Freitag, 21. Januar 2011

Von Costa Rica nach Panama

Hallo Zusammen

Nun können (und wollen) wir uns wieder melden. War die letzten paar Wochen schwierig bis unmöglich, da wir sowohl in Panama City als auch in Puerto Lindo nur einen sehr langsamen bzw. keinen Internetzugang hatten. Auf dem Segelschiff rüber nach Kolumbien war natürlich
das www auch nicht verfügbar und in Cartagena haben wir uns zuerst ein paar Ruhetage gegönnt.
Aber erst mal der Reihe nach, der letzte Eintrag liegt ja schon 4 Wochen zurück.


Nachdem wir von Elena und Hans in San Jose abgefahren waren ging es zuerst Richtung Pazifikküste runter, San Isidro de Heredia (wo Hans und Elena wohnen)
liegt doch auf knapp 1500 MüM. Über einen unspektakulären Ort Namens Corotina gelangten wir an die Küste. Diese Küste war ziemlich touristisch und wir sahen
viele "Lots for sale" und "stunning views condominios" die halb fertiggebaut bereits wieder am verfallen waren. Hier hat die Finanzkrise offenbar auch Spuren
(der Amerikaner) hinterlassen.

Nun denn, in Dominical (kleines Surferkaff) liessen wir uns in einem netten Hotel nieder welches von einem Holländer und seiner Tica Frau geführt wird.
Es gefiel uns dort so gut, dass wir gleich 3 Tage bleiben, auch um auch einem allfälligen Engpass von Hotelzimmern über Weihnachten zu entkommen.
Das dazugehörende Restaurant tat sein Übriges das wir uns rundum wohl fühlten.

Später gings weiter Richtung Panama und waren gespannt ob wir Anina und Claudio antreffen würden. Die Beiden (auch aus der Schweiz) waren eben in Panama
zu ihrer Velotour gestartet. In Palmar Norte, einer der unzähligen, gesichtslosen und nicht besonders schönen Orte die wir immer wieder auf unserer Reise
hatten trafen wir die beiden an. Wir machten uns zusammen einen gemütlichen Abend vor unserem Motelzimmer und deckten die Beiden mit vielen Informationen
ein die wir im Verlaufe unserer Reise gesammelt hatten. Es war spannend Leute zu treffen die eben am Anfang ihrer Reise standen und wir, die praktisch am
(revidierten) Ziel der Reise angekommen waren. Für uns war es auch eine Art Rückblick, waren wir doch schon 5 Monate unterwegs und hatten gut 8500 km in den Beinen.
Am nächsten Tag gings weiter nach Ciudad Neily, unserem letzten Ort in Costa Rica bevor wir nach Panama einreisten.

In Costa Rica hat es mir soweit gut gefalllen, allerdings wird das Land von Touristen ziemlich überflutet, vorallem von den zahlungswilligen Amerikanern!
Wie in den anderen zentralamerikanischen Staaten auch ist hier vieles über Touroperators organisiert, Unternehmungen auf eigene Faust sind nicht angesagt, schade!
Aber klar, die Natur ist in CR schon sehr schön und die vielen Vögel und Krokodile die wir einfach so am "Strassenrand" sahen bleiben uns immer in Erinnerung.

Die Einreise nach Panama erwies sich als die aufwendigste, sowohl in finanzieller als auch in zeitlicher Hinsicht. Costa Rica lies uns einen Stempel reicher im Pass
schnell und rasch ausreisen, auf der panamesischen Seite hatte es eine lange Schlange vor dem Büro der Migracion. Während der Wartezeit füllten wir eines
der in all' diesen Ländern beliebten Formulare aus, weiss der Teufel was die damit später machen, aber egal. Als wir dann am Schalter an der Reihe waren
mussten wir nachweisen, dass wir über genügend Geld verfügten, eine erste Adresse in Panama angeben und ganz wichtig ein Ticket vorweisen welches eine
Ausreise aus Panama beinhaltete. Da half weder das echte von Jürg noch das von mir gefälschte Rückflugticket von Chile! Alles Zureden brachte nichts, wir mussten
schlussendlich ein Busbillet kaufen, dass von Panama City nach San Jose (CR) führte! 15 Dollar für nichts. Am liebsten hätte ich den Grenzbeamten gefragt ob er den
tatsächlich glaube, dass ich in seinem wunderbaren Panama "hängen" bleiben würde als wieder in das Schlaraffenland Schweiz zurück zu kehren. Wenn die wüssten
wie es bei uns ist hätten (zumindest wir Schweizer) sicher keine Ausreiseticket benötigt. Aber egal, schlussendlich waren wir dann doch in Panama und freuten
uns, dass die Panamericana mit einem Schlag plötzlich zweispurig und mit einem breiten Seitenstreifen ausgestattet war. Unser Ziel war David, die zweitgrösste
Stadt von Panama. Von dort wollten wir für die nächsten 400km den Nachtbus nehmen, da wir sonst unser Schiff welches am 6. Januar auslaufen sollte nicht erreichen
bzw. es mit dem Velo einen unnötigen Stress geben würde.
Die Fahrt mit dem Nachtbus war mal wieder alles andere als entspannend, trotzdem das der Bus mit "Dios mi amor" und "Dios mi camino" und sonstigen
Glaubenssprüchen "verziert" war. Weniger Dios und weniger Überholen dafür mehr Menschenverstand wäre sicher besser, aber die Leute glauben nun halt immer noch
sehr stark an diesen komischen Dios der fast alles falsch macht.

In Panama City angekommen suchten wir zuerst ein Hotel, wollten wir doch ca. 4-5 Tage in der Stadt bleiben um auch z.B. den Panamakanal bzw. die Schleusen
anzusehen. Panama City hat grob gesagt 2 Stadtteile, einen neuen mit unglaublich vielen Hochhäusern wo aber nur sehr wenig Leben ist
(besonders über die Weihnachtszeit bzw. Neujahr) und einen alten Stadtteil der zwar zum Teil sehr heruntergekommen ist
(dort sind auch ein paar Quartiere wo man als Tourist nicht hingehen sollte), dafür aber mit umsomehr Leben. Wir fanden im alten Stadtteil ein Hotel
das sehr zentral gelegen war. Später erfuhren wir, dass dieses Hotel 1903 für die leitenden Angestellten der Panamakanal Verwaltung gebaut worden war, die
Raumaufteilung und auch das Interieur (z.B. die Betten) waren immer noch original aus der Zeit.

Das Casco viejo (der alte Stadtteil) ist eben daran, sich wie zu verwandeln. Früher war es das noble und schöne Viertel von Panama City. Mit der Zeit verliessen die wohlhabenden Leute mehr und mehr diesen Stadtteil um sich weiter draussen neue Häuser zu bauen. Dafür kamen einfache Leute in den Stadtteil rein und wohnten fortan dort. Dadurch das praktisch nichts abgerissen worden ist, ist die ganze originale Bausubstanz vorhanden,  wenn auch in einem total heruntergekommenen Zustand.
Der ganze Stadtteil ist mittlerweilen zum UNO Weltkulturerbe erklärt worden. Die Leute interessieren sich wieder für diesen Stadtteil und beginnen, die
Häuser zu renovieren. Das führt dazu, dass neben einem Abbruchhaus aus dem Bäume wachsen ein total renoviertes Haus steht in welchem ein
teures Restaurant untergebracht ist bzw. ein Eselskarren neben einem BMW X5 parkt. Wenn die Entwicklung so weiter geht wird in 10 Jahren das Casco Viejo ein  richtiges Schickimicki Viertel sein und
die jetzigen Bewohner müssen sich ein neues Zuhause suchen.
Ansonsten ist Panama City jedoch einer der dreckigsten Städte die ich je sah, sicher jedoch die dreckigste auf unserer ganzen Veloreise.

Der Besuch des Panamakanals und dessen Schleusen war ganz interessant aber bei weitem nicht so eindrücklich wie ich das erwartet hätte, vielleicht
lag es auch daran, dass der (amerikanische) Lonely Planet einmal mehr mit Superlativen (awesome, awesome, awesome) nicht geizte. Sicher, die Schiffe
sind gross die da in die Schleusen reinfahren und gehoben werden, viel Platz bleibt da links und rechts nicht.
Ich persönlich war aber z.B. vom Kanal von Korinth (Griechenland) bzw. den Kanalüberführungen in Frankreich viel mehr beeindruckt.
Kanalüberführung bedeutet übrigens, dass ich mit dem Kanu auf dem Fluss (der Loire) war und eine Brücke, die über die Loire führte auch ein Wasserweg war.
Komisch wenn man da im Kanu sitzt und auf der Brücke über einem ein Schiff entlang schwimmt bzw. fährt.

Nach 5 Tagen waren wir ganz froh, aus Panama City rausfahren zu können. Zuerst dem Panamakanal entlang gelangten wir in 2 Tagen an die Atlantikküste wo wir
in Puerto Lindo auf unser Segelschiff warteten. Doch dazu mehr in einem sepraten Eintrag.

Natürlich haben wir ganz viele neue Bilder hochgeladen, ihr findet sie im Album Nica-Costa-Pana .










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