Samstag, 22. Januar 2011

Das grosse Geld

Auf dem Rückweg ins Motel dann, winkt mir (ausgerechnet mir, was für ein Glück!) das grosse Geld. Ein gut angezogener, junger Mann kommt auf mich zu. Hola Amigo. Wow, ich habe einen Freund!
Hola. You speak english?
Jetzt geht’s auf Englisch weiter.
Jawohl, ein Bisschen.
Von wo kommst Du?
Aus der Schweiz.
Aha, Zürich, Basel, Genf.
Jawohl, Zürich.
Hey, wie lange bist Du in Cartagena?
Noch eine Woche, aber danke, ich brauche nichts.
Hey, ich habe gutes Kokain.
Danke nein, an Drogen bin ich wirklich nicht interessiert, buen Dia.
Hey, ich habe auch Marihuana.
Eben, wie schon gesagt, kein Interesse an Drogen.
Oder Pillen?
Nein, auch keine Pillen.
Hey, aber du kannst ein Kilo in die Schweiz bringen, das bringt sehr viel Geld.
Danke, nein, kein Interesse.
Aber, hey, das bringt sehr, sehr viel Geld.
Ja, danke, ich weiss, habe aber trotzdem kein Interesse.
Aber hey, Geld ist doch gut.
Ich drehe mich um, denn er läuft mir seit dem „Hola Amigo“ schon seit 100 Metern hinterher und macht sein Angebot total unverfroren, denn in diesen 100 Metern sind wir schon an zwei Polizisten (die hier an jeder Ecke stehen) vorbei gegangen.
Ich schaue ihn wütend an und sage ihm nochmals, ich hätte absolut kein Interesse an Drogen, weder für mich, noch um es in die Schweiz zu nehmen.
Warum nicht. Hey, amigo
Irgendwann gibt er es dann doch noch auf.

Irgendwie schon krass, diese Verhältnisse. Gelingt einem armen Schlucker der Schmuggel eines Kilogramms Kokain in die USA oder nach Europa, hat er auf einen Schlag soviel Geld, wie der Herr mit dem Taubenfutter in 20 Jahren verdient, wenn er Tag für Tag in jedem Wetter und jeweils während 8 Stunden am Tag im Park Maiskörner verkauft.
Absolut verständlich, dass sich immer genügend Leute finden werden, welche die Gefahr angesichts eines solchen Ausblicks ausblenden oder auch einfach auf sich nehmen und es versuchen.
Und wer könnte es ihnen wirklich übel nehmen?
Da ist doch ein Fehler im System.

1 Kommentar:

  1. Hey ihr zwei! absolut tolle berichterstattung... :-) wenn wir die story vom segelabenteuer lesen, sind wir heil froh dass es bei uns so geregnet hatte, dass es unmöglich wurde mit einer nussschale zu segeln! hätted vielleicht doch das hotel porvenir anrufen sollen!? :-))
    wir wünschen euch eine tolle heimreise und hoffen dass ihr euch wieder in die schweizer gesellschaft eingliedern könnt... vielleicht trifft man sich zuhause mal auf ein gerber fondue und ein gläschen wein!?
    alles gute und liebe grüsse aus ecuador
    die büsslis

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