und auch sicherer als Tijuana sein soll. Mehr dazu im Mexico Teil.

Der letzte Tag in den USA von San Diego nach war sehr anstrengend. Es ging von praktisch 0 Meter über Meer auf gut 800 Meter hinauf. Das Wetter war hervorragend, wir hatten gut 38 Grad im Schatten und Schatten hat es dort keinen! Eigentlich wollten wir auf einen Statepark um zu übernachten, der war jedoch kurzerhand von ca. 200 Feuerwehrleuten in Beschlag genommen worden, weil es in der Nähe einen Waldbrand hatte. Wir fragten wir bei Leuten in der Nachbarschaft nach. Chuck liess uns in seinem Garten übernachten, die ganze Nacht hörten wir Feuerwehrfahrzeuge die sich hier den Wassertank füllen liessen und wieder zum Brandherd zurück fuhren. Chuck züchtet übrigens Christbäume. Da dieser Job nicht „tagesfüllend ist, hat er sich noch eine andere Idee ausgedacht. Mehr dazu aufwww.hwy94.photo.com dort sind Jürg und ich unter Gallery- September - 5. auch zu sehen.



Zusammenfassend kann ich sagen das die USA ein super Reiseland sind. Meistens sehr schöne Zeltplätze mit speziellen „Hike-Biker Sites“, mega Supermärkte (besonders der Safeway) mit einer Auswahl die nicht mehr aufhört.

Ganz unerwartet sind die Amis auch sehr Fahrrad freundlich. Noch nie habe ich so rücksichtsvolle Autofahrer erlebt wie in den USA, selbst im Vergleich zur Schweiz. Da wird dutzende von Metern hinter dem Velo geduldig hinterher gefahren bis sich eine Gelegenheit ergibt wo man sicher und mit extrem viel Distanz überholen kann. In den Städten (so erlebt in S.F und L.A) haben die Velofahrer (und auch die Fussgänger) wie einen „eingebauten“ Vortritt, als Velofahrer selbst bei den Stops. Immer lassen einem die Autos die Vorfahrt.

Die Leute sind sehr offen und neugierig, ich bin immer sehr schnell in den Kontakt gekommen. Mit der Zeit haben die immer gleichen Fragen jedoch etwas genervt. Von wo kommt ihr, wohin fahrt ihr (mit der Zeit habe ich nicht mehr gesagt das wir nach Chile versuchen zu kommen) oft war die Aufregung zu gross, San Diego hingegen löste immer noch Begeisterung aus ohne das die Leute in Ohnmacht fielen.



Die Küste von Port Angeles (Washington) nach Sand Diego (Californien), in den USA „the Pacific Bike Route“ genannt ist sehr populär. Das heisst man trifft jeden Abend sicher um die 2 – 10 BikerInnen) an die auf demselben Weg sind. Die meisten davon fahren jedoch „nur“ bis S.F. oder L.A. Nach L.A. haben wir nur noch ein junges Frauen Duo getroffen die bis nach San Diego gefahren sind. Mir persönlich hat Washington und Orgeon am besten gefallen. Kalifornien war auch toll, dass die Leute oftmals „so cool“ sein wollen gefiel mir weniger gut, ab L.A war es dann auch „sehr urban“.


Nach gut 6 Wochen in den USA freue ich mich sehr auf Mexico und bin gespannt, wie es dort weiter geht. Baja wir kommen!


Ach ja, natürlich habe ich noch ein paar neue Bilder in den USA Ordner eingestellt, hier seht ihr sie.

Donnerstag, 2. September 2010

Nachführen des Routenverlaufes

Noch kurz ein technischer Eintrag der Vollständigkeitshalber. 

Eigentlich wollte ich mehr oder weniger regelmässig den Routenverlauf in Google Maps eintragen (rechtes, oberes Fenster). Die Daten dazu sammle ich fleissig mit dem GPS, allerdings müssen die auch noch bearbeitet werden. Dazu bin ich bis jetzt noch nicht gekommen (Strom Verfügbarkei für den Laptopt, Zeit). Vielleicht habe ich später mal eine Gelegenheit mich für ein paar Stündchen hinzusetzten und alles aufzubereiten. Kann also gut sein das dies noch eine rechte Weile dauert.

Bis später, Stefan

San Francisco - Los Angeles

Nun melde ich mich wieder. Nicht das es wenig zu berichten gäbe ganz im Gegenteil, nur die liebe Zeit dazu und der Internetzugang sind nicht immer vorhanden. Einge werden sich fragen warum wie mir die Zeit dazu fehlen soll, der Internetzugang ist ja noch nachvollziehbar. Obwohl ich zur Hauptsache nur 3 Dinge im Tag erledigen muss (essen, Velo fahren und einen Platz zum Schlafen zu finden) habe ich dann am Abend oftmals nur noch wenig Musse ein paar Zeilen zu schreiben. Vielleicht ändert sich das jetzt ein wenig da wir ab heute teamtechnisch andere Umstände haben werden, mehr dazu unten.

Die Ausfahrt von San Francisco meistern wir auf ganz "sanfte" Art und Weise. Keine Stunde nach Downtown S.F sind wir wieder mitten im Grünen und geniessen die Landschaft. Via Monterrey reisen wir immer weiter nach Süden. Big Sur "erfahren" wir bei bestem Wetter ohne Nebel. Big Sur fuhr ich letztes Jahr mit dem Auto ab. Mit dem Velo ist das schon etwas anderes, aber nicht minder schön.

Im Gegensatz zum letzten Jahr besuche ich dieses Mal das Hearstcastle da auch Jürg es gerne sehen möchte, auch aus "professioneller" Sicht.

In San Luis Obispo konnten wir bei Dan übernachten. Dan lernten wir ganz am Anfang unserer Reise auf der Fähre von Vancouver Island - USA kennen. Er machte in den 80-ger Jahren ein Velotour quer durch Europa. Vielen Dank Dan für Dein Angebot das wir eine Nacht bei Dir bleiben konnten! Ein spezieller Dank geht auch an Charlie der uns sein Zimmer zur Verfügung stellte!

Unterwegs nach L.A. treffen wir wieder auf Chris (wir lernten ihn an der Küste von Oregon kennen), der ebenfalls in Vancouver gestartet ist und in L.A auf den Flieger zurück nach Australien geht. 

Aber leider geht nicht nur Chris auf den Flieger, sondern auch Claudio. Nach einem längeren Prozess der Entscheidung der bereits vor San Francisco begonnen hatte verlässt er uns heute und fliegt zurück in die Schweiz zu seinen Liebsten. 

Dazu hier sein Abschiedseintrag für den Blog:

Bereits nach etwas mehr als 7 Wochen ist der Name des Blogs nicht mehr passend.
Ich, Claudio, werde ab Los Angeles nicht mehr bei der Gruppe weilen, da ich bereits jetzt
in die Schweiz zurückreisen werde.
Obwohl ich die Reise bis jetzt sehr genossen habe, zieht mich die Sehnsucht nach
Hause. Da mir das Reisen an sich noch nicht zu Leide geworden ist, bin ich selbst
nicht zu hundert Prozent glücklich über meinen Entscheid...
Jürg und Stefan sind nicht einverstanden mit dieser Entscheidung und lassen
mich nur zähneknirschend ziehen und freuen sich zum Glück troztdem auf die kommenden Kilometer und Länder.

 
Ich wünsche euch weiterhin viel Spass und Glück auf dem grossen Abenteuer.


Claudio.


Schade, schade aber mit dem musste gerechnet werden. Die Reise an sich, die Gruppe, der sportliche Aspekt, jeden Tag weiter fahren und alles wieder zusammen packen und am Abend wieder aufzu stellen; all  das sind Dinge die schon belastend sein können. Etwas "verwundert" bin ich schon, zumal wir bis anhin absolut perfekte "Umgebungsparameter" wie Wetter, Leute, Essen, Route aber auch Stimmung im Team etc. gehabt haben.

Jürg und ich machen uns heute auf den Weg nach Mexico wo wir als erstes die Baja California runterfahren werden. Das sind 1500km in einer Halbwüsten artigen Umgebung mit einer sehr spärlichen Infrastruktur. Kann also gut sein das wir uns erst wieder in ein paar Wochen melden werden.

Achja, neue Bilder hat es natürlich auch wieder gegeben, zu finden sind sie im "USA  Album"

Hasta pronto, Stefanino