Mittwoch, 26. Januar 2011

9101 Km

Nach 9101 Km, rund 72'000 Höhenmeter und gut 480 Stunden im Sattel endet hier in Cartagena (Kolumbien) unsere Reise, die vor knapp 7 Monaten in Vancouver (Kanada) begonnen hatte.
Durch 10 Länder und die verschiedensten Landschaften gefahren, mal flach, mal steil und oft mit Gegenwind aber noch viel mehr war es heiss und trocken, haben wir viele neue Menschen und deren Kulturen kennen gelernt.

Obwohl ursprünglich bis nach Santiago de Chile geplant, bin ich hier und jetzt sehr froh, wieder in die Schweiz zurück kehren zu können. Die Reise hat mir in mancher Hinsicht die Augen (wieder oder besser gesagt noch mehr) geöffnet.
Eine zeitlang habe ich mir ernsthaft überlegt, ob ich die Reise ohne Jürg weiterführen soll (ja, ja, der Mensch und seine Emotionen!) bin dann aber wegen diversen Gründen/ Überlegungen und nicht zuletzt als ich erfahren habe das unsere angetroffenen Schweizer Radler (Anina und Claudio) in Nicaragua überfallen worden sind zum ursprünglich gefassten Entscheid zurück gekommen, dass man dann aufhören soll, wenn’s am schönsten ist.

So geht es nun in 2 Tagen zurück in die Schweiz. Mal sehen wie das wird wenn ich nach über 200 Tagen Sonne und im Schnitt sicher um die 26 Grad warm (wir hatten nur 7 Tage Regen) in den Winter heimkehre.

Auf jeden Fall habe ich dann sicher genug Zeit um die (zu) vielen Eindrücke zu verarbeiten, die sich im letzten halben Jahr aufgestaut haben, uff!

An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen allen zu danken, die den Blog kommentiert haben, es war für mich (und ein klein wenig auch für den bescheidenen/ verschrobenen Jürg) immer ein Aufsteller was von euch zu lesen und hat motiviert, weiter zu berichten. Merci!

Danke sagen möchte ich auch meinem Reisepartner Jürg, er lief wie ein Maschinchen und schnurrte die meiste Zeit, auch wenn ich (dann und wann) am ausrufen war. Er war die Konstanz (vielleicht zu konstant) auf dieser Reise. Aber klar, knapp 7 Monate mehr oder weniger 24 (!) Stunden zusammen sein, da entstehen Reibereien,
so was machen uns nicht mal die diamantenen Hochzeitspärchen so schnell nach ;-) Gracias natürlich auch für die tollen und etwas anderen Blogbeiträge!

Ein erste Quintessenz kann ich jetzt schon aus dieser Reise ziehen: Wer das goldene Los gezogen hat und in der Schweiz aufwachsen und leben darf der sollte sich immer und immer wieder bewusst werden das es wohl keinen Ort auf der Welt gibt in dem die persönlichen Möglichkeiten (Freiheiten) grösser sind sofern sie (wieder) „gesehen“ und viel wichtiger auch genutzt bzw. gepackt werden. Das schreibe ich jetzt hier so hin, wohl im Wissen das viele jetzt gleich aufschreien werden und an die vielen Regulierungen und Kleinräumigkeit der Schweiz denken. (Wer mehr wissen will was ich meine darf sich gerne melden)

Ich kann Jedem das Reisen auf diese direkte Art mit dem Velo nur empfehlen, es müssen ja nicht gleich 6 ½ Monate und diese Länder sein. Es gibt wohl keine Alternative, bei der man so unmittelbar mit Land und Leute in Kontakt kommt. Als Backpacker reist man mit dem Bus von Stadt zu Stadt bzw. Hostel zu Hostel, mit dem Töff geht alles etwas schneller (hät’ ich mir oft gewünscht) und mit der Dose (Auto) ist man sowieso von der Hälfte des Geschehens abgeschirmt.

Wer übrigens noch mehr wissen will z.B. zur Route, zu den besten Velos die es gibt (hatten beide zusammen übrigens nur einen Defekt!)  kann mir gerne eine Email schreiben: stefan.nold(aet) gmx.ch Es kann gut sein das ich mir mit dem Antworten etwas Zeit lasse also habt etwas Geduld, danke!

So ich glaube das wäre vorläufig alles gewesen was ich noch los werden wollte. Sonst gibt’s dann halt noch einen Eintrag mehr.

Übrigens hat es im Album Nica-Costa-Pana noch neue Bilder gegeben, das Album Kolumbien wurde auch neu angelegt und enthält vor allem Bilder von Cartagena, in "unterwegs angetroffen" ist auch noch das eine oder andere Bild dazu gekommen.

So, dann schliesse ich hier mal den Vorhang, beste Grüsse und hasta luego,

Stefanino

Samstag, 22. Januar 2011

Das grosse Geld

Auf dem Rückweg ins Motel dann, winkt mir (ausgerechnet mir, was für ein Glück!) das grosse Geld. Ein gut angezogener, junger Mann kommt auf mich zu. Hola Amigo. Wow, ich habe einen Freund!
Hola. You speak english?
Jetzt geht’s auf Englisch weiter.
Jawohl, ein Bisschen.
Von wo kommst Du?
Aus der Schweiz.
Aha, Zürich, Basel, Genf.
Jawohl, Zürich.
Hey, wie lange bist Du in Cartagena?
Noch eine Woche, aber danke, ich brauche nichts.
Hey, ich habe gutes Kokain.
Danke nein, an Drogen bin ich wirklich nicht interessiert, buen Dia.
Hey, ich habe auch Marihuana.
Eben, wie schon gesagt, kein Interesse an Drogen.
Oder Pillen?
Nein, auch keine Pillen.
Hey, aber du kannst ein Kilo in die Schweiz bringen, das bringt sehr viel Geld.
Danke, nein, kein Interesse.
Aber, hey, das bringt sehr, sehr viel Geld.
Ja, danke, ich weiss, habe aber trotzdem kein Interesse.
Aber hey, Geld ist doch gut.
Ich drehe mich um, denn er läuft mir seit dem „Hola Amigo“ schon seit 100 Metern hinterher und macht sein Angebot total unverfroren, denn in diesen 100 Metern sind wir schon an zwei Polizisten (die hier an jeder Ecke stehen) vorbei gegangen.
Ich schaue ihn wütend an und sage ihm nochmals, ich hätte absolut kein Interesse an Drogen, weder für mich, noch um es in die Schweiz zu nehmen.
Warum nicht. Hey, amigo
Irgendwann gibt er es dann doch noch auf.

Irgendwie schon krass, diese Verhältnisse. Gelingt einem armen Schlucker der Schmuggel eines Kilogramms Kokain in die USA oder nach Europa, hat er auf einen Schlag soviel Geld, wie der Herr mit dem Taubenfutter in 20 Jahren verdient, wenn er Tag für Tag in jedem Wetter und jeweils während 8 Stunden am Tag im Park Maiskörner verkauft.
Absolut verständlich, dass sich immer genügend Leute finden werden, welche die Gefahr angesichts eines solchen Ausblicks ausblenden oder auch einfach auf sich nehmen und es versuchen.
Und wer könnte es ihnen wirklich übel nehmen?
Da ist doch ein Fehler im System.

Wovon leben die Leute bloss?

Cartagena, Ankunft am 11. und Abflugdatum am 27. Da habe ich mal so richtig Zeit zum Nichtstun. Nichtstun heisst in diesem Fall, sich die Stadt bis in den hintersten Winkel anschauen, Bücher lesen und Menschen beobachten.
Da setze ich mich mit einem Buch in einen der Pärke und neben dem Lesen, beobachte ich das Geschehen rundherum.
Unvorstellbar viele Leute, versuchen sich mit dem Verkauf von Kleinigkeiten über Wasser zu halten. Überall wimmelt es von Leuten, die einen Bauchladen mit sich herum schleppen, ein abenteuerliches, aus Abfall zusammen gebasteltes Wägelchen vor sich her stossen oder einfach auf einen Block Styropor einige Brillen gesteckt haben.
Jeden Morgen werde ich frühzeitig von einem Fischhändler geweckt, der wenn es noch dunkel ist, zügig durch die Gassen schreitet, über der Schulter eine Stange und an den beiden Enden je einen Eimer aufgehängt. Sein schriller Pfiff ist schon von weitem zu hören. Abwechselnd pfeift er und schreit „pescas, pescas“. Fische verkauft er, oder er versucht es zumindest, denn immer wieder kreuzt er später auch am Tag meinen Weg. In den zwei Wochen, in welchen ich jetzt hier in Cartagena bin, habe ich ihn jeden Morgen vorbei ziehen gehört und ihn auch unterwegs einige Dutzende Male gesehen. Kein einziges Mal sah ich ihn auch nur einen einzigen Fisch verkaufen.
Überall wimmelt es von Leuten, die irgend Etwas anbieten, sei es Sonnenbrillen, Kaugummis, Feuerzeuge, Luftballone alle möglichen Esswaren, Getränke usw. usw.
Im Parque de Bolivar sind teilweise mehr Menschen, die versuchen Etwas zu verkaufen, als potenzielle Käufer.
Da hat es dutzende, die Wasser in kleinen Plastikbeutelchen anbieten und dies zu 200 Peso das Stück. Das sind gerade mal 10 Rappen. Andere versuchen ihr Glück mit selbstgemachtem Eis, Kafee, Tee, Keksen, Schmuck, Hüten, oder geschnitzten Schöpfkellen.
Die meisten sind andauernd in Bewegung und rennen hin und her, quer durch die ganze Stadt und kommen vielleicht zwei Stunden später am selben Ort wieder vorbei. Nur ganz selten sieht man auch, dass der Eine oder Andere auch tatsächlich Etwas verkaufen kann.
Ein Herr ist immer hier, er verkauft Maiskörner als Vogelfutter. Da die Vögel vor allem im Parque sind, ist er als einziger immer hier. Weil ich stundenlang im Park sitze und in meinem Buch lese, kann ich ihn sehr gut beobachten.  Auch sitzt er immer auf der selben Bank und weil ich mich gleich daneben installiert habe, verpasse ich Nichts.
Die Maiskörner hat er in kleine Säckchen abgepackt und diese verkauft er für 500 Peso das Stück (also 25 Rappen).
Die erste Stunde, als ich dort sitze, frage ich mich, was er denn überhaupt mit diesen Maiskörnern will, denn das Bündelchen Körner liegt einfach neben ihm auf der Bank. Es passier erst mal gar nichts. Erst als ein kleiner Junge, vielleicht 7 oder 8 Jahre alt kommt und ein solches Beutelchen einfach an sich nimmt, geht es los.
Ich nehme an, dass der ältere Herr sein Grossvater oder sonst ein Verwandter ist, denn die beiden scheinen sich auf alle Fälle zu kennen.
Dann geht der Bub einige Schritte weg, öffnet das Säckchen und füttert damit die Tauben.
Der Alte zeigt zum ersten Mal eine Regung, indem er wie von einer Biene gestochen aufspringt, den Kleinen ohrfeigt, ihm die verbleibenden Körner weg nimmt und sagt, diese seien für die Touristen.
Der Kleine entfernt sich mürrisch, hat aber so etwas wie eine Initialzündung geleistet. Die Leute rundum sahen, wie viele Tauben sich auf die paar Körner gestürzt haben und so kann der Herr plötzlich ein halbes Dutzend der Säckchen verkaufen.
Dann geht wieder lange nichts mehr und ich frage mich, warum der Herr denn nicht schnallt, dass er einen viel grösseren Erfolg hätte, wenn er mit seinem Enkel zusammenspannen würde.
Anstatt ihn zu schlagen und zu tadeln, könnte er ihn doch anstellen, um die Tauben zu füttern und somit den Leuten zu zeigen, dass die Viecher sogar auf den ausgestreckten Armen landen und die Körner aus der Hand fressen. Der Kleine hätte seinen Spass und der Alte sein Geschäft. Aber so komplizierte Zusammenhänge scheint hier kaum einer zu begreifen.
Schliesslich bin ich geschlagene 4 Stunden auf diesem Platz und in diesen 4 Stunden hat der alte Herr, wenn ich richtig mitgezählt habe 14 solcher Säckchen verkaufen können.
Macht also 7000 Peso. Das sind 3 Franken 50. Jesses, da frage ich mich ernsthaft, wovon lebt dieser Mann? Wie um Himmels Willen kommt er zu genügend Geld für Essen, Miete und Leben?
Desgleichen all die andern Händler, die wie vom Teufel verfolgt irgendwelche Karren vor sich her schieben und versuchen ein Getränk für 2000 Pesos zu verkaufen, welches sie (und das habe ich beobachtet!) im Supermarkt für 1800 Peso einkaufen. So selten haben sie Erfolg und wenn sie dann mal eine Kola oder einen Eistee verkaufen können, dann haben sie 10 Rappen verdient. Es bleibt mir ein echtes Rätsel, wie diese Leute sich über Wasser halten können.
Eigentlich erstaunlich, dass nicht viel mehr kriminell werden. Auf ehrliche Art und Weise spult man auf diese Art ja täglich x Kilometer ab, kann sich kaum die Schuhe leisten, die man dabei zerläuft und muss zu alledem noch verhungern.

Freitag, 21. Januar 2011

Überfahrt Panama / Cartagena

Na, das war ja vielleicht wieder mal ein Abenteuer, diese Überfahrt mit dem kleinen Nussschalenbötchen, ojeeee.
Aber beginnen wir doch von vorn.
Von Panama aus kann man Kolumbien ja nicht auf dem Landweg erreichen. Das heisst, rein theoretisch könnte man, aber dazu müsste man total lebensmüde sein und eine grosse Menge Geld für Schlepper zur Verfügung haben. Genau in diesem Grenzgebiet nämlich, haben sich die letzten Reste der Farc-Rebellen (das sind diejenigen, welche immer mal wieder Touristen und Politiker entführen) zurückgezogen.
Also bleiben nur zwei einigermassen überlebbare Möglichkeiten. Die eine ist per Flugzeug, die andere per Boot.
Wir entschieden uns für’s Boot, weil wir uns noch gerne die San Blas Inseln anschauen wollten. Und dies nicht von oben.

Nun, einen regelmässigen Fährbetrieb gibt es nicht. Überhaupt gibt es keine Fähre, auch keine unregelmässige. Wenn man also von Panama nach Kolumbien will (oder umgekehrt), dann wendet man sich an die privaten Segler, die auf dieser Strecke gelegentlich oder teils auch gewerbemässig Touristen mitnehmen.
Wir suchten also im Internet nach Möglichkeiten und gelangten so an ein Hostel, das Hostel Wunderbar, in der Nähe von Portobello, welches solche Überfahrten organisiert bzw. vermittelt.
Das Hostel Wunderbar wird, wie es der Name irgendwie nahelegt von einem deutsch sprechenden Pärchen geführt. Die Silvia und der Guido haben hier eine kleine, sehr einfache Unterkunft für Backpackers aufgebaut. Einfach bedeutet, dass die WC’s und Duschen gerade mal aus einigen Schilfrohrwändchen bestehen und dass man, wenn man das Pissoir benutzen will, die Luft solange anhalten muss, weil es dort dermassen stinkt, dass es keinen Sinn macht zu atmen, weil es einem beim ersten Atemzug eh die Luft verschlüge.
Wie die auf den Namen „Hostel Wunderbar“ gekommen sind, bleibt uns schleierhaft. Ja nu, dort warteten wir also auf unser Schiff, die Iliki.
Am 5. Januar hiess es, sollte es losgehen. Wir waren schon zwei Tage vorher da und staunten, dass da bereits Leute waren, die davon ausgingen, dass die Iliki schon am 3. starten würde. Nun, uns sollte es egal sein, wir waren bereit.
Die Iliki allerdings noch nicht und so blieben wir also doch bis zum Fünften. Am Vorabend kam unser Kapitän vorbei, um uns zu informieren, wie die Fahrt verlaufen würde. Der Kapitän hiess Koni und war ebenfalls Deutscher.
Viel gab’s nicht zu instruieren. Wir mussten das Gepäck in Handgepäck und Unterbord-Gepäck trennen. Das Unterbord-Gepäck würde dann während der Fahrt irgendwo zuunterst im Rumpf unzugänglich verstaut. Gefahren würde vorwiegend in der Nacht. In der ersten Nacht sollte es zu einer kleinen San Blas Insel gehen, wo wir dann vor Anker gehen wollten, um den Tag mit Schnorcheln, Schwimmen und Sonnenbaden zu verbringen. Dann würden wir dort übernachten und am nächsten Tag zu den Cocobandera- Inseln übersetzen. Dort dann dasselbe nochmals, bevor es dann schliesslich auf die lange Reise nach Kolumbien gehen sollte. Eine Reise, die voraussichtlich zwei Tage und zwei Nächte dauern sollte.
Als wir dann am Abend des 5. zusammen mit unseren Mitreisenden und unseren beiden Fahrrädern zum Schiff übersetzten, staunten wir nicht schlecht. 8 Passagiere, ein Kapitän und zwei Fahrräder sollten auf diesem winzigen Bötchen Platz finden? Wie bloss? Ein Blick in die enge Kabine konnte diese Frage nicht beantworten, doch der Kapitän hatte die Lösung bereit. Diese hiess: Ein Bett, zwei Passagiere und vorne im Bug ein, etwas grössres Bett und drei Passagiere. Aha, super. Aber was machten wir uns da noch Sorgen über zu wenig Platz in den Betten? Unsere Bedenken stellten sich sehr schnell als vollkommen überflüssig heraus, denn ein Bett benötigt ja, wer schlafen will bzw. kann. Doch genau das konnte man ja eh absolut vergessen. Kaum waren wir nämlich aus dem Hafen ausgelaufen, begann ein solch krasses Schaukeln, dass nicht Schlafen, sondern Festklammern angesagt war. Wäre jemand, auch nur für ganz kurz, eingeschlafen, er oder sie wäre unweigerlich innerhalb von Sekunden auf dem Boden, zwischen all den herunter geschleuderten Sachen gelandet.
Abgesehen davon, stank es im Innern des Schiffs dermassen nach ausgelaufenem Diesel und Abgasen, dass es einem weniger vom Schaukeln, als vielmehr vom Gestank übel wurde. Und dann war da noch, mittendrin der Dieselmotor, welcher einen ohrenbetäubenden Lärm machte. Jesses und wie wenn das nicht schon mehr als genug gewesen wäre war in dem elenden Schiff auch noch eine feuchte Hitze von weit über 30 Grad.
Ojee, und das Schiffchen war gerade mal 10 Meter lang und die Wellen 5 Meter hoch. Man stelle sich vor, wie es einem da herum wirft. Nach und nach entdeckten wir zudem (teils wirklich ernsthafte) Mängel. Keine Luke würde sich im Notfall schliessen lassen, denn bei allen waren die Schrauben, teils auf einer, teils sogar auf beiden Seiten abgebrochen. Über einen funktionierenden Funk verfügte das Schiffchen nicht und auch ein Autopilot fehlte. Bei der mitgeführten Rettungsinsel war zufälligerweise grad die Zahl, welche die Anzahl Plätze angeben sollte weggekratzt und die gesamte Navigation lief über einen normalen PC mit USB Stick. Nix da mit Sattelitenverbindung, nix da mit Notruf, wenn mal was schief gehen sollte. Nicht-Atheisten hätten jetzt wohl vorsorglich mal zu beten begonnen.
Atheisten bleibt in solchen Situationen nur das Fluchen. Nutzen dürfte beides in etwa gleich viel, bzw. wenig, bzw. nichts.
Ui, waren wir froh, als wir am Morgen in die Lagune der San Blas Inseln einfuhren. Und noch mehr, als froh, waren wir müde. Nicht gerade aufbauend wirkte der Masten eines anderen Bootes, welcher aus dem Meer ragte und an welchem wir ganz nahe vorbei fuhren.
Auf meine Frage, was das denn sei, meinte unser Kapitän lakonisch, das sei ein anderes Backpacker-Boot, welches vor etwa 5 Wochen hier gesunken sei. Es wäre sehr stürmisch gewesen an diesem Tag und da sei das Schiff aufs Riff aufgelaufen und innerhalb kürzester Zeit gesunken. Die Passagiere, kam er unserer unweigerlich nächsten Frage zuvor, hätten sich aber alle mit dem Dingi (dem kleinen Schlauchboot, welches jedes Schiff mit sich führt) auf die benachbarte Insel retten können.
Ja, ja, so schnell kann’s manchmal gehen.
Wir ankerten in Sichtweite dieses Unfalls und als es hiess, wir könnten von hier aus Schnorcheln gehen, verschwanden wir natürlich in Richtung des Fracks.
Den Unfall konnte man ganz genau nachvollziehen, denn unter Wasser hatte das Schiff eine ziemliche Schneise in das Korallenriff gezogen und diese Schneise war übersäht mit verschiedenen Gegenständen, mit Gabeln, Löffeln, einer Funkanlage, Benzinpumpen, Seilen, Hacken und allerlei Gerümpel, welcher aus dem grossen Riss im Rumpf gefallen sein musste, als das Schiff im Sturm über das Riff schrabbte. Auch das Schiff selber lag in vielleicht etwa 7 bis 10 Metern Tiefe und durch die Bullaugen konnte man noch die Rucksäcke und Taschen der bemitleidenswerten Passagiere sehen. Wenn wir nicht gewusst hätten, dass eine Woche später eine Bergungsaktion geplant war, wir hätten das Frack prompt geplündert.
Zurück beim Schiff, beschlossen wir, die Nacht nicht nochmals in einem schaukelnden und übelriechenden Schiff zu verbringen. Gut hatten wir beide daran gedacht, unsere Hängematten ins Handgepäck zu nehmen, so konnten wir auf der winzigen Insel, auf welcher grade mal zwei Kuna - Familien lebten übernachten. Im Gegensatz zu unseren Mitreisenden hatten wir sogar eine improvisierte Dusche.
Man stelle sich vor, auf dem Schiff gab es keine Dusche, nur gerade mal eine winzige Toilette. Da kam man also aus dem salzigen Meerwasser und wenn man sich hätte duschen wollen, hätte man dazu eine Flasche mit Trinkwasser verwenden müssen.
Na ja, das Trinkwasser war auch so ein Kapitel, aber lassen wir das aus. Auf der Insel hatte es doch tatsächlich ein kleines Wasserloch mit Süsswasser. Aus diesem schöpften wir einige Eimer Wasser und konnten uns so geduscht in die Hängematte legen.
Auch die anderen Passagiere hatten Etwas von unserem Inselausflug, denn so hatten sie doch zumindest ein zusätzliches Bett zur Verfügung.
Jesses, fast hätte ich das Thema Essen vergessen.
Ach was, vergessen wir’s getrost.
Unser Kapitän war in seinem früheren Leben mal Koch.
Da war nicht mehr viel davon übrig.
Was heisst nicht mehr viel? Nichts. Absolut nichts!
An einem Abend gab’s beispielsweise Bimbo-Brot (das ist das Toastbrot, welches man ein Jahr lang aufbewahren kann, ohne dass es schlecht wird. Es kann gar nie schlecht werden, weil es schon miserabel ist, wenn es verpackt wird. Dazu nackte Würstchen und Ketchup. Die vegetarische Variante war dann einfach ohne Würstchen. Jürg machte einfach eine Fünftagediät, denn auf den Inseln gab’s das Eine mal Fisch und das andere Mal Lobster (das sind Krebse). Nun wussten wir auch, was Silvia meinte, als sie in einem Mail schrieb, dass ich auch als Vegetarier nicht verhungern würde. Logisch, 5 Tage reichen zum Verhungern nicht!
Am Nachmittag des nächsten Tages machten wir dann wieder Leinen los und zogen den Anker an Bord.
Weiter ging’s, nach Cocobandero. In der Nacht dasselbe. Schaukeln, dass es die Kochtöpfe (natürlich alle, auch die Vollen) vom Herd fegte. Jesses, ist das nach solch einem Geschaukel ein Segen, wieder in ein Riff einlaufen zu können. Wunderschöne Inseln, mit weissem, ungemein feinem Sand und Kokospalmen warteten auf uns. Auch hier schnorchelten wir und schwammen von Insel, zu Insel. Jürg holte einige Kokosnüsse von den Palmen.
Am Abend war geselliges Beisammensein mit Bier und Lobster angesagt. Jürg zog sich sogleich in seine Hängematte zurück, da er nicht mit ansehen wollte, wie die armen Viecher lebendig auf die Glut gelegt werden. Ist ja auch ziemlich pervers, dieselben Leute, welche beim Schnorcheln ganz aus dem Häuschen geraten, wenn sie ein solch schönes Tier sehen, legen ohne Bedenken 8 dieser armen Viecher ins Feuer, um am Schluss einige Gramm davon zu essen (der Rest wird zurück ins Meer geworfen). Am nächsten Tag war ein letztes Mal Baden angesagt, dann gings’s gegen Abend weiter. Kaum an der engen Passage, zwischen den Korallen vorbei, stieg doch tatsächlich unser Schiffsmotor aus. Ein denkbar dummer Ort. Draussen auf dem offenen Meer wäre es weit unproblematischer, als ausgerechnet hier, so nahe am Riff. Wir haben nur mal gerade einige Dutzend Meter Abstand und müssen hier dringend weg. Das lässt einem natürlich gleich an das gesunkene Boot vom Vortag denken. Glücklicherweise lief genau zur selben Zeit ein anderes Boot aus und wir konnten uns erst mal anhängen. Hagen (das war der Kapitän des anderen Schiffes) schleppte uns also auf’s offene Meer, derweil unser Kapitän, mit Schraubenschlüsseln und Zangen im Motorraum verschwand. Eine Dieselleitung schien verstopft. Kunststück, bei dem Geschaukel wirbelt es ja jeden Dreck im Tank auf. Nach einer bangen Zeit versuchte er den Motor wieder zu starten, was nach einigen Fehlversuchen zum Glück dann doch noch gelang. Wir können die Leinen also wieder los machen und in Richtung Cartagena tuckern.
Tuckern ist der richtige Ausdruck, denn wir haben den Wind präzise gegen uns, so dass die Segel zu nicht viel Nütze sind und wir vor allem per Motor vorwärts kommen müssen. Und das bedeutet, mit sagenhaften 8 Kilometern pro Stunde.
Cartagena ist über 200 Kilometer entfernt! Man rechne. Oder doch besser nicht. Festhalten ist angesagt. Jürg liegt auf dem Bett und irgendwann gibt er auf, neben sich auch noch die Matratze halten zu wollen. Diese rutscht langsam unter ihm weg und plumst wie schon alles Andere irgendwann auf den Boden.
Der Ungarin ist schlecht, sie hat schon kurz nach der Abfahrt alles (wohl auch den armen Lobster) wieder über Bord gegeben. Irgendwann wankt sie durch’s Schiff, schlägt sich hier den Kopf, dort den Arm und an einem anderen Ort das Bein an. Unter grösster Kraftanstrengung versucht sie die Türe zur Toilette zu öffnen, als sich das Schiff unvermittelt auf die andere Seite legt. Jetzt schlägt ihr die Türe, die sie eben noch aufzustemmen versuchte hart an den Kopf und sie fällt nach hinten an ein Gestell. Schluchzend steht sie wieder auf und plumpst schliesslich ins Klo. Kaum ist sie drinnen wirft sich das Schiff erneut sehr energisch herum und Jürg hört den dumpfen Aufschlag Ihres Kopfes an der Toilettentüre.
Die ärmste konnte ihr Geschäft in dieser Zeit unmöglich erledigt haben, da stösst sie die Türe wieder auf und geht, von einem Heulkrampf geschüttelt wieder in ihr Bett, dass sie mit ihrem Mann und mit ihrem Sohn teilen muss. Noch Minuten lang ist ihr hysterisches Schluchzen trotz des lauten Motors und der ans Schiff brandenden Wellen deutlich zu hören. Jürg fragt sich, ob sie jetzt ihr Geschäft vergessen hat, oder ob sie nun einfach ins Bett macht.
So verbringen wir also eine erste Nacht, gänzlich ohne Schlaf, Jürg in der lauten, heissen und stinkenden Kajüte und Stefan auf Deck. Weil wir ja nur einen Kapitän und keinen Autopiloten haben, müssen auch die „Kunden“ ran und so übernimmt mal der eine oder der Andere die Arbeit am Ruder. Zufälligerweise haben wir auch noch zwei ausgebildete Kapitäne an Bord. Die Ungarin, die gerade mit einem Heulkrampf in der Kajüte liegt und auch ihr Mann haben das Patent. Aber auch der Stefan ohne jede Segelerfahrung wird einfach mal hinters Ruder gestellt.
Ganze zwei Tage und zwei Nächte geht das schliesslich so. Ein ganzer Teil der Besatzung, darunter auch die ungarische Familie und Jürg bleiben einfach unter Deck und sind vollauf damit beschäftigt, sich fest zu klammern. Zwischendurch steigt mal wieder der Motor für eine zeitlang aus und muss repariert werden oder es reisst der Keilriemen der Lichtmaschine. Dann geht lange Zeit nichts mehr und wir sind noch mehr ein Spielball der Wellen.
Am Morgen des zweiten Tages dann wird das Meer, in Küstennähe endlich friedlicher und alle kraxeln wieder an Deck. Ein erhebendes Gefühl, in der Ferne die Grosstadt Cartagena nahen zu sehen.
Endlich können wir dort wieder an Land. Alec, der Ungar mit dem Kapitänspatent meint, er wäre froh, dass wir es geschafft hätten, denn eine solche Überfahrt sei schlicht verantwortungslos.
Nach einem solch enormen und mehrtägigen Geschaukel ist es echt schwierig, sich ans Nichtschaukeln zu gewöhnen und immer wieder glaubt man, es schaukle auch an Land weiter.
Im Supermarkt schaukeln die Gestelle, im Park die Bäume und im Hostel das Bett.
Es dauert ganze zwei Tage, eh man wieder richtig Tritt fasst.






Von Costa Rica nach Panama

Hallo Zusammen

Nun können (und wollen) wir uns wieder melden. War die letzten paar Wochen schwierig bis unmöglich, da wir sowohl in Panama City als auch in Puerto Lindo nur einen sehr langsamen bzw. keinen Internetzugang hatten. Auf dem Segelschiff rüber nach Kolumbien war natürlich
das www auch nicht verfügbar und in Cartagena haben wir uns zuerst ein paar Ruhetage gegönnt.
Aber erst mal der Reihe nach, der letzte Eintrag liegt ja schon 4 Wochen zurück.


Nachdem wir von Elena und Hans in San Jose abgefahren waren ging es zuerst Richtung Pazifikküste runter, San Isidro de Heredia (wo Hans und Elena wohnen)
liegt doch auf knapp 1500 MüM. Über einen unspektakulären Ort Namens Corotina gelangten wir an die Küste. Diese Küste war ziemlich touristisch und wir sahen
viele "Lots for sale" und "stunning views condominios" die halb fertiggebaut bereits wieder am verfallen waren. Hier hat die Finanzkrise offenbar auch Spuren
(der Amerikaner) hinterlassen.

Nun denn, in Dominical (kleines Surferkaff) liessen wir uns in einem netten Hotel nieder welches von einem Holländer und seiner Tica Frau geführt wird.
Es gefiel uns dort so gut, dass wir gleich 3 Tage bleiben, auch um auch einem allfälligen Engpass von Hotelzimmern über Weihnachten zu entkommen.
Das dazugehörende Restaurant tat sein Übriges das wir uns rundum wohl fühlten.

Später gings weiter Richtung Panama und waren gespannt ob wir Anina und Claudio antreffen würden. Die Beiden (auch aus der Schweiz) waren eben in Panama
zu ihrer Velotour gestartet. In Palmar Norte, einer der unzähligen, gesichtslosen und nicht besonders schönen Orte die wir immer wieder auf unserer Reise
hatten trafen wir die beiden an. Wir machten uns zusammen einen gemütlichen Abend vor unserem Motelzimmer und deckten die Beiden mit vielen Informationen
ein die wir im Verlaufe unserer Reise gesammelt hatten. Es war spannend Leute zu treffen die eben am Anfang ihrer Reise standen und wir, die praktisch am
(revidierten) Ziel der Reise angekommen waren. Für uns war es auch eine Art Rückblick, waren wir doch schon 5 Monate unterwegs und hatten gut 8500 km in den Beinen.
Am nächsten Tag gings weiter nach Ciudad Neily, unserem letzten Ort in Costa Rica bevor wir nach Panama einreisten.

In Costa Rica hat es mir soweit gut gefalllen, allerdings wird das Land von Touristen ziemlich überflutet, vorallem von den zahlungswilligen Amerikanern!
Wie in den anderen zentralamerikanischen Staaten auch ist hier vieles über Touroperators organisiert, Unternehmungen auf eigene Faust sind nicht angesagt, schade!
Aber klar, die Natur ist in CR schon sehr schön und die vielen Vögel und Krokodile die wir einfach so am "Strassenrand" sahen bleiben uns immer in Erinnerung.

Die Einreise nach Panama erwies sich als die aufwendigste, sowohl in finanzieller als auch in zeitlicher Hinsicht. Costa Rica lies uns einen Stempel reicher im Pass
schnell und rasch ausreisen, auf der panamesischen Seite hatte es eine lange Schlange vor dem Büro der Migracion. Während der Wartezeit füllten wir eines
der in all' diesen Ländern beliebten Formulare aus, weiss der Teufel was die damit später machen, aber egal. Als wir dann am Schalter an der Reihe waren
mussten wir nachweisen, dass wir über genügend Geld verfügten, eine erste Adresse in Panama angeben und ganz wichtig ein Ticket vorweisen welches eine
Ausreise aus Panama beinhaltete. Da half weder das echte von Jürg noch das von mir gefälschte Rückflugticket von Chile! Alles Zureden brachte nichts, wir mussten
schlussendlich ein Busbillet kaufen, dass von Panama City nach San Jose (CR) führte! 15 Dollar für nichts. Am liebsten hätte ich den Grenzbeamten gefragt ob er den
tatsächlich glaube, dass ich in seinem wunderbaren Panama "hängen" bleiben würde als wieder in das Schlaraffenland Schweiz zurück zu kehren. Wenn die wüssten
wie es bei uns ist hätten (zumindest wir Schweizer) sicher keine Ausreiseticket benötigt. Aber egal, schlussendlich waren wir dann doch in Panama und freuten
uns, dass die Panamericana mit einem Schlag plötzlich zweispurig und mit einem breiten Seitenstreifen ausgestattet war. Unser Ziel war David, die zweitgrösste
Stadt von Panama. Von dort wollten wir für die nächsten 400km den Nachtbus nehmen, da wir sonst unser Schiff welches am 6. Januar auslaufen sollte nicht erreichen
bzw. es mit dem Velo einen unnötigen Stress geben würde.
Die Fahrt mit dem Nachtbus war mal wieder alles andere als entspannend, trotzdem das der Bus mit "Dios mi amor" und "Dios mi camino" und sonstigen
Glaubenssprüchen "verziert" war. Weniger Dios und weniger Überholen dafür mehr Menschenverstand wäre sicher besser, aber die Leute glauben nun halt immer noch
sehr stark an diesen komischen Dios der fast alles falsch macht.

In Panama City angekommen suchten wir zuerst ein Hotel, wollten wir doch ca. 4-5 Tage in der Stadt bleiben um auch z.B. den Panamakanal bzw. die Schleusen
anzusehen. Panama City hat grob gesagt 2 Stadtteile, einen neuen mit unglaublich vielen Hochhäusern wo aber nur sehr wenig Leben ist
(besonders über die Weihnachtszeit bzw. Neujahr) und einen alten Stadtteil der zwar zum Teil sehr heruntergekommen ist
(dort sind auch ein paar Quartiere wo man als Tourist nicht hingehen sollte), dafür aber mit umsomehr Leben. Wir fanden im alten Stadtteil ein Hotel
das sehr zentral gelegen war. Später erfuhren wir, dass dieses Hotel 1903 für die leitenden Angestellten der Panamakanal Verwaltung gebaut worden war, die
Raumaufteilung und auch das Interieur (z.B. die Betten) waren immer noch original aus der Zeit.

Das Casco viejo (der alte Stadtteil) ist eben daran, sich wie zu verwandeln. Früher war es das noble und schöne Viertel von Panama City. Mit der Zeit verliessen die wohlhabenden Leute mehr und mehr diesen Stadtteil um sich weiter draussen neue Häuser zu bauen. Dafür kamen einfache Leute in den Stadtteil rein und wohnten fortan dort. Dadurch das praktisch nichts abgerissen worden ist, ist die ganze originale Bausubstanz vorhanden,  wenn auch in einem total heruntergekommenen Zustand.
Der ganze Stadtteil ist mittlerweilen zum UNO Weltkulturerbe erklärt worden. Die Leute interessieren sich wieder für diesen Stadtteil und beginnen, die
Häuser zu renovieren. Das führt dazu, dass neben einem Abbruchhaus aus dem Bäume wachsen ein total renoviertes Haus steht in welchem ein
teures Restaurant untergebracht ist bzw. ein Eselskarren neben einem BMW X5 parkt. Wenn die Entwicklung so weiter geht wird in 10 Jahren das Casco Viejo ein  richtiges Schickimicki Viertel sein und
die jetzigen Bewohner müssen sich ein neues Zuhause suchen.
Ansonsten ist Panama City jedoch einer der dreckigsten Städte die ich je sah, sicher jedoch die dreckigste auf unserer ganzen Veloreise.

Der Besuch des Panamakanals und dessen Schleusen war ganz interessant aber bei weitem nicht so eindrücklich wie ich das erwartet hätte, vielleicht
lag es auch daran, dass der (amerikanische) Lonely Planet einmal mehr mit Superlativen (awesome, awesome, awesome) nicht geizte. Sicher, die Schiffe
sind gross die da in die Schleusen reinfahren und gehoben werden, viel Platz bleibt da links und rechts nicht.
Ich persönlich war aber z.B. vom Kanal von Korinth (Griechenland) bzw. den Kanalüberführungen in Frankreich viel mehr beeindruckt.
Kanalüberführung bedeutet übrigens, dass ich mit dem Kanu auf dem Fluss (der Loire) war und eine Brücke, die über die Loire führte auch ein Wasserweg war.
Komisch wenn man da im Kanu sitzt und auf der Brücke über einem ein Schiff entlang schwimmt bzw. fährt.

Nach 5 Tagen waren wir ganz froh, aus Panama City rausfahren zu können. Zuerst dem Panamakanal entlang gelangten wir in 2 Tagen an die Atlantikküste wo wir
in Puerto Lindo auf unser Segelschiff warteten. Doch dazu mehr in einem sepraten Eintrag.

Natürlich haben wir ganz viele neue Bilder hochgeladen, ihr findet sie im Album Nica-Costa-Pana .










Dienstag, 21. Dezember 2010

Wiedersehen nach knapp 30 Jahren

Leider erst in Mexico dachte ich darüber nach ob es Leute gibt, die ich (auch von früher her) kannte und die eventuell auf unserer Reiseroute liegen würden um sie zu besuchen. Plötzlich dachte ich an Elena und Hans die gute Freunde von meinen Eltern waren. Sie wohnten Ende 70-er bis Anfangs der frühen 80-er Jahren in der Nachbarschaft von uns in Wettingen. Das letzte Mal als ich sie sah muss ich knapp 7 Jahre alt gewesen sein. Dank Google & Co. hatte ich via Martin (dem Sohn der beiden) schnell die Emailadresse von Elena gefunden.

Kurzerhand schrieb ich ihr eine Email um den Kontakt aufzubauen. Wie wenn keine 30 Jahre dazwischen gelegen wären schrieb sie mir sehr schnell zurück und lud uns gleich zu ihnen nach Hause - in der Nähe von San Jose- ein.

Ich war natürlich sehr gespannt auf die beiden, hatte ich sie -wie bereits geschrieben- das letzte Mal im Jahre 1981 gesehen!
Tja was soll ich sagen, der Empfang war einfach umwerfend und sehr, sehr herzlich! Elena und Hans liessen uns ihr Gästehaus, La Casita zur freien Verfügung, wo Jürg und ich uns bestens einrichteten. Auch die 7 Hunde von ihnen hatten an Jürg eine wahre Freude, besonders die blinde Luna!

Wir blieben insgesamt 6 Nächte dort. Dadurch hatten wir viel Zeit um mit Ihnen (zum Teil sehr) engagiert zu diskutieren und mehr über sie zu erfahren. Wenn ich Erdenbürger nennen müsste, dann die beiden. Einfach unglaublich wo die schon überall waren und auch familiär her stammen, es kommt alles vor: Schweiz, Italien, Argentinien, USA, Mexico, Kolumbien, Holland, Venezuela, Indonesien, Costa Rica etc.

Besonders spannend fand ich auch, mehr über Costa Rica zu erfahren, sie waren eine eigentliche „Wissensquelle“.  Während den 6 Tagen waren sie einmal bei Nachbarn zum Essen eingeladen wo wir auch mit gehen konnten. Kathleen (ursprünglich aus Irland) und Loreno (aus Italien) waren ein sehr freundliches und herzliches Gastgeberpaar. Wir assen dort die beste Pasta auf der ganzen Reise, ich würde sogar sagen es war definitiv eine der besten Pasta’s in meinem ganzen Leben! Für mich als neugieriger Mensch war es auch interessant, in das Leben anderer Menschen einen (kleinen, kurzen) Einblick zu erhalten.

Ein besonderes Highlight war sicher auch der ganztägige Ausflug mit Hans zum Irazu Vulkan (3300 MüM) und dem Lago de Cachi. Wir hatten bestes Wetter und Hans führte uns auch noch in ein sehr gutes Restaurant. Hans, Du warst ein toller „Reiseleiter“ und noch viel mehr.

Nun denn, alles hat sein Ende und so fuhren wir schweren Herzens am Sonntag Richtung Pazifikküste an der wir bis zur Grenze nach Panama entlang fahren werden.

Elena und Hans, ganz lieben Dank für die tolle Zeit, der Besuch bei euch wird mir immer in bester Erinnerung bleiben. Wenn ihr das nächste Mal in der Schweiz seid machen wir ein Reunion Abend zusammen mit Astrid und Nani, okay?  Pura Vida!

P.S. Natürlich hat es wieder ganz viele neue Bilder gegeben. Diesmal auch ein paar Familieninterne. Im Gästehaus von Elena und Hans „entdeckte“ ich Fotoalben. Ich staunte nicht schlecht, als mich selber und weiter gute, alte Freunde darin sah.



Zwei oder sogar noch mehr Rekorde am selben Tag

Ojjeee, wir ahnten ja noch nicht, was uns an diesem Tag (übrigens dem 155.) bevorstehen würde, als wir unbekümmert in Agua Zarcas auf unsere Fahrräder sassen und los fuhren.  Schon nach der ersten Kurve konnten wir sehen, wie die Strasse vor uns in schnurgerader Linie auf den Berg nach oben führte. Eine so steile Strasse hatten wir bislang vielleicht dreimal auf den gesamten zurückliegenden 8000 Kilometern. Aber da handelte es sich jeweils um einige Dutzend Meter. Hier schien die Strasse endlos. Ja nu, wir wussten, dass wir an Höhe gewinnen mussten, um nach San Isidro de Herdia zu gelangen und so mühten wir uns und unsere fast 70 Kilogramm schweren Fahrräder den Berg hinauf.

Was uns dann nach etwa 5 Kilometern steilsten Anstiegs oben erwartete, war schlicht gemein. Nicht, dass die Strasse jetzt flacher wurde oder sogar eben. Nein, fluchend über die Costa Ricanische Strassenführung sausten wir wieder hinunter, wohlgemerkt ins genau gleiche Tal, von welchem wir eben gerade heraufgestrampelt waren. Das Selbe gab’s dann noch weitere drei male, bis wir schliesslich in San Miguel ankamen.

Was jetzt folgt, lieber Leser ist kaum vorstellbar und es leider lässt sich wohl nicht wirklich passend beschreiben. Schon in San Miguel beginnt eine so krasse Steigung, dass es Jürg immer mal wieder das Vorderrad von der Strasse abhob, wenn er etwas zu weit nach hinten lehnte. Kilometerweit präsentiert sich nach jeder Kurve wieder ein genauso steiles Stück Strasse. Wenn uns mal ein Auto entgegen kam oder überholte, dann jolten die Leute aus dem Wageninnern und feuerten uns an. Bestimmt hielten die uns für vollkommen übergeschnappt, vor Allem, da diese ja wussten, was da noch vor uns Ahnungslosen lag. Einer streckte uns sogar einen Schokoriegel zur Stärkung entgegen. Zu allem Überfluss setzte nun auch noch der Regen ein und es stieg Nabel aus den Tälern. Ja nu, nasser als wir schon vom Schwitzen her waren, konnten wir nicht mehr werden.

Als dann schliesslich auch noch fertig mit Asphalt war und die Strasse sich langsam dem Zustand eines Flussbeets näherte, machten wir einen kleinen Halt und beschlossen, bei der nächsten Möglichkeit zu versuchen irgendwo unter zu kommen, schliesslich ging es schon gegen 4 und um 5 ist es in diesen Breitengraden um diese Jahreszeit Stockdunkel. Ups, hatten wir überhaupt irgendetwas, wie eine Herberge oder ein Hotel gesehen, in den letzten zwei oder drei Stunden? Nein, nichts Dergleichen.

So blieb uns also nichts Anderes übrig, als zu strampeln und zu hoffen. Im Gegensatz zu Kim, der in solchen Situationen zu beten pflegt, konnten wir, weil wir ja wissen, dass es Gott nicht gibt, einfach nichts als Strampeln und Hoffen. So strampelten wir weiter von Kurve zu Kurve und hinter jeder Kurve tat sich eine weitere Strecke mit unmenschlicher Steigung (der Kirchrai in Wallisellen ist flach dagegen) und ebenso gemeinen Schlaglöchern vor uns auf. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 Stundenkilometern kämpften wir uns die regnerischen, nebligen, steilen und schlaglochübersäten Hänge hoch. An einigen Stellen mussten wir durch Bäche fahren und an anderen Stellen war die Strasse nur sehr provisorisch repariert, da das alte Trasse den unsäglich steilen Berg hinunter gerutscht sein muss. Nach fast 1800 Höhenmetern tauchte doch linkerhand tatsächlich ein Restaurant auf.
Ach lieber Leser, stell Dir nun bitte nicht ein Restaurant vor, wie wir es irgendwo in Europa kennen. Nö, das war eine nach zwei Seiten offene Blechbude mit einem Feuer in der Mitte, eine zügige Bude mit drei Tischen und einem halben Dutzend Stühlen. Wir setzten uns tropfnass hin und bestellten je ein Getränk und Essen (zum Glück für Jürg war der Eintopf, den sie da anboten doch tatsächlich ohne Fleisch!).
Jürg dampfte regelrecht. Gefragt, ob es denn irgendwo da oben ein Hotel oder so gäbe, meinte der Herr, welcher uns das Essen brachte, dass in etwa zwei Kilometern ein Hotel komme, übrigens, das Einzige weit und breit. Gottlob bzw. natürlich zum Glück. Da es draussen inzwischen dunkel geworden war und mangels Licht drinnen auch, beschlossen wir das letzte Stück noch unter die Räder zu nehmen.
Auch die nächsten zwei Kilometer, die sich dann aber als 4 herausstellten (und das bei durchschnittlich 4 Stundenkilometern!) waren genauso steil, nass und voller Pfützen, wie die vorangegangenen weissnichtwieviele.

So kamen wir tropfnass und hundemüde endlich bei der besagten Hotelanlage an.
Ui dieses Hotel schien sich aber schon etwas von allen Vorangegangenen zu unterscheiden. Gerade einen günstigen Eindruck machte die Lobby nicht, auf uns. Ja nu, mal rein und fragen.
Entschuldigung, haben sie noch ein freies Zimmer für zwei Personen?
Claro que si.
Was würde uns das kosten?
Wir bekamen einen Prospekt vorgelegt, mit je einem Bild des kleineren Zimmers und einem des grösseren Zimmers. Ups, uns würde eigentlich ein Zimmer genügen, wir bräuchten keinen Palast. Die Zimmer auf den Bildern waren einfach riiiiesig, mit Cheminee, einem unbeschreiblichen Bad, mit Jacuzzi, Wasserfallduschen, einem enorm grossen Himmelbett, Stereoanlage und einem immensen Balkon, auf welchem man sich verlaufen könnte.
Leerschluck. Was kostet denn das kleinere Zimmer? 300 Dollar das Kleine und das Grosse 400. Aha. Wir mussten nicht lange überlegen. Wir hatten absolut keine Lust, draussen in der Kälte unser Zelt aufzubauen, also entschieden wir uns für das Kleine. Der freundliche Herr an der Rezeption schlug uns vor, uns das Grosse zum Preis des Kleinen zu überlassen, was wir natürlich mit Freude akzeptierten.
Die Fahrräder sollen wir ruhig mit aufs Zimmer nehmen, meinte er. Als wir alles Geschäftlich erledigt hatten, führte er uns zum Zimmer oder besser gesagt zur Suite. WOW, was wir da bekamen für die 300 Dollar, war jeden Cent wert.

Unfassbar, da hatte es einen Jacuzzi innen, eines aussen auf dem Balkon, eine Wasserfalldusche, eine normale Dusche, ein Cheminee, welches er gleich anzündete und es war einfach riiiiesig.
Wir nahmen gleich ein Sprudelbad und kochten uns danach auf dem Balkon Spaghetti welche wir vor dem Kaminfeuer genüsslich assen.

Einfach königlich schliefen wir im Himmelbett und am Morgen konnten wir uns nach einem üppigen Frühstück noch den hauseigenen Zoo anschauen.
Unglaublich, zu diesem Hotel gehört ein immenser Park, mit Raubtiergehegen, einem Affenhaus, einem Schlangenhaus, einem Schmetterlingshaus, einem Haus für Vögel, einem für Frösche usw. usw.

Absolut erholt und um 300 Dollar erleichtert nahmen wir dann am nächsten Tag die weitere Strecke in Angriff.  Diese führte uns schliesslich, mit endlos steilem Anstieg auf 2150 Meter.
Tag 155 war definitiv der Tag mit der grössten Steigung und auch derjenige mit der absolut teuersten Übernachtung (rund 5 mal so teuer, wie die bislang teuerste!)
Aber es hat sich gelohnt.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Eine Wendung - nicht ganz unerwartet (Stefan)

Tja, der eine oder die andere wird schon ahnen um was es geht......

Ich werde die Reise in Cartagena (Kolumbien) beenden.

Die Gründe sind vielfältig, es gibt keine eigentliche "Hauptursache" für meinen Entscheid.

Fest steht, dass ich im "allgemeinen" reisemüde geworden bin.
Jeden Tag weiter fahren, am Abend eine Übernachtungsmöglicheit suchen, dann sich
noch um das Essen kümmern und am nächsten Tag wieder weiter pedalen riefen bei mir gewisse Abnützungerscheinungen bzw. "Alltagsroutinen" hervor.
Ich fragte mich mit der Zeit was ich hier eigentlich mache und ob es das ist, was ich suchte und wollte: Aufstehen, Velofahren, essen, schlafen. Aufstehen, Velofahren, essen, schlafen. Jeden Tag, jede Woche.
Obwohl mir das Vorwärtskommen mit dem Velo bis anhin Spass gemacht hat bin ich mittlerweilen der Meinung,
für eine Reise durch diese Länder und mit dieser grossen Distanz ein motorisiertes Fahrzeug (Töff) für mich die bessere Wahl gewesen wäre.
Viele der durchfahrenen Gebiete waren es aus meiner Sicht nicht "Wert", sie mit 18 Km/h zu bereisen. Endlose Kuhweiden, Wälder etc. sehen mit der Zeit alle gleich aus. Hier war ich vielleicht etwas ungeduldig, ich wäre dort gerne schneller vorwärts gekommen und hätte dafür an den schönen Orten (Highlights) mehr Zeit gehabt.
Desweiteren sind wir mit dem Velo praktisch immer auf den Hauptstrassen bzw. in den Städten unterwegs. Mich würden halt (oder vor allem) auch die abgelegenen Orte und Hotels reizen.
Aber mit dem Velo macht man halt nicht mal eben einen Abstecher von 15 km hinunter an einen Strand, auf einen Hügel rauf etc.

Als äusserst kommunikative und gwundrige Person störte mich im Verlaufe der Reise auch immer mehr, dass ich mit meinem Spanisch halt doch auf den Standardsituationen wie Essen bestellen, Hotelzimmer buchen und anderem Smalltalk "hängen" blieb. Wir hatten wirklich viele interessante Begegnungen bei denen ich oft mehr Tiefgang in den Gesprächen gewünscht hätte (und vom Gegenüber auch gekommen sind) , wäre da nicht mein limitiertes Spanisch gewesen.
Von Jürg konnte ich (leider) nicht mehr erwarten, er ist ziemlich Spansich "resistent", andererseits ist ihm der (tiefgründigere) Kontakt mit den angetroffenen Personen nicht so wichtig wie mir.

Ein weiterer, ganz wichtiger Grund ist natürlich Tom, mein Mann und Lebenspartner. Es war für mich sicher die grösste Hypothek die diese Reise mit sich brachte, nach 13 Jahren intensiver und abwechslunsgreicher Partnerschaft für ein Jahr ohne ihn zu verreisen und ihn in der Schweiz zurück zu lassen.
Ich kann ihm nur ein Kompliment machen: Er liess mich ziehen und "engte" mich nicht ein. Auch mein jetziger Entscheid entstand nicht auf Druck von ihm. Danke für diese Freiheit Tom!

Abschliessend muss ich sagen das da auch noch eine Art Heimweh dazu kommt, obwohl ich mich in den 160 Tagen nie wirklich unwohl gefühlt habe. Und trotzdem, die vertraute Umgebung, ein Umfeld das meine Muttersprache spricht, ein gewohntes Essen, etc. sind Dinge die mir schon fehlen.
Auch der unmittelbare Kontakt/ Anblick der (zum Teil) krassen Armut der in vielen der durchreisten Länder herrscht setzte mir zu, auch wenn meine
Rückkehr nichts an der Situation der Leute dort verbessert.

Nun denn, bis zu meiner Rückkehr sind es jetzt noch gut 6-8 Wochen. Vorerst geniesse ich Costa Rica wo wir gegenwärtig sind. Dann gehts weiter nach
Panama und als krönender Abschluss (mindestens für mich) setzen wir mit einer Segeljacht via den San Blas Inseln nach Kolumbien über.

Ihr könnt euch also auf weitere Blogeinträge freuen; Fotos knipsen wir natürlich weiterhin und laden die auch hoch.

Beste Grüsse aus Costa Rica,

Stefan

Wie weiter? (Jürg)

Costa Rica, Tag Nummer 151.

Nun, nach 150 Tagen hat auch Stefan beschlossen, demnächst (voraussichtlich in Cartagena, Kolumbien) wieder nachhause zu fliegen. Claudio hatte das Heimweh ja bereits nach 5 Wochen gepackt.
Für mich keine so einfache Situation. Mir macht das Reisen mit dem Fahrrad noch immer Freude. Die verschiedenen Länder, die wunderbaren Landschaften, die Natur und auch die Begegnungen sind mir die Strampelei und auch die Entbehrungen, die eine solche Reise mit sich bringt noch immer absolut wert. Trotzdem werde ich dann wohl auch den Weg nachhause einschlagen. Alleine weiter zu radeln ist mir aus verschiedenen Gründen zu anstrengend (Sicherheit, Langeweile, wenn ich monatelang alleine durch die Landschaft radle ohne die Eindrücke teilen zu können und schliesslich die Gepäcksituation). 
Schon als Claudio uns verlassen hatte, mussten wir die ganzen Kochsachen von ihm übernehmen, jetzt kämen noch die Werkzeuge, Ersatzteile und der Laptop dazu, dabei schleppe ich bereits gegen 70 Kilo mit mir herum.
In den nächsten Wochen werde ich mich noch umschauen, ob grad ein anderer Radler (der genau weiss, was so eine Tour mit sich bringt) im etwa selben Zeitrahmen die vorgesehene Strecke unter die Räder nimmt. Dann würde ich mich allenfalls anzuhängen versuchen. Ja nu, wir werden sehen…….

Freitag, 3. Dezember 2010

Zigarres Reisetipps

Tag 133, bzw. 133 bis 135. 
Stefan hatte Tom gerade eben zum Flughafen gebracht und dann den Mietwagen zurück zur Zigarre gebracht. Zigarre war unser Autovermieter. Eine ganz spezielle Nummer. Crystal – Autovermietung, die Adresse um in Belize einen Wagen zu mieten. Zigarre hat viermal so viele Wagen, wie alle anderen Autovermieter zusammen (einschliesslich Hertz, Avis und Budget). Zigarre ist ein Amerikaner, der sich vor vielen Jahren in Belize niedergelassen und eine Autovermietung gegründet hat. Wir nannten ihn von Anfang an Zigarre, weil er eine riesige kubanische Zigarre im Mund hatte, was seinen amerikanischen Slang noch breiter machte. Zigarre wohnt unter einer riesigen zu zwei Seiten offenen Blechhalle, inmitten von tropischen Pflanzen und Antiquitäten. Alle Möbel, das Büro und alles steht quasi draussen, geschützt nur gerade durch ein Dach. In Vitrinen stehen archäologische Artefakte zwischen Zigarrenkistchen, Papageien klettern in den Bäumen und es kann durchaus auch mal vorkommen, dass ein Papagei von oben herab auf eine Computertastatur kackt. Zigarre hatte uns zwei Wochen zuvor erklärt, dass es auch ohne Versicherung kein Problem sei, mit dem Mietwagen über die Grenze nach Guatemala zu fahren. Kurzerhand wies er eine seiner Angestellten an, uns eine Erlaubnis zu fälschen. Überall, wo wir hin kämen, sollten wir einen Gruss ausrichten, dann bekämen wir Rabatt. Er erklärte uns, wo es sich lohnt hin zu fahren und wo eher nicht. Zwar dürfe man mit Mietwagen nur auf asphaltierten Strassen unterwegs sein, wir sollen diese Klausel aber getrost vergessen, denn die schönsten Orte seien eh nur auf Pisten zu erreichen.
So brachte Stefan also nach zwei Wochen den Wagen wieder zurück und Zigarre meinte nur: siehst Du, alles glatt gegangen, Auto noch ganz und Grenze problemlos passiert.
Natürlich wollte er auch wissen, wo’s jetzt weiter geht.
Eigentlich hatten wir vor, nach Dangriga zu fahren und von dort aus mit dem Schiff nach Puerto Colon (Honduras) zu übersetzen.
Zigarre meinte dann aber, wir sollten das lieber unterlassen, denn die Städte Puerto Colon, San Pedro Sula und Tegucigalpa sollten wir auf alle Fälle meiden, das seien die einzigen Orte in Mittelamerika, da würde er nicht hin gehen.
Spannend, da hatte uns doch zwei Monate zuvor in Mexiko ein Segler, der die ganz Welt besegelt hat vor 5 Städten gewarnt. Die drei, jetzt von der Zigarre genannten waren prompt auch dabei. Weil wir auch von den „Büsslis“ (aufmerksame Blog Leser kennen die Büsslis aus früheren Blog – Einträgen) hörten, dass Honduras eine Katastrophe gewesen sei und sie auf 120 Kilometern ganze 9 mal von Polizeikontrollen aufgehalten worden sind und die Polizisten dabei jeweils versuchten sie um Geld zu erleichtern, beschlossen wir dieses mühsame Land auszulassen.
Na ja, so einfach ist das dann aber eben nicht, denn alle drei Orte die wir unbedingt meiden sollten lagen ja auf unserem Weg, auch wenn wir den Bus nehmen sollten. Und der absolut schlimmste Ort in ganz Mittelamerika soll ja gerade eben der Busbahnhof von San Pedro Sula sein (wir sollten dann später noch mehr davon vernehmen).
Zigarre meinte, dass er nur eine Möglichkeit sehe und diese sei mit dem Bus über Guatemala (das zwar einen schlechten Ruf habe, aber eigentlich ganz gut zu bereisen sei), dann über El Salvador und Honduras nach Nicaragua zu fahren. Jesses, das würde ja einen unglaublichen Umweg bedeuten. Ja nu.
In Belize City erkundigten wir uns also nach den Verbindungen und siehe da, eine Stunde später sollte ein Bus in Richtung Flores (Guatemala) starten. Wir kauften also das Ticket und hievten eine Stunde später unsere Fahrräder aufs Dach des Busses.
Die ausführliche Beschreibung der Odyssee, die folgte ersparen wir unseren Blog Lesern wohl besser. Wir sassen nun also mehr als 36 Stunden in verschiedenen Bussen und fuhren so zwei ganze Tage und eine ganze Nacht lang in Fahrzeugen die dermassen herunterklimatisiert wurden, dass die Leute Wolldecken brauchten, um bei 16 Grad nicht zu erfrieren, währenddessen draussen tropische Hitze den Asphalt klebrig werden liess.
Irgendwo im Nichts und mitten in der Nacht stiegen vier weitere Reisende aus der Dunkelheit zu. Danny und Daniela aus Deutschland sahen auch schon sehr abgekämpft aus. Sie waren sichtlich froh, zusteigen zu können. In der Folge erzählten sie von ihren Erlebnissen. Tatsächlich kamen die beiden genau aus dem Gebiet, welches wir gerade mühsam umfahren hatten. Nach einigen Schilderungen des Gesehenen waren wir froh, dass wir auf Zigarre gehört hatten. Die beiden machten noch immer einen ziemlich eingeschüchterten Eindruck. Sie erzählten uns, dass der Besitzer des Hotels in Tegucigalpa, in welchem sie abgestiegen waren es unter allen Umständen vermied auch nur einen Meter in dieser Stadt zu Fuss zurück zu legen. Da er auch nie und nimmer einem fremden Taxifahrer vertrauen würde, hätte er und seine ganze Familie immer denselben Fahrer. Auch wenn er nur einige hundert Meter zurücklege, würde er dies nie zu Fuss machen da jeden Tag mehrere Leute in dieser Stadt ermordet würden. Na ja, dann mal gute Nacht. Apropos Nacht: in Selbiger hätten sie andauernd Schüsse gehört und beschlossen, sich am nächsten Tag von ebendiesem Taxifahrer direkt vom Hotel auf den nächsten Bus fahren zu lassen. Ok, wir waren also gut beraten diese drei Städte grossräumig zu umfahren.

Nach 36 Stunden Fahrt und ganzen 43 Stunden ohne Schlaf kamen wir also morgens um halb 2 in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua an. Unser Bus fuhr vor ein gewaltig grosses Eisentor, dass sofort von einem Sicherheitsmann mit Maschinengewehr im Anschlag geöffnet und gleich hinter dem Bus wieder geschlossen wurde.
Alles Gepäck wurde wieder ausgeladen und die Passagiere wurden vom Wachmann einzeln durch das Tor gelassen, wo sie sich draussen auf die wartenden Taxis verteilten. Wir setzten unsere Fahrräder wieder zusammen und befestigten die Taschen. Als wir dann schliesslich nach draussen in die Nacht starten wollten, meinte der Wachmann, dass wir unmöglich jetzt mit unseren Fahrrädern draussen herum fahren könnten, dass sei viel zu gefährlich, er bestelle uns lieber ein Taxi, welches uns zu einem Hotel bringen werde. Jürg fand das zwar schon etwas sehr übertrieben, willigte aber schliesslich ein. Der Taxifahrer lud dann tatsächlich all unser Gepäck und sogar noch das einer weiteren Passagierin, zusammen mit beiden Fahrrädern in und auf den Wagen und fuhr uns durchs absolut menschenleere Managua, vorbei an diversen Hotels. Bei jedem nannte er den Preis. Dieses koste 150 Dolares pro Person und jenes 80, dieses sei schmutzig und jenes zwar günstig, aber nicht sicher undsoweiterundsofort. Schliesslich hielt er vor dem, wie er meinte besten Hotel der Stadt. Na ja, das beste Hotel in Managua dürfte wohl einfach dasjenige sein, welches ihm die beste Provision für einen angekarrten Gast bezahlt.
So kamen wir also, im ärmsten und somit auch günstigsten Land auf unserer Reise zur schlechtesten und gleichzeitig auch teuersten Unterkunft unserer ganzen Reise. Bestimmt bekommt der Wachmann vom Taxifahrer eine Provision für’s Touristen erschrecken und der Taxifahrer vom Hotelbesitzer fürs Ankarren der verängstigten Gäste.
Der Clou aber war dann, dass wir am nächsten Morgen vom Hotel aus in Richtung Granada los fuhren und keine 200 Meter von unserer Unterkunft entfernt den Busbahnhof von gestern Nacht passierten. Elende Schlitzohren, diese Nicaraguaner.
Aber glaubt uns, liebe Blog-Leser, es ist ein Hochgenuss, wieder auf den eigenen Rädern unterwegs zu sein.


P.S Im Belize und Guatemala Album hat es nochmals mehr Bilder von weiteren Höhlenbesuchen etc. gegeben, neu dazu gekommen ist auch das Album für Nicaragua, Costa Rica und Panama.

Samstag, 27. November 2010

Wasserhöhle

Tag Nummer 138. 

Nähe San Ignacio (bestimmt bereits das 4. San Ignacio auf unserer Reise), morgen um halb 8, wir besteigen einen alten amerikanischen Schulbus. Dieser fährt uns in fast zweistündiger Fahrt über Strassen, die wir niemals für befahrbar gehalten hätten mitten in den Dschungel. Irgendwo im Schlamm steigen wir aus und müssen zu Fuss weiter. Dreimal überqueren wir dabei einen Fluss und stehen jedes Mal bis mindestens zum Bauchnabel im Wasser. Weit und breit sind wenigstens keine Krokodile auszumachen, doch an einer Stelle fangen die Fische plötzlich an, an uns zu knabbern. Nach einer guten Stunde Fussmarsch sind wir da, wo der Fluss entspringt, an einem wirklich sehr Idyllischen Höhleneingang. Durch diesen schwimmen wir mit unserem Guide  Patrick hinein. Dieser führt uns durch eine faszinierend schöne Tropfsteinhöhle. Immer mal wieder müssen wir ein Stück weit schwimmen oder klettern. Nach eineinhalb Stunden kommen wir an einem Ort in diesem unterirdischen Labyrinth an, wo die Mayas einst ihren Göttern Opfer gebracht hatten. Viele Tonkrüge und Scherben und auch einige makabere Relikte zeugen noch immer davon. Da liegen doch tatsächlich nach fast 2000 Jahren noch immer die Überreste der bedauernswerten Opfer in Form von Menschenknochen, Schädeln und ganzen Skeletten. Zwischen diesen Knochen hindurch führt uns unser Guide  und erzählt uns dabei von den Mayas und ihren Opferritualen.
Abgesehen von diesem Faszinosum, sind auch die Tropfsteinformationen atemberaubend. Gut, sind die Temperaturen an diesem Ort nicht so, wie normalerweise in europäischen Höhlen, denn wir verbringen tatsächlich über drei Stunden unter der Erde. Als wir am Schluss wieder ans Tageslicht, mitten hinein in den grünen Dschungel schwimmen ist das ein wirklich erhebendes Gefühl.
Eine Stunde laufen wir wieder zurück und wollen im Bus zurück fahren.
Der Buss will aber nicht und weil unser Fahrer so lange versucht das Ding zu starten, ist irgendwann die Batterie leer.  Ojeee und das bestimmt 30 Kilometer von der Zivilisation entfernt. Als dann der Busfahrer sich zu Fuss davon macht, wird’s schon etwas mulmig.
Irgenwie schafft er es doch tatsächlich von, weiss Gott woher, einen Traktor aufzutreiben und kommt bald mit zwei Bauern und einem Traktor zurück.
So geht’s dann (inzwischen ist’s zappenduster) im Buss, gezogen von einem Traktor weiter. Irgendwann, mit unsäglicher Verspätung aber trotzdem sehr zufrieden kommen wir dann doch noch „zuhause“ an, gerade rechtzeitig zum Nachtessen.

Wie immer gibt es viele neue Bilder im Album Belize und Guatemala .

Reif für die Insel oder Tag Nummer 131 bis 133

Nach 7850 gefahrenen Kilometern sind Ferien von den Ferien angesagt. Nachdem in Belize City Tom zu uns gestossen ist, stellen wir unsere Fahrräder im Hostel unter und lassen uns mit dem Schnellboot von Kapitän Reefes auf eine Insel fahren.
Weit draussen in der Karibik liegt, inmitten eines Korallenriffs die Insel Long Caye. Dort, inmitten von Palmen und Mangroven führen Ruth und Karel eine Tauchbasis.  Tom kommt mit Tauchausrüstung und Stefan und Jürg mit Schnorchel, Flossen und Taucherbrille an. Kaum aus dem Boot gestiegen werden wir zum Ferienmachen verdonnert. Als Jürg sein Gepäck ausladen will, wird er von Karel zurechtgewiesen. „Du hast Ferien, wir transportieren das Gepäck!“ begrüsst ihn dieser und nimmt ihm die Tasche aus der Hand. Aha.
Und so geht es weiter. Nachdem wir die wunderschönen Zimmer bezogen haben, gibt’s schon ein feines Mittagessen (für Jürg sogar Vegetarisch).
Fast noch kauend geht’s dann schon ab aufs Boot. Kathrin und Nigel, zwei weitere Gäste aus Deutschland sind auch mit dabei. Draussen am Korallenriff taucht Karel, zusammen mit Kathrin, Nigel und Tom ab in die Tiefen der Karibik und während Kapitän Reefes auf dem Schiff wartet, schnorcheln Stefan und Jürg zwischen bunten Fischen, ebenso bunten Korallen und einer wunderbaren Unterwasserwelt.
Plötzlich ruft der Kapitän uns beide, wild gestikulierend zu und zeigt aufs Meer hinaus.
Wir sehen grosse Flossen auf uns zu schwimmen.
Jesses, sind das Haie, die da direkt auf uns zusteuern?
Bald sehen wir die Tiere von ganz nah, es sind Delphine, die uns auf einmal umrunden. Wow, das haben wir nicht erwartet. Der Spuk dauert eine Weile und einige der faszinierenden Viecher kommen neugierig ganz nah, als das Schauspiel leider auch bald wieder endet und die Horde weiterzieht. Kurz danach kommen die Taucher wieder an die Oberfläche und können kaum glauben, dass wir bei unserem ersten Tauch- bzw. Schnorchelgang Delphine erleben durften. Sie murmeln etwas von ungerechter Welt und Anfängerglück.
Drei ganze Tage lang sind wir jetzt am Tauchen bzw. Schnorcheln. Am dritten Tag steht das Blue Hole auf dem Programm, eine kreisrunde Unterwasserhöhle von 300 Metern Durchmesser und 130 Metern Tiefe. Jürg schafft es auf fast 20 Meter Tiefe, muss dann aber 110 Meter vor dem Grund aufgeben, um an der Oberfläche wieder Luft zu schnappen.
So geniessen wir drei Tage lang eine faszinierende Unterwasserwelt, sehen Feuerfische und Adlerrochen, Korallen und Baracudas, füttern einen Fischschwarm mit Melonen und überleben einen Krokodilangriff.
Jawohl, als wir nämlich nach unserem letzten Ausflug ins Ressort zurück kommen und wie immer unsere Füsse im dafür vorgesehenen Wassereimer waschen wollen, liegt in diesem ein kleines Krokodil. Als Jürg sich das Tierchen näher anschauen will schnappt es sogleich nach ihm und er bringt in letzter Sekunde (oder eher Bruchteile selbiger) seine Finger wieder in Sicherheit. Ein angriffiges Kerlchen.
Das waren wirklich schöne Tage mit Ruth, Karel, Reefes, Kathrin, Nigel und natürlich Tom.

Dienstag, 23. November 2010

Belize, Rasen als Volkssport

Witzig, wie schnell sich soviel ändert, wenn man die Grenze von Mexiko nach Belize überschreitet. Dasselbe flache Land, wo sich Sumpf, steppenähnliches Grasland, Urwald und Zuckerrohrplantagen abwechseln und doch ist alles etwas anders.
Während man in Mexiko zwar viele braungebrannte, aber kaum je einen Schwarzen sieht, ist hier der Grossteil der Bevölkerung afrikanischstämmig und einziges Land südlich der USA spricht man in Belize wieder englisch.
Bereits an der Grenze war die Veränderung augenscheinlich. Während wir den mexikanischen Zollbeamten, dem wir unsere Pässe durch die schmale Öffnung schoben, in seinem Kabäuschen, vor lauter Glas und Gitter nicht sehen konnten, wurden wir in Belize von zwei fröhlichen, schwarzen Mamas herzlich begrüsst und an einen gutgelaunten Zollbeamten weiter geleitet.  Willkommen in Belize. Wo wir her kämen wollte er wissen und konnte es kaum fassen, dass jemand von Kanada nach Belize radelt. Gute Reise und seid vorsichtig! Machen wir.
Und dann, die  ersten Kilometer in diesem kleinen Land, gerade halb so gross, wie die Schweiz und nicht mal 250'000 Einwohner. Jeder hier scheint ein Fahrrad zu haben. In den Dörfchen und Städtchen, Fahrrad fahrende Menschen überall. Und auch hier, wie zuvor in Mexiko, fast alle winken und grüssen beim Vorüberfahren.
Doch die witzigste Veränderung, die sich wirklich schon wenige Meter nach der mexikanischen Grenze beobachten lässt: Hier hat jeder, aber wirklich jeder einen absolut gepflegten Rasen um sein Haus. Belize gehörte früher zur englischen Kolonie und Queen Elisabeth krönt noch immer die belizischen Dollarnoten. Die Engländer sind gegangen der englische Rasen aber scheint Bestand zu haben. Auf der anderen Seite des Grenzzaunes müsste man wohl tagelang suchen, um auch nur ein Haus mit Rasen zu finden, aber hier steht die armseligste Hütte mit Strohdach wie mitten in einen Golfplatz gepflanzt. Wir sehen sogar Baustellen, wo erst das Fundament und die Seitenwände stehen, der Rasen drumherum aber schon rege gepflegt wird. Na ja, nicht schwer zu erraten, von was wir an den beiden ersten Tagen (am Samstag und Sonntag) hier in Belize geweckt wurden. Richtig, am Samstag von einem Rasenmäher und am Sonntag (morgens um 7, wohlgemerkt) von einem Rasentrimmer. Drei Tage sind wir jetzt in diesem überraschenden Land und wir geniessen die fröhlichen Menschen und die Veränderung. Das muss wohl das sogenannte karibische Flair sein. Einfach hübsch.

Freitag, 12. November 2010

Adios Mexiko

Nach 66 Tagen, 4500 Kilometern, 121 Quesadillas (Jürg), 58 Sincronisadas (Stefan), sowie geschätzten 8800 winkenden Mexikanern und einem Krokodil (dieses natürlich nicht winkend), heisst es jetzt adios Mexiko. Morgen wollen wir die Grenze zu Belize überschreiten und das Land hinter uns lassen, in welchem wir wahrscheinlich bis am Schluss unserer Reise am meisten Kilometer zurückgelegt haben werden.
Wir freuen uns sehr auf Belize, werden Mexiko aber als ungemein freundliches Reiseland in Erinnerung behalten. Wir können Mexiko nur empfehlen. Infrastruktur, Strassen, Hotels, die Leute, allesamt sehr radlerfreundlich. Kein einziges Hotel hatte etwas dagegen einzuwenden, wenn wir jeweils unsere Fahrräder mit aufs Zimmer nahmen. Die Automobilisten nehmen sehr grosse Rücksicht auf Fahrradfahrer, fahren mit genügend Abstand und sehr oft hupen sie ganz kurz vor dem Überholen und viele schalten sogar die Warnblinkanlage ein, sobald sie einen Fahrradfahrer sehen. Grundsätzlich gilt: je grösser der Wagen, umso mehr Abstand. Besonders die Trucker sind genial, denn diese wechseln sogar meist auf die Gegenfahrbahn, um dem Fahrradfahrer auf keinen Fall zu nahe zu kommen.
Bevor wir die Grenze USA - Mexiko überschritten, warnten uns viele Amerikaner vor diesem gefährlichen Land.
Täglich lasen wir denn auch in den Nachrichten vom tobenden Drogenkrieg in Mexiko, von zahlreichen Toten und einem vollkommen hilflosen Staat. Doch als Reisende bekommt man davon nicht viel mit. Ausser vielleicht einmal eine mitternächtliche Kontrolle im Hotel und täglich einigen Strassensperren, durch welche wir aber als Fahrradfahrer ausnahmslos durchgewinkt wurden.
Auch punkto Kosten, lässt sich als Europäer hier gut reisen. Die günstigste Hotelübernachtung war gerade mal 150 Peso (12 Franken 50) und die teuerste 700 Peso (59 Franken), für jeweils zwei bzw. drei Personen. Im Schnitt benötigten wir pro Person 35.- am Tag ohne speziell zu sparen.

Na ja, wo wir etwas Mühe hatten, war das Essen. Die traditionelle Küche hat keine grosse Abwechslung zu bieten und für Vegetarier ist sie schlichtweg der Horror. Auf jeder Karte stehen dieselben Menus und diese bestehen zumeist aus den langweiligen Teigfladen, mit ebenso uninteressanter Füllung. Na ja, da wussten wir uns meist zu helfen (wenn wir keinen Italiener fanden), indem wir einfach selber etwas zusammen brutzelten, denn Zutaten waren immer und in grosser Auswahl in den Supermärkten zu finden. Auch im kleinsten Dörfchen hat es mindestens einen Händler mit grosser Gemüse- und Früchteauswahl. Vegetarier Achtung! Gemüsebouillon unbedingt von zuhause mitbringen. Gut hat Jürg diese kiloweise gebunkert.

Vielleicht auch nicht ganz unwichtig, was uns am besten gefallen hat:
Als Stadt: San Luis Potosi (mit den vielen, schönen Kolonialbauten)
Als Strecke: von Mazatlan nach Durango (sehr schön, aber auch sehr steil)
Als Begegnung (Mensch): Luis aus San Luis (der doch tatsächlich als Veganer in Mexiko überlebt)
Als Begegnung (Tier): Das Krokodil am Strassenrand (vollkommen unerwartet und überraschend)
Kulinarisch: der Italiener in Ciudad del Carmen (Restaurant Il Giglio)
Kulturell: Ruinenstädte Becan (wo wir ganz alleine, in einer Ruinenstadt im Dschungel waren)
Allgemein: dass in Mexiko jedes Hotel, jedes Restaurant und alle öffentlichen Gebäude rauchfrei sind (und das Rauchverbot tatsächlich von allen eingehalten wird)

Was uns nicht gefallen hat:
Die elenden Topes (Verkehrsberuhigende Schwellen, die einen Fahrradfahrer manchmal fast vom Rad werfen)
Kulinarisch: die phantasielose mexikanische Küche
Gruusig: die vielen toten und penetrant stinkenden Tiere am Strassenrand
Akustisch: die ohrenbetäubende Disco-Beschallung in manchen Läden


Qusadillas     = langweiliger Käse in einem Teigfladen (meist etwas warm)
Sincronisadas    = langweiliger Käse, zusammen mit Schinken in einem Teigfladen

Freitag, 5. November 2010

Bye, Bye Kim

Als wir in La Paz auf die Fähre warteten, die uns nach Mazatlan bringen sollte, kam er angefahren, Kim. Da wussten wir noch nicht, dass wir ab da über einen Monat gemeinsam mir ihm durch halb Mexiko radeln würden.
Es war ein Spontanentscheid von Kim uns zu begleiten, denn eigentlich hatte er vor, der mexikanischen Westküste entlang zu fahren. Da war es aber dermassen schwülheiss, dass die Berge und vielleicht auch die Aussicht ein Stück weit nicht alleine fahren zu müssen ihn dazu bewogen mit uns ins Landesinnere zu radeln. Erstaunlich wie gut das gemeinsame radeln und leben auf Anhieb klappte. Er, Kind von südkoreanischen Eltern, aufgewachsen in Oslo, 31 Jahre alt hatte beschlossen eine Fahrradtour zu machen. Wohlgemerkt, die erste Fahrradtour in seinem Leben solle ihn von San Francisco nach Chile bringen. Unglaublich mutig, aber auch ziemlich unvorbereitet. Na ja irgendwie sollte und wird es vermutlich funktionieren. Von Mazatlan fuhren wir mit Kim 32 Tage, bis zwei Tage über Veracruz hinaus. Eigentlich hatte Kim vor, schon viel früher in Richtung Guatemala abzubiegen. Da er sein Rückflugticket auf Ende April von Santiago de Chile aus gebucht hat konnte und wollte er  den Umweg über Belize nicht machen. Nach Veracruz war dann die letzte Gelegenheit. Irgendwo auf der Strasse kurz vor Acayucan verabschiedeten wir uns.
Wir hoffen, dass Kim sein Ziel ohne Probleme schafft oder sich zumindest Hilfe organisieren kann wenn mal wieder etwas an seinem Fahrrad kaputt geht. Na ja und wer weiss, vielleicht treffen wir nochmals zusammen und fahren nochmals ein Stück gemeinsam. Seine Mail- und Blogadresse haben wir ja. Ach ja, wenn es jemanden interessiert: http://www.toilsweatandjoy.blogspot.com/  

Viel Glück Kim und hoffentlich sehen wir uns mal wieder!

Mittwoch, 3. November 2010

Wer liest eigentlich unseren Blog? / Who is reading our blog? / ¿Quién lee nuestro blog?

Vor ziemlich genau 2 Wochen hatte ich eine echte „Reisekrise“ und überlegte mir ernsthaft, die Tour frühzeitig zu beenden. Ich hatte ich Schnauze  voll vom immer gleichen Essen, der immer gleichen Landschaft, dem immer gleichen Reisepartner, dem immer gleichen Velo, den immer gleichen Fragen der Leute  etc. etc………..
Just in diesen unsicheren Stunden erhielt ich völlig unerwartet auf einen meiner Blogeinträge einen Kommentar der (mit)entscheidend war, damit ich schlussendlich die nötige Motivation wieder fand und mittlerweilen wieder voll bei der Sache bin (danke Hansruedi!) .


Warum ich den Titel „Wer liest eigentlich unseren Blog?“ gewählt habe ist aber auch deswegen, weil ich heute die Zugriffsstatistiken mal etwas genauer angesehen habe.

Zugriffe im letzten Monat: knapp 700 (seit Beginn gut 2600)
Länder aus denen die Zugriffe stammen: Schweiz, Mexico, Niederlande, Kanada, Guatemala, Costa Rica, USA, Griechenland, Belize.

Aha, interessant. Wir haben ein nicht so kleines, internationales Publikum, das jedoch mehrheitlich schweigt. Dabei erfahren wir über andere Kanäle wie emails, (zum Teil sehr ausführlich) oder Telefon immer wieder dass dieser und jene eben auf unserem Blog war und die verschiedenen Einträge und Bilder spannend fand. Bei gewissen Ländern können wir uns ausdenken wer „hinter den Zugriffen“ steckt, bei anderen sind wir ebenfalls neugierig, haben aber keine Ahnung wer das wohl sein könnte.
Die verschiedenen Artikel für den Blog schreiben und die Bilder knipsen, sortieren, hoch laden und kommentieren macht eigentlich immer Spass; es ist aber auch recht viel Arbeit für die manchmal erst spät abends, oft nach einem 100km Tag, wenn das Hotel gefunden worden ist und wir geduscht und gegessen haben noch Zeit gefunden werden muss, auch wenn wir lieber einfach nur noch im (klimatisierten) Zimmer „rumhängen“ würden.

Mit diesen beiden Episoden möchte ich rüberbringen, dass wir uns über Kommentare sehr freuen würden und im obigen Fall für mich auch „Tour rettend“ war.

Also, ran an die Tasten. Nur keine Scheu, es sollen ja nicht Romane geschrieben werden, auch ein 2-Zeiler freut uns. Kommentare schreiben geht so einfach wie 1-2-3

1.    Unter jedem Blogeintrag hat es den Link „Kommentare“. Dort drauf klicken.
2.    Den Kommentar schreiben und im Feld „Kommentar schreiben als:“ Name/ URL auswählen. Dort danach den Namen eingeben. Das Feld URL kann leer bleiben.
3.    Auf den Knopf „Kommentar erstellen“ klicken, fertig!



Ich hoffe ihr versteht diesen Blogeintrag nicht als ultimative Aufforderung/ Befehl um sich gleich wie wild an den PC zu setzen. Wenn euch spontan beim Lesen (vielleicht von diesem Beitrag) was einfällt was ihr uns gerne mitteilen wollt, dann nutzt doch Kommentarfunktion. Dann haben die anderen Leser auch was davon und lassen sich vielleicht anstecken, besser als wenn ihr uns direkt ein email schreibt (über das wir uns natürlich auch freuen). Jürg „geniert“ sich natürlich ein wenig und würde so einen Aufruf nie und nimmer in den Blog schreiben, freuen wird er sich über die Kommentare trotzdem, da bin ich mir sicher.

San Luis Potosi – Veracruz – Ciudad el Carmen

Seit wir von San Luis Potosi losgefahren sind (jetzt ca. 2 Wochen her, gut 1100km) sind wir grob gesagt in südöstlicher Richtung von den Bergen hinunter ans Meer gefahren wo wir jetzt mehr oder weniger der Küste entlangfahren. Das Wetter ist immer noch sehr schön, (leider) auch wieder sehr heiss (meistens so um die 30-35 Grad) und sehr feucht. Da hat uns das von den Mexicanern empfundene so kalte Klima in den Bergen mehr Freude bereitet. Aber egal, es soll ja schliesslich südwärts gehen, da erwarten uns noch andere Temperaturen, speziell in Mittelamerika. Die Landschaft war in den letzten Wochen nicht mehr so spektakulär wie in den Bergen, daher gibt es auch nicht soviel dazu zu  erzählen. Klar, es ist alles wieder grün, die Flüsse voll Wasser und die Geräusche aus dem (Ur) Wald der verschiedenen Tiere sind eindrücklich. Trotzdem, so schön wie es in den Bergen war, ist es halt nicht mehr.
Dafür haben wir euch ein paar Geschichten die neben den Strassen passierten auf Lager.

Achja, fast hätte ich es vergessen: Neue Bilder gibts jede Menge, zu finden wie immer im Album Mexico

Strassen, die einfach irgendwo enden

In den letzten Tagen sind wir nun mehrfach, fast fassungslos vor einem Abgrund gestanden, wo eigentlich eine Strasse hätte sein sollen.
Das eine Mal freuten wir uns schon viele Kilometer vorher über den bescheidenen Verkehr. Na ja, eigentlich hätte es uns auch stutzig machen können, wenn plötzlich der Gegenverkehr vollkommen fehlt.  Auf  einmal irgendwo in der Pampa, sahen wir schon von Weitem einen ziemlich grossen Menschenauflauf. Leute stiegen aus Bussen aus und wanderten mit Sack und Pack zu Fuss weiter, an einer langen Autokolonne vorbei. Da  hatte es bereits Händler, die versuchten ihre Nüsse und Getränke zu verkaufen und alle motorisierten Wartenden schienen sich auf eine längere Wartezeit einzustellen, denn da wurde gegessen und diskutiert. Na ja, diesmal hatten wir mit unseren Fahrrädern natürlich einen immensen Vorteil und konnten an den Autos und Lastwagen vorbei fahren. Doch dann war plötzlich auch für uns Schluss. Da hatte es in der Nacht doch tatsächlich auf einigen Metern die Strasse weggeschwemmt. Der Polizist, der zuvorderst am Abgrund stand, meinte, das wäre der Hurican in der Nacht gewesen. Unglaublich, wir waren so müde, dass wir doch tatsächlich einen Hurican verschlafen hatten. Ein Bagger war damit beschäftigt eine Behelfslösung zu konstruieren. Der Polizeibeamte meinte, das würde aber bestimmt noch Stunden dauern. Für uns sah das Ganze eher nach einer Arbeit für Tage aus, denn da fehlte dermassen viel Material und die Lastwagen, welche das Kies brachten kamen ja auch kaum durch. So beschlossen wir es irgendwie durch den Fluss zu versuchen. Zu Fuss machten das auch andere Leute, aber für uns und unsere Fahrräder war der Fluss an dieser Stelle zu tief und hatte auch zuviel Strömung. Als der Bagger dann die Seite wechselte und durch den Fluss fuhr, sahen wir eine Möglichkeit im veränderten Flussbett und so stiessen wir unsere Fahrräder durch den Morast und durch den Fluss auf die andere Seite. Dort mussten wir dann noch durch ein Stück Wald (und das mit ca. 70 Kilo schweren Velos) und schliesslich standen wir auf der gegenüber liegenden Seite. Wow genial, jetzt konnten wir stundenlang fahren, ohne auch nur einmal überholt zu werden. Irgendwie hat so ein totaler Verkehrsstau auch seine positiven Seiten.

Zwei Tage später stehen wir erneut vor einer Strasse, die diesmal nicht im Nichts, sondern im Meer endet. Unglaublich, denn diese Strasse ist bei Kims Karte eingezeichnet und auch in Stefans GPS kein Problem. Da sie aber sowohl in Jürgs Karte, als auch im Google Maps fehlt, sind wir skeptisch und fragen nach, ehe wir den Weg in Richtung La Venta einschlagen. Na ja, der Leser denkt jetzt vielleicht: ist ja kein Problem, wenn eine Strasse nicht durchgehend ist, kann man ja umkehren. Ja, kann man. Wenn man aber dann zwei Tage Radelleistung wieder zurück muss, also insgesamt vier Tage lang für nichts strampelt und dann erst noch wieder am selben Ort steht, dann ist das gelinde gesagt, nicht eben erbauend. Auf unsere Frage wird geantwortet, ja natürlich, diese Strasse gibt es. Also schlagen wir den Weg in Richtung La Venta ein. Skeptisch, wie wir sind, fragen wir dann nochmals in La Venta an einer Polizeistation nach. Antwort: ja, klar da hat es eine Strasse von Sanchez Magallanes nach Tupilco. Ok, wir sind beruhigt. Nach eineinhalb Tagen Fahrt sind wir schliesslich in Sanchez Magallanes und vielleicht sagt es Etwas über unser Vertrauen in mexikanische Auskünfte aus, wenn wir jetzt schreiben, dass wir am Dorfausgang von Sanchez Magallanes nochmals bei einem Fahrradmechaniker fragen, ob die Strasse, dem Meer entlang nach Tupilco denn abierto (geöffnet) sei. Ja, klar, alles hier geradeaus geht’s nach Tupilco.
Kaum aus Sanchez Magallanes raus wird Jürg misstrauisch und meint, es scheine ihm doch etwas sehr wenig Gegenverkehr zu haben. Wenig ist stark untertrieben, denn es kommt gar kein Verkehr mehr entgegen.
Nach weiteren zwei Stunden ohne Verkehr stehen wir wieder mal am Abgrund. Die Strasse endet im Meer. Ein wirklich unpassierbar scheinender Sandweg führt hinein in die Palmen. Wir wollen auf keinen Fall zurück, also schlagen wir diesen Weg ein. Lieber Leser, bitte versuche doch mal durch einen Sandhaufen zu fahren und das selbst ohne Gepäck. Du wirst elendiglich stecken bleiben. Und rate, was wir taten…. Genau. Nun denkt man in solchen Situationen positiv und geht davon aus, dass der Weg nur kurz durch die Palmen führt um dann wieder auf die Strasse einzuschwenken. Aus dem Kurz wird dann aber Eeeeewig, Stundenlang und als Bonus hat’s da alle paar Kilometer Wegelagerer, die den Weg mit Seilen und Ketten versperren (und das irgendwo, im Nirgendwo) und einen Wegzoll für diese elende Sandpiste eintreiben wollen da die umgeleitete Piste durch ihr Grundstück führt. Na ja, zumindest bei allfälligen Autos. Uns lassen alle ohne Obolus passieren. Jedesmal, wenn wir uns freuen, dass die Strasse wieder asphaltiert ist, dauert’s nur grad einige wenige hundert Meter und wir stehen schieben und fluchen wieder im Sand. Aber klar, die Strasse ist abierto, nöö, kein Problem. Mexikanische Auskünfte sind vollkommen wertlos, da muss man gar nicht erst fragen.

Staatsgewalt will Erfrischung

Also, der Hammer, da kommen wir aus dem Supermarkt in Lerdo de Tejada und wollen zurück um im Hotel einen Gemüseeintopf zubereiten, als uns zwei Polizeibeamte (wieder mal mit Maschinengewehren im Anschlag) zu sich winken. Da fragt der eine Polizeibeamte doch tatsächlich, ob wir ihm eine Refresco (Erfrischung) spendieren würden. Kaum zu glauben so was, der will doch tatsächlich eine Cola von uns. Da ist er aber an die Falschen geraten. Nein, winken wir ab, keine Refresco für den Polizeibeamten. Buonas Dias Senor.

Wecker in Highheels

Tag, bzw. Nacht Nummer 92 . Wir sind wieder mal nahezu 100 Kilometer gefahren und ziemlich müde, als wir kurz am Strassenrand Halt machen und beschliessen, für einmal nicht ins Ortszentrum (in diesem Fall Fresnillo) zu fahren, sondern ein Motel zu suchen, wo wir ebenerdig hinein fahren können.
Kurz, nachdem wir das beschlossen haben, taucht links an der Strasse ein Motel auf „Auto Hotel Oassis“  lesen wir und fahren hinein.
Dann kommen wir an einen Schlagbaum und durch eine Gegensprechanlage fragt uns eine Dame, was wir suchen.
Na ja, was wohl? Ein Zimmer vielleicht? 450 Peso kostet es (das sind etwa 35 Franken). Stefan fragt, ob er das Zimmer mal sehen könne. Ok, kann er. Eine Dame in goldenen Stöckelschuhen, so hochhackig, dass sie diese garantiert nirgends ausserhalb dieses Hotels in Mexiko tragen kann, kommt und holt ihn ab.
Derweil warten Kim und Jürg draussen.
Als Stefan wieder zurück kommt und meint, das Zimmer sei der Hammer, da hätte es zwar nur ein Bett, aber dieses sei zweimal so gross, wie unser Zelt (immerhin ein Vierzelt), findet
Jürg (zum ersten Mal auf der ganzen Reise), ihm passe dieses Hotel nicht, er würde ein Anderes suchen. Er kann zwar auch nicht erklären warum, aber irgendwie scheint es ihm suspekt. Die komische Gegensprechanlage, jedes Zimmer hat eine eigene Autogarage und auch sonst ist alles dermassen gepützelt, wie sonst im ganzen Land an keinem anderen Ort. Komisch.
Na ja, als dann aber auch Kim begeistert ist, willigt er ein, das Zimmer zu nehmen.
Wie wir dann das Zimmer beziehen liegt auf dem Tisch eine Menukarte. Wow, eigentlich wollten wir ja selber etwas Feines kochen, aber mal sehen, was wir da so alles bestellen könnten.
Ein Blick in die Karte….ups, anstelle von Hamburgessas und Tortillas sind da Dildos, Vibratoren, Kondome in allen Farb- und Geschmacksrichtungen, Peitschen und Gummikleider aufgeführt. Ui, wo sind wir denn da gelandet? Über dem Bett bemerken wir ein Hygienetuchspender. Als Jürg den Fernseher andreht, sind auf allen Sendern dieselbe Art Filme zu sehen. Ratet mal, wasfürwelche……
Nun, zumindest die Dusche funktioniert tiptop, also duschen wir alle (einzeln natürlich, obwohl ein Pferd in der Dusche Platz gefunden hätte) und waschen unsere Kleider. Diese hängen wir zum trocknen an ein Seil in die Garage. Wir hängen das Wäscheseil so zwischen dem Garagentor und unserer Türe auf, dass wir auf gar keinen Fall die Toröffnung drücken dürfen, ehe das Seil wieder abgehängt ist. Stefan und Jürg schärfen Kim ein, unbedingt die Türe und nicht das Garagentor zu benützen.
Danach kochen wir auf dem blitzblanken Boden der Garage Spaghettis.
Nach 100 Kilometern Fahrradfahren brauchen wir dann weder eine Gutenachtgeschichte, noch eine Schlaftablette und schlafen bald auf dem Riesenbett ein.
Morgens um halb 6 werden wir dann jäh aus dem Schlaf gerissen, als das Telefon läutet. Wir beschliessen dieses zu ignorieren, denn wer würde uns denn hier erreichen wollen?
Kaum wieder eingeschlafen wachen wir erneut auf, als wir „oh Schreck!“ hören, dass sich das Garagentor öffnet. Jesses, unsere Wäscheleine. Stefan und Jürg hechten nach draussen in die Garage und Stefan unter den ächzenden Garagentor hindurch. Jürg beobachtet die Szene vom Innern der Garage aus. Da das Tor nur grad einen halben Meter aufgegangen ist, sieht er nur  zwei nackte Füsse neben zwei knallroten Stöckelschuhen. Eine quitschende Damenstimme teilt Stefan mit, dass die 12 Stunden um seien. Er erklärt ihr, wir hätten mit der Dame vom Vorabend abgemacht, das Zimmer bis 12 Uhr zu verlassen.
Widerwillig zieht sich die Dame wieder zurück und das Garagentor lässt sich gottlob wieder schliessen.
Ojje, also schnell wieder zurück ins Bett. Na ja, die gute restliche Nachtruhe dauert dann nicht mehr lange, denn schliesslich kommen die roten Stöckel, unterstützt durch die Goldenen wieder zurück und erklären nun gemeinsam, dass 12 Stunden um seien und wir entweder nochmals 450 Peso zu zahlen hätten oder dann das Zimmer sofort räumen müssten.
Ok, wir haben die Nase voll und packen unsere Sachen. So früh, wie in Fresnillo sind wir noch nie gestartet.
Ab jetzt wollen wir jeweils schon vor dem Beziehen des Zimmers abmachen, für wie lange wir bleiben können.
Das Autohotel Oasis in Fresnillo können wir also nicht wirklich weiter empfehlen, der Weckdienst ist definitiv zu nervig.